also gefallen lassen , daß sein Haupt gesalbt , sein Gesicht bestrichen , seine Augenbraunen bepinselt und seine Lippen betupft wurden . Außerdem wurden noch verschiedene Zeremonien erfordert ; sogar sollte die Nachtmütze nicht unmittelbar aufgesetzt , sondern vorher ein Netz , wo nicht gar eine feine lederne Mütze übergezogen werden . Der Major legte sich zu Bette mit einer Art von unangenehmer Empfindung , die er jedoch sich deutlich zu machen keine Zeit hatte , indem er gar bald einschlief . Sollen wir aber in seine Seele sprechen , so fühlte er sich etwas mumienhaft , zwischen einem Kranken und einem Einbalsamierten . Allein das süße Bild Hilariens , umgeben von den heitersten Hoffnungen , zog ihn bald in einen erquickenden Schlaf . Morgens zur rechten Zeit war der Reitknecht bei der Hand . Alles , was zum Anzuge des Herrn gehörte , lag in gewohnter Ordnung auf den Stühlen , und eben war der Major im Begriff , aus dem Bette zu steigen , als der neue Kammerdiener hereintrat und lebhaft gegen eine solche Übereilung protestierte . Man müsse ruhen , man müsse sich abwarten , wenn das Vorhaben gelingen , wenn man für so manche Mühe und Sorgfalt Freude erleben solle . Der Herr vernahm sodann , daß er in einiger Zeit aufzustehen , ein kleines Frühstück zu genießen und alsdann in ein Bad zu steigen habe , welches schon bereitet sei . Den Anordnungen war nicht auszuweichen , sie mußten befolgt werden , und einige Stunden gingen unter diesen Geschäften hin . Der Major verkürzte die Ruhezeit nach dem Bade , dachte sich geschwind in die Kleider zu werfen ; denn er war seiner Natur nach expedit und wünschte noch überdies , Hilarien bald zu begegnen ; aber auch hier trat ihm sein neuer Diener entgegen und machte ihm begreiflich , daß man sich durchaus abgewöhnen müsse , fertig werden zu wollen . Alles , was man tue , müsse man langsam und behaglich vollbringen , besonders aber die Zeit des Anziehens habe man als angenehme Unterhaltungsstunde mit sich selbst anzusehen . Die Behandlungsart des Kammerdieners traf mit seinen Reden völlig überein . Dafür glaubte sich aber auch der Major wirklich besser angezogen denn jemals , als er vor den Spiegel trat und sich auf das schmuckeste herausgeputzt erblickte . Ohne viel zu fragen , hatte der Kammerdiener sogar die Uniform moderner zugestutzt , indem er die Nacht auf diese Verwandlung wendete . Eine so schnell erscheinende Verjüngung gab dem Major einen besonders heitern Sinn , so daß er sich von innen und außen erfrischt fühlte und mit ungeduldigem Verlangen den Seinigen entgegeneilte . Er fand seine Schwester vor dem Stammbaume stehen , den sie hatte aufhängen lassen , weil abends vorher zwischen ihnen von einigen Seitenverwandten die Rede gewesen , welche , teils unverheiratet , teils in fernen Landen wohnhaft , teils gar verschollen , mehr oder weniger den beiden Geschwistern oder ihren Kindern auf reiche Erbschaften Hoffnung machten . Sie unterhielten sich einige Zeit darüber , ohne des Punktes zu erwähnen , daß sich bisher alle Familiensorgen und Bemühungen bloß auf ihre Kinder bezogen . Durch Hilariens Neigung hatte sich diese ganze Ansicht freilich verändert , und doch mochte weder der Major noch seine Schwester in diesem Augenblick der Sache weiter gedenken . Die Baronin entfernte sich , der Major stand allein vor dem lakonischen Familiengemälde . Hilarie trat an ihn heran , lehnte sich kindlich an ihn , beschaute die Tafel und fragte : wen er alles von diesen gekannt habe ? und wer wohl noch leben und übrig sein möchte ? Der Major begann seine Schilderung von den Ältesten , deren er sich aus seiner Kindheit nur noch dunkel erinnerte . Dann ging er weiter , zeichnete die Charaktere verschiedener Väter , die Ähnlichkeit oder Unähnlichkeit der Kinder mit denselben , bemerkte , daß oft der Großvater im Enkel wieder hervortrete , sprach gelegentlich von dem Einfluß der Weiber , die , aus fremden Familien herüber heiratend , oft den Charakter ganzer Stämme verändern . Er rühmte die Tugend manches Vorfahren und Seitenverwandten und verschwieg ihre Fehler nicht . Mit Stillschweigen überging er diejenigen , deren man sich hätte zu schämen gehabt . Endlich kam er an die untersten Reihen . Da stand nun sein Bruder , der Obermarschall , er und seine Schwester und unten drunter sein Sohn und daneben Hilarie . » Diese sehen einander gerade genug ins Gesicht « , sagte der Major und fügte nicht hinzu , was er im Sinne hatte . Nach einer Pause versetzte Hilarie bescheiden , halblaut und fast mit einem Seufzer : » Und doch wird man denjenigen niemals tadeln , der in die Höhe blickt ! « Zugleich sah sie mit ein paar Augen an ihm hinauf , aus denen ihre ganze Neigung hervorsprach . - » Versteh ' ich dich recht ? « sagte der Major , indem er sich zu ihr wendete . - » Ich kann nichts sagen « , versetzte Hilarie lächelnd , » was Sie nicht schon wissen . « - » Du machst mich zum glücklichsten Menschen unter der Sonne ! « rief er aus und fiel ihr zu Füßen . » Willst du mein sein ? « - » Um Gottes willen stehen Sie auf ! Ich bin dein auf ewig . « Die Baronin trat herein . Ohne überrascht zu sein , stutzte sie . - » Wäre es ein Unglück « , sagte der Major , » Schwester ! so ist die Schuld dein ; als Glück wollen wir ' s dir ewig verdanken . « Die Baronin hatte ihren Bruder von Jugend auf dergestalt geliebt , daß sie ihn allen Männern vorzog , und vielleicht war selbst die Neigung Hilariens aus dieser Vorliebe der Mutter , wo nicht entsprungen , doch gewiß genährt worden . Alle drei vereinigten sich nunmehr in einer Liebe , einem Behagen , und so flossen für sie die glücklichsten Stunden dahin . Nur wurden sie denn doch