glaubte fest zu sein , weil mich nichts erschütterte , ich hielt mich für einen Andern , weil mein Auge nur die Bilder der Welt sah , in der ich ganz ausschließend lebte . Was ich so vollkommen empfand , was so innig Eins mit mir schien , wie sollte ich ihm nicht gleichen ! Welch ein Wahn täuscht so das Bewußtsein ! Seit ich diese Schwelle hier betrat , bin ich in einer Unruhe , die mich von Widerspruch zu Widerspruch treibt . Ist es der Dunstkreis , dieser einander ganz unähnlichen Menschen , der mich beengt ? sind es die Reflexe ihrer Seelen , die in undeutlichen Umrissen meine Phantasie quälen ? Was ist ' s , das in der schöpferischen Fortbewegung , die wir Leben nennen , plötzlich eine Bilderreihe neuer Ansichten an mir vorüberjagt ? oder giebt es ansteckende Einflüsse in der moralischen , wie in der physischen Atmosphäre , von denen uns nichts träumt ? Genug , ich fühle es mit Schaam , ich bin nicht mehr derselbe . Es steigen Fragen in mir auf , Fragen , lieber Herr Baron , die mehr an die Hölle als an den Himmel gerichtet sind , da sie eine verneinende Antwort erwarten lassen . Damals , als wir uns in dem Zimmer des Waldhauses befanden , der Herr Graf herein trat , und mit der Landstreicherin seinen Spaß hatte , ward ich auf eine Weise beklommen , als waffneten sich feindliche Gewalten gegen meine Grundsätze und Ueberzeugungen . Es regten sich , mitten durch den Widerwillen gegen verbotene Künste , heimliche Zweifel über den Grund solches Verbotes in mir . Das elende Geschöpf weckte meinen Zorn wie meine Neugier . Ich hörte ihre Worte , ohne sie hören zu wollen . Sie dünkten mir Unsinn , und doch beschäftigten sie mich . Als nun endlich zu meiner Freude der Herr Präsident erschienen , glaubte ich mich gerettet . In seiner Nähe fühlte ich mich ruhiger . Ich dankte meinem Gott aufrichtig , als ich neben ihm im Wagen saß . Er nahm sogleich das Wort , um mir seine Ansichten zu entwickeln . Ich hörte aufmerksam zu , und konnte nicht anders , als sie vernünftig finden . Allein nach einer Weile bemächtigte sich meiner eine mir sonst fremde Ungeduld über die Langsamkeit des Fahrens . Ich sah erwartend in der Gegend umher . Sie dünkte mir traurig . Ich ward es auch . Nicht , daß ich etwas vermißt hätte , ich wollte es nur anders . Bald empfand ich , daß es mein neuer Hausherr war , der mich ermüdete . Ich ward ganz beschämt vor mir selber . Wir redeten von jetzt an nur noch wenig zusammen . Er hatte seine Meinung gesagt , ich hatte sie gehört , damit war er zufrieden . Der Hochmuth flüsterte mir Manches zu , was mir vollends zur Last viel . Als wir nun in der Stadt angekommen waren , und ich vor die Mutter meines kleinen Zöglings trat , empfing mich diese nicht sowohl kalt als mißtrauisch . Das Kind sah mich groß an , ich wußte nicht , wie ich dieser gespannten Verwunderung begegnen sollte . Mir ward unsäglich bange ums Herz , die Worte versagten mir . Wir blieben so . Ich hätte den Abend auf meinem Lager in Thränen zerfließen mögen . Des andern Tages sah ich den schönen Knaben nur flüchtig . Die Eltern gar nicht . Es schien , man wolle sich erst an den Gedanken gewöhnen , mich im Hause zu haben . Ich war damit nicht unzufrieden . Mir lag selbst daran , das verlorne Gleichgewicht wieder zu finden . Ich merkte indeß bald , daß dies nicht leicht sein werde . Denn , gestaltete sich auch späterhin das gegenseitige Verhältniß nach und nach gefälliger , so wuchs gerade daraus der Samen aller meiner jetzigen Qual . Die gütige und geistreiche Dame , welche von der Natur mit den bewundrungswürdigsten Gaben beschenkt ward , zählt unter diesen , als eine der ersten , die liebenswürdigste Aufrichtigkeit . Von dieser geleitet , eröffnete sie mir , wie sie in Bezug auf mich und meinen Einfluß auf die Erziehung ihres Sohnes denke . Sie hält mit nichts zurück und enthüllt eine Sinnesweise , die ich einerseits verehren , und von der andern Seite verdammen muß . Das Letztere ängstigte mich unbeschreiblich , da ich ihr Vertrauen nicht verscherzen will . Werden Sie es glauben , der Wunsch , ihr gefällig zu sein , ließ mich meine Gesinnungen , wenn auch nicht verläugnen , doch so umhüllen , daß sie nichts geradezu Verletzendes für sie enthielten . Seitdem stehen wir nun auf dem Fuße des gegenseitigen Austausches der Ansichten . Aber , mein Gott ! wie fühle ich oft die meinigen angegriffen , erschüttert ! Mit welcher Todesangst muß ich dann zu ihrer Wurzel zurück flüchten und mich ganz eng und klein an sie zusammen krümmen , um nur nicht von dem Flug freierer Ideen fortgerissen zu werden . Bin ich in den Zimmern des Herrn Präsidenten , so erhole ich mich wohl wieder , und fühle mich mehr als ein bloßes Werkzeug trockener Systematik . Doch ihr , der beschwingten Psyche gegenüber , im Gespräch mit dem großartigen Ketzer , dem Grafen , regen sich die alten Zweifel , und meine Brust wird der Kampfplatz verderblicher Einflüsse . Es würde mir wenig helfen , wollte ich mich meinem würdigen Beschützer , dem geistlichen Herrn in * * * entdecken . Er pflegt zu dergleichen wenig zu sagen . Seine Art , die Menschen zu führen , besteht vornehmlich darin , daß solche selbst die Wegweiser sind , die Richtung giebt er . Im Uebrigen , meint er , müsse jeder sich selbst versuchen . Er macht auch nicht viel aus Fehltritten , noch sucht er die Unruhe darüber zu beschwichtigen . Meine Bangnisse würden ihm kindisch dünken . Ich sehe ihn gutmüthig darüber lächeln . Wenn mir das einerseits Zuversicht geben