fähig fühlte oder vielmehr fühlen würde , die Rolle der Unsichtbaren zu spielen , und nur dann sprach mein Orakel . - Überdies war meiner Kleinen jene Rolle zum Bedürfnis geworden . Gewisse Umstände , die Ihr künftig erfahren sollt , brachten mich nach Sieghartsweiler . Es lag in meinem Plan , sehr geheimnisvoll aufzutreten . Ich bezog eine einsame Wohnung bei der Witwe des fürstlichen Mundkochs , durch die ich sehr bald das Gerücht von meinen wunderbaren Kunststücken an den Hof brachte . Was ich erwartet hatte , geschah . Der Fürst - ich meine den Vater des Fürsten Irenäus , - suchte mich auf , und meine weissagende Chiara war die Zauberin , die , wie von überirdischer Kraft beseelt , ihm oft sein eignes Inneres erschloß , so daß er manches , was ihm sonst verschleiert gewesen , jetzt klar durchschaute . Chiara , die mein Weib worden , wohnte bei einem mir vertrauten Mann in Sieghartshof und kam zu mir im Dunkel der Nacht , so daß ihre Gegenwart ein Geheimnis blieb . Denn seht , Kreisler , so versessen sind die Menschen auf Wunder , daß , war auch das Kunststück mit dem unsichtbaren Mädchen nicht anders möglich , als durch die Mitwirkung eines menschlichen Wesens , sie doch das ganze Ding für eine dumme Fopperei geachtet haben würden , sobald sie erfuhren , daß das unsichtbare Mädchen von Fleisch und Bein . Sowie denn in jener Stadt den Severino nach seinem Tode alle Leute einen Betrüger schalten , da es herausgekommen , daß eine kleine Zigeunerin im Kabinett gesprochen , ohne die künstliche akustische Einrichtung , die den Ton aus der Glaskugel kommen ließ , auch nur im mindesten zu beachten . - Der alte Fürst starb , ich hatte die Kunststücke , die Geheimniskrämerei mit meiner Chiara herzlich satt , ich wollte mit meinem lieben Weibe hinziehen nach Göniönesmühl und wieder Orgeln bauen . Da blieb eine Nacht Chiara , die zum letztenmal die Rolle des unsichtbaren Mädchens spielen sollte , aus , ich mußte die Neugierigen unbefriedigt fortschicken . Mir schlug das Herz vor banger Ahnung . - Am Morgen lief ich nach Sieghartshof , Chiara war zur gewöhnlichen Stunde fortgegangen . - Nun , Kerl , was schaust du mich so an ? Ich hoffe , daß du keine alberne Frage tun wirst ! - Du weißt es ja - Chiara war spurlos verschwunden , nie - nie - hab ' ich sie wieder gesehen ! « - Meister Abraham sprang rasch auf und stürzte ans Fenster . Ein tiefer Seufzer machte den Blutstropfen Luft , die aus der aufgerissenen Herzwunde quollen . Kreisler ehrte den tiefen Schmerz des Greises durch Schweigen . » Ihr könnet , « begann endlich Meister Abraham , » Ihr könnet nun nicht mehr zurück nach der Stadt , Kapellmeister . Mitternacht ist heran , draußen , Ihr wißt es , hausen böse Doppeltgänger , und allerlei anderes bedrohliches Zeug könnt ' uns in den Kram pfuschen . Bleibt bei mir ! - Toll , ganz toll müßt ' es ja - « ( M. f. f. ) aber sein , wenn dergleichen Unschicklichkeiten vorfielen an heiliger Stätte - ich meine im Auditorio . - Es wird mir so enge , so beklommen ums Herz - ich vermag , von den erhabensten Gedanken durchströmt , nicht weiter zu schreiben - ich muß abbrechen , muß ein wenig spazierengehen ! - Ich kehre zurück an den Schreibtisch , mir ist besser - Aber wovon das Herz voll ist , davon geht der Mund über und auch wohl der Federkiel des Dichters ! - Ich hört ' einmal den Meister Abraham erzählen , in einem alten Buche stände etwas von einem kuriosen Menschen , dem eine besondere Materia peccans im Leibe rumorte , die nicht anders abging als durch die Finger . Er legte aber hübsches weißes Papier unter die Hand und fing so alles , was nur von dem bösen rumorenden Wesen abgehen wollte , auf und nannte diesen schnöden Abgang Gedichte , die er aus dem Innern geschaffen . Ich halte das Ganze für eine boshafte Satire , aber wahr ist es , zuweilen fährt mir ein eignes Gefühl , beinahe möcht ' ich ' s geistiges Leibkneifen nennen , bis in die Pfoten , die alles hinschreiben müssen , was ich denke . - Eben jetzt geht ' s mir so - es kann mir Schaden tun , betörte Kater können in ihrer Verblendung böse werden , sogar mich ihre Krallen fühlen lassen , aber es muß heraus ! - Mein Meister hatte heute den ganzen Vormittag hindurch in einem schweinsledernen Quartanten gelesen , als er sich endlich zur gewöhnlichen Stunde entfernte , ließ er das Buch aufgeschlagen auf dem Tische liegen . Schnell sprang ich herauf , um neugierig , verpicht auf die Wissenschaften , wie ich nun einmal bin , zu erschnuppern , was das wohl für ein Buch sein könne , worin der Meister mit so vieler Anstrengung studiert . Es war das schöne herrliche Werk des alten Johannes Kunisperger vom natürlichen Einfluß der Gestirne , Planeten und zwölf Zeichen . Ja wohl , mit Recht kann ich das Werk schön und herrlich nennen , denn , indem ich las , gingen mir da nicht die Wunder meines Seins , meines Wandelns hienieden auf in voller Klarheit ? - Ha ! indem ich dieses schreibe , flammt über meinem Haupt das herrliche Gestirn , das in treuer Verwandtschaft in meine Seele hinein- , aus meiner Seele hinausleuchtet - ja , ich fühle den glühenden , sengenden Strahl des langgeschweiften Kometen auf meiner Stirne , - ja , ich bin selbst der glänzende Schwanzstern , das himmlische Meteor , das in hoher Glorie prophetisch dräuend durch die Welt zieht . So wie der Komet alle Sterne überleuchtet , so verschwindet ihr , stell ' ich nur nicht meine Gaben unter den Scheffel , sondern lasse mein Licht gehörig leuchten , und das dependiert