einen andern , in den vorigen Zustand zurückkehren könne ? « » Warum nicht ? « versetzte der Gehülfe ; » jeder Zustand hat seine Beschwerlichkeit , der beschränkte sowohl als der losgebundene . Der letztere setzt Überfluß voraus und führt zur Verschwendung . Lassen Sie uns bei Ihrem Beispiel bleiben , das auffallend genug ist . Sobald der Mangel eintritt , sogleich ist die Selbstbeschränkung wiedergegeben . Menschen , die ihren Grund und Boden zu nutzen genötigt sind , führen schon wieder Mauern um ihre Gärten auf , damit sie ihrer Erzeugnisse sicher seien . Daraus entsteht nach und nach eine neue Ansicht der Dinge . Das Nützliche erhält wieder die Oberhand , und selbst der Vielbesitzende meint zuletzt auch das alles nutzen zu müssen . Glauben Sie mir : es ist möglich , daß Ihr Sohn die sämtlichen Parkanlagen vernachlässigt und sich wieder hinter die ernsten Mauern und unter die hohen Linden seines Großvaters zurückzieht . « Charlotte war im stillen erfreut , sich einen Sohn verkündigt zu hören , und verzieh dem Gehülfen deshalb die etwas unfreundliche Prophezeiung , wie es dereinst ihrem lieben , schönen Park ergehen könne . Sie versetzte deshalb ganz freundlich : » Wir sind beide noch nicht alt genug , um dergleichen Widersprüche mehrmals erlebt zu haben ; allein wenn man sich in seine frühe Jugend zurückdenkt , sich erinnert , worüber man von älteren Personen klagen gehört , Länder und Städte mit in die Betrachtung aufnimmt , so möchte wohl gegen die Bemerkung nichts einzuwenden sein . Sollte man denn aber einem solchen Naturgang nichts entgegensetzen , sollte man Vater und Sohn , Eltern und Kinder nicht in Übereinstimmung bringen können ? Sie haben mir freundlich einen Knaben geweissagt ; müßte denn der gerade mit seinem Vater im Widerspruch stehen ? zerstören , was seine Eltern erbaut haben , anstatt es zu vollenden und zu erheben , wenn er in demselben Sinne fortfährt ? « » Dazu gibt es auch wohl ein vernünftiges Mittel , « versetzte der Gehülfe , » das aber von den Menschen selten angewandt wird . Der Vater erhebe seinen Sohn zum Mitbesitzer , er lasse ihn mitbauen , -pflanzen und erlaube ihm , wie sich selbst , eine unschädliche Willkür . Eine Tätigkeit läßt sich in die andre verweben , keine an die andre anstückeln . Ein junger Zweig verbindet sich mit einem alten Stamme gar leicht und gern , an den kein erwachsener Ast mehr anzufügen ist . « Es freute den Gehülfen , in dem Augenblick , da er Abschied zu nehmen sich genötigt sah , Charlotten zufälligerweise etwas Angenehmes gesagt und ihre Gunst aufs neue dadurch befestigt zu haben . Schon allzulange war er von Hause weg ; doch konnte er zur Rückreise sich nicht eher entschließen als nach völliger Überzeugung , er müsse die herannahende Epoche von Charlottens Niederkunft erst vorbeigehen lassen , bevor er wegen Ottiliens irgendeine Entscheidung hoffen könne . Er fügte sich deshalb in die Umstände und kehrte mit diesen Aussichten und Hoffnungen wieder zur Vorsteherin zurück . Charlottens Niederkunft nahte heran . Sie hielt sich mehr in ihren Zimmern . Die Frauen , die sich um sie versammelt hatten , waren ihre geschlossenere Gesellschaft . Ottilie besorgte das Hauswesen , indem sie kaum daran denken durfte , was sie tat . Sie hatte sich zwar völlig ergeben ; sie wünschte für Charlotten , für das Kind , für Eduarden sich auch noch ferner auf das dienstlichste zu bemühen ; aber sie sah nicht ein , wie es möglich werden wollte . Nichts konnte sie vor völliger Verworrenheit retten , als daß sie jeden Tag ihre Pflicht tat . Ein Sohn war glücklich zur Welt gekommen , und die Frauen versicherten sämtlich , es sei der ganze leibhafte Vater . Nur Ottilie konnte es im stillen nicht finden , als sie der Wöchnerin Glück wünschte und das Kind auf das herzlichste begrüßte . Schon bei den Anstalten zur Verheiratung ihrer Tochter war Charlotten die Abwesenheit ihres Gemahls höchst fühlbar gewesen ; nun sollte der Vater auch bei der Geburt des Sohnes nicht gegenwärtig sein ; er sollte den Namen nicht bestimmen , bei dem man ihn künftig rufen würde . Der erste von allen Freunden , die sich beglückwünschend sehen ließen , war Mittler , der seine Kundschafter ausgestellt hatte , um von diesem Ereignis sogleich Nachricht zu erhalten . Er fand sich ein , und zwar sehr behaglich . Kaum daß er seinen Triumph in Gegenwart Ottiliens verbarg , so sprach er sich gegen Charlotten laut aus und war der Mann , alle Sorgen zu heben und alle augenblicklichen Hindernisse beiseitezubringen . Die Taufe sollte nicht lange aufgeschoben werden . Der alte Geistliche , mit einem Fuß schon im Grabe , sollte durch seinen Segen das Vergangene mit dem Zukünftigen zusammenknüpfen ; Otto sollte das Kind heißen ; es konnte keinen andern Namen führen als den Namen des Vaters und des Freundes . Es bedurfte der entschiedenen Zudringlichkeit dieses Mannes , um die hunderterlei Bedenklichkeiten , das Widerreden , Zaudern , Stocken , Besser - oder Anderswissen , das Schwanken , Meinen , Um- und Wiedermeinen zu beseitigen , da gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten aus einer gehobenen Bedenklichkeit immer wieder neue entstehen und , indem man alle Verhältnisse schonen will , immer der Fall eintritt , einige zu verletzen . Alle Meldungsschreiben und Gevatterbriefe übernahm Mittler ; sie sollten gleich ausgefertigt sein , denn ihm war selbst höchlich daran gelegen , ein Glück , das er für die Familie so bedeutend hielt , auch der übrigen mitunter mißwollenden und mißredenden Welt bekanntzumachen . Und freilich waren die bisherigen leidenschaftlichen Vorfälle dem Publikum nicht entgangen , das ohnehin in der Überzeugung steht , alles , was geschieht , geschehe nur dazu , damit es etwas zu reden habe . Die Feier des Taufaktes sollte würdig , aber beschränkt und kurz sein . Man kam zusammen , Ottilie und Mittler sollten das Kind als Taufzeugen halten . Der alte Geistliche