sei seine erste und letzte Liebe , leid ' er , wie er will ! « Der Arme fühlte den Stich der fliegenden Schlange , des Amors , und schauerte , brannte , zitterte , und das vergiftete Herz schwoll . Es fiel ihm nicht ein , daß sie schön sei oder von Stand oder die Aurikeln-Braut der Kindheit oder die des Grafen ; es war ihm nur , als sei die geliebte ewige Göttin , die sich bisher fest in sein Herz zu ihm eingeschlossen und die seinem Geiste Seligkeit und Heiligkeit und Schönheit gegeben , als sei diese jetzt aus seiner Brust durch Wunden herausgetreten und stehe jetzt , wie der Himmel außer ihm , weit von ihm ( o ! alles ist Ferne , jede Nähe ) und blühe glänzend , überirdisch vor dem einsamen wunden Geiste , den sie verlassen hat , und der sie nicht entbehren kann . Jetzt kam Wina an der angeklammerten Raphaela , die aus eitler Vertraulichkeit sich neben ihr unter die Menge drängen wollte , den Weg zu Walten daher . Als sie ganz dicht vor ihm vorbeiging und er das gesenkte schwarze Zauber-Auge nahe sah , das nur Jüdinnen so schön haben , aber nicht so still , ein sanft strömender Mond , kein zückender Stern , und worüber noch verschämte Liebe das Augenlid als eine Amors-Binde halb hereingezogen : so trat Walt unwillkürlich zurück , und ein körperlicher Schmerz drückte in seinem Herzen , als werd ' es überfüllt . Da auf der Erde alles so erbärmlich langsam geht , sie selber ausgenommen , und da sogar der Himmel seine Rheinfälle in hundert kleine Regenschauer zersetzt : so ist ein Mensch wie Walt ein Seliger , dem statt der von hundert Altären auffliegenden Phönix-Asche der Liebe und Schönheit ganz plötzlich der ausgespannte goldne Vogel farbeglühend am Gesicht vorüberstreicht . Den Zeitungsschreiber , den plötzlich Bonaparte , den kritischen Magister , den plötzlich Kant anspräche , würde der Schlag des Glücks nicht stärker rühren . Die Menge verhüllte Wina bald , so wie den Weg auf der fernen Seite , den sie an ihre alte Stelle zurück genommen . Walt sah sie da wieder mit dem himmelblauen Kleide ; und er schalt sich , daß er vom verschwundenen Gesicht nichts behalten als die Augen voll Traum und voll Güte . Aber beides allein war ihm ein geistiges All . Das männliche Geschlecht will den Stern der Liebe , gerade wie die Venus am Himmel , anfangs als träumerischen Hesperus oder Abendstern finden , der die Welt der Träume und Dämmerungen voll Blüten und Nachtigallen ansagt , - später hingegen als den Morgenstern , der die Helle und Kraft des Tags verkündiget ; und es ist zu vereinigen , da beide Sterne einer sind , nur durch die Zeit der Erscheinung verschieden . Obgleich Walt die andern Mädchen jetzt in sein Auge einlassen mußte , so warf er doch ein mildes auf sie ; alle wurden Winas Schwestern oder Stiefschwestern , und diese untergegangene Sonne bekleidete jede Luna - jede Ceres - Pallas - Venus mit lieblichem Licht , desgleichen andere Menschen , nämlich die männlichen , den Mars , den Jupiter , den Merkur - und sehr den Saturn mit zwei Ringen , den Grafen . Dieser war Walten plötzlich näher gezogen - als sei der Freundschafts-Bund schon mündlich beschworen - ; aber Wina ihm ferner entrückt - als stehe die Braut zur Freundin zu hoch . Ihren Brief ihr zu übergeben , dazu waren ihm jetzt Kraft und Recht entgangen , weil er besser überdacht , daß eine bloße Unterschrift des weiblichen Taufnamens nicht berechtigte , eine Jungfrau für die Korrespondentin eines Jünglings durch Zurückgabe bestimmt zu erklären . Die Musik fing wieder an . Wenn Töne schon ein ruhendes Herz erschüttern , wie weit mehr ein tief bewegtes ! Als der volle Baum die Harmonie mit allen Zweigen über ihm rauschte ; so stieg daraus ein neuer seltsamer Geist zu ihm herab , der weiter nichts zu ihm sagte als : weine ! - Und er gehorchte , ohne zu wissen wem - es war , als wenn sein Himmel sich von einem drückenden Gewölke plötzlich abregnete , daß dann das Leben luftig-leicht , himmelblau und sonnenglänzend und heiß dastände wie ein Tag - die Töne bekamen Stimmen und Gesichte - diese Götterkinder mußten Wina die süßesten Namen geben - sie mußten die geschmückte Braut im Kriegsschiff des Lebens ans Ufer einer Schäferwelt führen und wehen - hier mußte sie ihr Geliebter , Walts Freund , empfangen unter fremden Hirtenliedern und ihr rund umher bis an den Horizont die griechischen Haine , die Sennenhütten , die Villen zeigen und die Steige dahin voll wacher und schlafender Blumen - Er nötigte jetzt Cherube von Tönen , die auf Flammen flogen , Morgenröte und Blütenstaub-Wolken zu bringen und damit Winas ersten Kuß dämmernd einzuschleiern und dann weit davonzufliegen , um den stummen Himmel des ersten Kusses nur leise auszusprechen . Auf einmal , als unter diesen harmonischen Träumen der Bruder lang auf zwei hohen Tönen schwebte und zitterte , die den Seufzer suchen und saugen : so wünschte Gottwalt mitzitternd , am Traum des fremden Glücks zu sterben . Da empfing der Bruder ein mißtöniges rauhes Lob ; aber Walten war bei seiner heftigen Bewegung die äußere gar nicht zuwider . Es war alles vorbei . Er strebte - und nicht ohne Glück - am nächsten hinter Wina zu gehen ; nicht um etwa ihr Gewand zu bestreifen , sondern um sich in gewisser Ferne von ihr zu halten , mithin jeden andern auch und so als eine nachrückende Mauer von ihr das Gedränge abzuwehren . Doch drückte er unter dem Nachgange sehr innig ihre Hand im - Brief an Klothar . Zu Hause setzt ' er im Feuer , das fortbrannte , diesen Streckvers auf : Die Unwissende Wie die Erde die weichen Blumen vor die Sonne trägt und ihre harten Wurzeln in ihre Brust verschließt - wie die