! Ich habe gebetet , und Benedikt recht aus voller Seele gefragt , aber es blieb alles wie es war . Meine Augen fielen dabei auf die brennenden Zeilen , die mein ganzes Inneres anfachten , dein Nahme tönte laut aus jedem Worte , und ich thue was du willst . Komm denn diesen Abend gegen 12 Uhr nach der Kapelle , wo wir uns zuerst trafen . Rodrich , ich ahnete es wohl , daß sich alle andere Bande von meiner Seele lösen , und ich allein in deiner Liebe athmen würde . Es ist so gekommen ! Mir ist doch recht wehmüthig dabei zu Sinne . Zum erstenmal in meinem Leben thue ich widerstrebend , was ich dennoch so gern thue ! Wenn es nur erst Morgen wäre ! Angst und Sehnsucht treiben mich wie ein Kind hin und her . Lieber , lieber Rodrich , fühle doch nur , wie unendlich ich dich liebe , und wie alle Unruhe und alles wankende Wollen sich sogleich in deinen Armen tröstend auflösen muß . « Rodrich übersah den kleinen Streit , der Alinens Gefühle noch höher hinauf trieb , und sie mit unauflöslichen Banden an ihn kettete . Er wußte noch nicht , wie ein weibliches Gemüth die überwundene Scheu , mit der sie gegen ein gänzliches Hingeben ringt , in der festesten , unendlichsten Liebe abzubüßen strebt , und wie viel ein Mann gewinnt , der es bei der Geliebten bis zur Uneinigkeit mit sich selbst gebracht hat . Er dachte und empfand überall nichts als sein nahes Glück . Jede überlegende Absichtlichkeit , war weit von seiner Seele . Im fröhlichsten Taumel rauschte ihm die Zeit bis zur zwölften Stunde hin . Fast zugleich stand er mit Alinen am Eingange der Kapelle . Sie schlüpften beide hinein . Zitternd , ohne ein Wort zu sagen , kniete sie neben ihm auf die Stufen eines kleinen Altars . Die kalten Steine schienen zu ihrem Herzen zu dringen , und es peinlich zusammen zu ziehen . Rodrich küßte sie sanft . Sie weinte an seiner Brust , halb aus Schaam , halb aus Freude . Fürchte nichts , Aline , sagte er beruhigend , die Gräber sind stumme Zeugen , und wir im Schutze frommer Geister . Jesus , rief sie , was war das ! - Aline , erwiederte er halb unwillig , mein Herz klopft dem deinigen ungestüm entgegen , sonst hörst du nichts , glaube mir . Nein , nein , sagte sie , es ist gewiß etwas anderes , höre nur . Der Wind rauschte hohl und tief zwischen einigen veralteten Bäumen , die sich vor den Fenstern hin und her neigten , die Zweige warfen bei dem hereinbrechenden Mondenlicht lange Schatten in die Kapelle . Aline sah mit halben Blicken ihr flimmerndes Spiel an den dunkeln Wänden . Ihr war , als bewege sich der frische Epheukranz über dem Grabe ihres Bruders , indem hörten sie jemand husten , und ein schallendes Gelächter flog an ihnen vorüber . Rodrich sprang zur Thür . Ertappt , ertappt , riefen mehrere rohe Stimmen , du willst wohl Geister beschwören , oder giebt es sonst etwas Geheimes hier abzumachen ? - Nur heraus damit , jetzt gilt kein Heucheln mehr . Laßt mich , sagte ein Anderer , ich will ' s ja sagen , plagt mich nur nicht mit eurem Geschrei . Ich habe in dieser Kirche ein Bündelchen Zeug , etwas Geld und eine Uhr in der Nacht versteckt , als wir Verwundete hier hinein gebracht wurden , und konnte immer nicht dazu kommen , es abzuholen , ich wollte jetzt versuchen , ohne viel Geräusch zu der kleinen Thür hinein zu kommen . Das ist gestohlen Gut , riefen auf ' s neue alle insgesammt , das muß kameradschaftlich getheilt und zusammen verzehrt werden . Der Lärm ward immer größer , zog indeß bald die Wache herbei , die sie schnell aus einander trieb . Lieber sterben , sagte Aline bebend , als hier einen Augenblick länger verweilen . Umsonst versicherte Rodrich , daß nun alles ruhig , und sie vollkommen sicher wären , sie entwand sich seinen Umarmungen , und eilte angstvoll vor ihm her . Er folgte schweigend bis vor des Hauses Thür . Liebe Aline , sagte er jetzt bittend , fodre nicht , daß ich dich in dieser Stimmung verlasse . Du zitterst und weinst , wie könnte ich ohne dich ruhig seyn , lieber Engel , laß mich mit hinein gehen ! Aline war so verwirrt , so durch und durch erschüttert , daß sie es still geschehen ließ . Sie traten in die warme , duftende Wohnstube , Rodrich führte sie zu dem kleinen Sitz unter ihren Blumen ; nein , rief sie , sich besinnend , hier darfst du nicht bleiben , Stephano schläft ganz nahe . Nun , erwiederte Rodrich , so laß uns hinauf zu deinem Zimmerchen gehen . Da ist wieder die Mutter nicht weit , fiel sie ein . Ach , die schläft wohl , sagte Rodrich , und zog sie sanft zur Thür . Sie blieb einen Augenblick unschlüssig stehen . Rodrich , rief sie weich und hingebend , er schloß sie fest an sich , und trug sie leicht die wenigen Stufen hinauf . Der Morgen dämmerte schon , als sich Rodrich endlich von Alinens glühendem Herzen riß , und durch die kalten , feuchten Nebel zu seinem einsamen Lager eilen wollte . Ein Blick auf jene üppige , in Liebe und Sehnsucht hinsterbende Gestalt , fesselte ihn noch mehrere Augenblicke . Die großen , blauen Augen , senkten sich keusch und verschämt unter dunkle Wimpern , indeß Mund und Wangen von seinen Küssen glüheten . Einzelne Löckchen quollen aus dem purpurnen Netz hervor , das den reichen Schmuck gefesselt hielt , und schienen mit den zarten Gliedern zu kosen , die durchsichtig und klar im rosigen Hauche der Liebe wogten . Als wage sie nicht , sich zu regen ,