sich , die Gräfin hatte ihn zu sprechen verlangt . Dem Rittmeister schien sein Versprechen , sich gesitteter gegen Florentin zu betragen , entweder zu reuen , oder unmöglich zu halten , er war widerwärtiger als jemals gegen ihn . Während Betty zu erwarten schien , daß es zwischen ihnen zu einem Gespräch kommen sollte , fing der Rittmeister an in seiner gewöhnlichen Manier Florentin um seine Uniform zu befragen ; dieser antwortete kurz ab , mit sichtbarer Verachtung . Endlich stand Walter auf und ging mit den andern in eine Ecke des Saals , wo er auf eine beleidigende Weise bald halb laut mit ihnen flüsterte , dann überlaut lachte . Die arme Betty war wie auf Kohlen . - » Ich kenne Sie heute gar nicht « , sagte sie leise zu Florentin , » wie zeigen Sie sich so widerspenstig ? « - » Das nicht « , sagte er , » aber auf der Folter bin ich ; dieser Walter und ich sind notwendig Feinde . Auch weiß ich selbst nicht , wie ich verstimmt bin ; erst die Musik - « - » Sie scheint Ihnen also keinen angenehmen Eindruck gemacht zu haben ? « fragte sie , ihn laut unterbrechend . - » Sie mißverstehen mich , Betty ! « - Er suchte die unangenehme , drückende Gegenwart der übrigen zu vergessen , und erzählte ihr ganz so , wie er es fühlte , und als ob er allein von ihr gehört würde , den Eindruck , den die erhabne Musik auf ihn gemacht hatte . - » Fragen Sie mich um keine einzelne Stelle « , fuhr er fort , » deren entsinne ich mich keiner einzigen ; aber mein Gemüt war gelöst von allem Kummer dieses Lebens . Wie auf Engelschwingen fühlt ' ich mich durch die allmächtigen Töne der Erde entnommen und sah eine neue Welt sich vor meinen Augen auftun . « - Walter kam hier wieder zu ihnen und störte die Unterredung und Florentins Begeisterung . Man sprach von andern Dingen , und zuletzt vom Monument in der Kapelle . Florentin erkundigte sich nach der Veranlassung . - » Die Tante « , sagte Betty , » hat es , soviel ich weiß , nach ihrer Angabe für sich verfertigen lassen , das ist aber schon sehr lange her , vielleicht noch eh ' ich geboren ward . Es ist ihr heilig , eine nähere Veranlassung hat sie aber keinem von uns mitgeteilt . « - » Schade nur « , rief der Rittmeister , » daß die ganze Stadt von dem heiligen Geheimnis sehr wohl unterrichtet ist . « - » Ich weiß nicht , was Sie damit sagen wollen ? « sagte Betty schüchtern . - » Wie sollten Sie das wissen können , Liebe ? « erwiderte er ; » es ist ja auch schon , wie Sie selber bemerkten , eine sehr alte Geschichte . « - Betty schien aufgebracht und verlegen wegen dieser Ausfälle . - Sie ist gerettet , dachte Florentin , wenn sie erst zum deutlichen Gefühl , sich seiner zu schämen , zu bringen ist ! - Er fragte nun absichtlich nach manchen Dingen , die sie interessieren mußten , und ließ sich geduldig vom Rittmeister durch boshafte , witzig sein sollende Anmerkungen , hämische Verdrehungen und unmäßiges Lachen unterbrechen . Ihm war es recht , je mehr jener sich selbst herabsetzte . Betty sprang endlich ungeduldig auf , nahm Florentin am Arm , und lief nach dem Garten hinaus ; die übrigen folgten , Walter mit sichtbarem Grimm . Es war stiller in dem Garten geworden , nur einzelne Personen wandelten in der Entfernung in den hohen Gängen , bis auch diese sich allmählich verloren . Sie stiegen eine Terrasse hinauf , die mit hohen Bäumen besetzt war , und dem Hause gegenüber den Garten am Ufer des Sees begrenzte . In der Mitte der Terrasse stand ein kleiner runder Tempel auf weißen Marmorsäulen mit Rosen- und Jasminbüschen umgeben . Von hier hatte man die freie Aussicht über den jenseits liegenden , bekannten See , mit seinem Kranz von wohltätigen Pflanzungen . Darüber hinaus ging der Blick in weite Ferne , bis dunkel am Horizont das bläuliche Gebirge ihn begrenzte . Der Mond stieg eben herauf , und schien eine hochrote verzehrende Flamme durch die fernen Dünste , bis er sich plötzlich völlig hinaufgeschwungen hatte , und rein und silberhell seine Bahn betrat . Tief im Herzen ward nun Florentin die Gegenwart der rohen Gesellen zuwider . Anfangs war er zwar willens gewesen , sich mit ihnen zu belustigen , aber er war es nicht imstande . Im Freien , in einer schönen Gegend , dünkten ihm verhaßte Personen noch verhaßter als im Zimmer . - Er erkundigte sich bei Betty , ob der Garten immer , so wie heute , für jedermann frei wäre ? - » Immer « , sagte sie ; » hier ist der beliebteste , besuchteste Spaziergang der Einwohner , und der liebe Spielplatz der Kinder . Man kömmt und geht , wenn man will , und jeder genießt der unumschränktesten Freiheit . « - Einer von den Begleitern bezeigte seine Verwunderung , daß die Gräfin weder Beschädigung noch Unordnung befürchtete bei dieser allgemeinen Freiheit . - » Mißbrauch der Freiheit , sagt die Tante , ist bei weitem nicht so sehr zu befürchten , als Schadloshaltung für den Zwang ! Sei es nun dies oder die allgemeine Achtung und Liebe für sie , kurz es ist noch niemals etwas Verdrüßliches vorgefallen , soviel ich weiß . « - » Es kömmt darauf an « , fuhr Walter wieder dazwischen , » was man so dafür annehmen will oder nicht , gegen gewisse Dinge dieser Art ist man auch ziemlich nachsichtsvoll . « - » Ist denn « , fing Florentin wieder an , » der Gräfin die Menge niemals lästig ? Sehnt sie sich niemals nach einer einsamen Stille ? Im Garten , dächte