, sich mit Dionysius messen könnte . Aber der Syrakusaner ist eitel und stolz ; er will sich ( wie der Athener ) von niemand befehlen lassen , dem er nicht selbst die Erlaubniß dazu gegeben hat , der ihm nicht über alles Rechenschaft ablegen muß , und den er nicht wieder absetzen und vernichten kann sobald es ihm beliebt . Der Gedanke von einem ihrer Mitbürger eigenmächtig beherrscht zu werden , macht sie blind und gefühllos gegen alle Vortheile , die dem Ganzen durch die Regierung des Dionysius zuwachsen könnten , wenn er nicht von Zeit zu Zeit durch die Versuche der ehmaligen Demagogen , sein Joch wieder abzuschütteln , verhindert würde , seinen eignen Weg ruhig fortzugehen ; und da jene eben so wenig Lust zu haben scheinen ihre Versuche aufzugeben , als er die Regierung niederzulegen , so ist wahrscheinlich genug , daß sie Mittel finden werden , aus einem vortrefflichen Fürsten , den das Schicksal den Sicilianern geben wollte , durch ihre eigene Thorheit einen argwöhnischen , strengen und vielleicht grausamen Tyrannen zu machen . Ich hörte vor kurzem in einer Gesellschaft angesehener Personen dem Dionysius ( über welchen man hier sehr frei urtheilt ) ein großes Verbrechen daraus machen , daß er sich nicht gescheuet hätte öffentlich zu sagen : » die Souveränetät gewähre ihm nie einen so vollen Genuß , als wenn er was er wolle sogleich ausführen könne . « 120 So , meinten sie , könne nur ein Tyrann sprechen , dem nichts heilig sey , und der sich an kein Gesetz gebunden halte . Mir schien diese Rede einer mildern Deutung nicht nur fähig zu seyn , sondern sie sogar zu fordern . Der Wunsch alles was man will ausführen zu können , sagte ich , setzt so wenig einen bösen Willen voraus , daß er vielmehr Guten und Bösen , Thoren und Verständigen gemein ist ; und vielleicht ist das größte Leiden guter Menschen , daß sie nur selten können was sie wollen . Mich dünkt aber , fuhr ich fort , Dionysius habe bei diesem Worte noch besonders einen der wesentlichsten Vorzüge der Monarchie vor der Volkssouveränetät vor Augen gehabt . Die Schleunigkeit der Ausführung dessen , was als nothwendig beschlossen wurde , ist in allen Fällen nützlich . Oft hangt die Erhaltung des ganzen Staats , oder doch die Verhütung eines großen Schadens davon ab , daß eine genommene Maßregel pünktlich und auf der Stelle vollzogen werde . Dieß ist nur da zu bewerkstelligen , wo der Wille des Regenten in keinem andern Willen Hindernisse findet , sondern im Gegentheil jedermann sich beeifert , die Ausführung dessen , was der oberste Befehlshaber will , befördern zu helfen . In Republiken ist dieß selten der Fall ; denn nichts ist unerhörter , als daß ein Freistaat nicht in Parteien getheilt sey , die einander mit dem unverdrossensten Eifer entgegen wirken . Besonders ist in der Demokratie der Wille des Souveräns nicht nur an sich launisch und veränderlich , sondern er wird noch durch die vielerlei Sinne der vielen Köpfe , die ihn bearbeiten , so stark hin und her gerüttelt , so oft aufgehalten , unschlüssig gemacht und in Widerspruch mit sich selbst gesetzt , daß meistens die Zeit der Ausführung schon vorüber ist , bevor man in der Volksversammlung zu einem Beschluß kommen konnte . Ist dieser endlich gefaßt , so gehen nun die Hindernisse der Vollziehung an . Keiner der Demagogen , die einander die Regierung des sich selbst zu regieren unvermögenden Souveräns streitig machen , gönnt einem andern als sich selbst die Ehre und die Belohnungen einer gelungenen Unternehmung . Jeder , der entweder einer andern Meinung war , oder bei dem Beschlossenen seine Rechnung nicht findet , bietet alle seine Kräfte auf , die Ausführung zu hintertreiben , oder mißlingen zu machen ; von allen Seiten nichts als Schwierigkeiten , Fußangeln und Fallgruben ; nirgends eine sichre Rechnung auf den guten Willen , den Gehorsam , den Eifer und die Wachsamkeit der Untergeordneten , wovon doch am Ende alles abhängt . Dafür geht es denn auch in den Republiken , zumal in denen , wo das Volk zugleich sein eigner Souverän und Unterthan ist , gewöhnlich und wenige seltne Fälle ausgenommen , so zu - wie der allgemeine Augenschein zeigt . Von jeher blieb einem Volke , um fürs erste immer selbst recht zu wissen was es wolle , und es dann wirklich ausgeführt zu sehen , kein anderes Mittel , als seine höchste Gewalt einem Einzigen zu übertragen , und ihm eben dadurch unbeschränkte Vollmacht zu geben , alles zu thun was er zu Vollziehung des allgemeinen Willens , oder ( was eben dasselbe ist ) zu Erzielung der Sicherheit und Wohlfahrt des Staats , für nothwendig und dienlich erkennen würde . Ich konnte leicht merken , daß ich mich der Gesellschaft durch diese Rede nicht sonderlich empfohlen hatte . Da es aber den meisten bekannt war , daß ich ein Ausländer sey , der sich nur kurze Zeit zu Syrakus aufzuhalten gedenke und bei dem sogenannten Tyrannen nichts zu suchen habe , ließ ich mich durch das Vorurtheil , das einige vielleicht gegen mich fassen mochten , nicht abschrecken , meine Meinung über die Gegenstände , die der Verfolg des Gesprächs herbeiführte , so freimüthig zu sagen , als es sich in einer Gesellschaft ziemte , die aus lauter erklärten Freunden der Freiheit zu bestehen schien . Einer von den lebhaftesten hatte sich den Ausdruck entwischen lassen : man müßte zum Sklaven geboren seyn , um die Herrschaft eines Einzigen , der sich mit Gewalt eingedrungen , geduldig zu ertragen . - Aber wie , sagte ich , wenn ihr selbst ihm die Herrschaft , um eurer eigenen Sicherheit und Ruhe willen , von freien Stücken auftrüget ? Es wäre wenigstens so viel damit gewonnen , daß ihr nicht nöthig hättet , einen Fürsten , unter dessen Regierung der Staat augenscheinlich immer blühender , mächtiger und reicher wird , mit dem verhaßten Namen