... Er scherzte über die ihm wohlbekannte Neigung derselben zu seinem Besuch ... Beda Hunnius hatte ihm darüber Mittheilungen gemacht ... Er wußte schon , daß sie von Nück sich entfernt hatte , und vermuthete , sie wäre nach Belgien , um Jesuitesse zu werden - » Redemptoristin « - nach dem äußern Ausdruck ... Das Gespräch kam von dem verfänglichen Gegenstand ab ... Bonaventura sah den jungen Mann nicht wieder , aber sein Herz bebte von den trübsten Ahnungen ... Die Donau kam ... Bonaventura bewunderte den regensburger Dom und bestieg die Höhe , auf der König Ludwig die Walhalla erbaut hat ... Ein Aufenthalt dort oben wie Athemzüge im Aetherreich ... Unten die Erde mit ihren Mühen , hier oben die Himmlischen ... Ausgerungen haben Kampf und Leidenschaft ... Hier sind die Pforten der Welt des Plato , die Eichen im Haine Odin ' s ... Walkyren stehen zwar noch , die unerbittlichen Parzen , in marmornen Gebilden an der Schwelle des Tempels ; aber sie scheinen Versöhnerinnen , nicht mehr Rächerinnen ... Bonaventura stieg die Riesentreppe nieder - tieferfüllt von dem empfangenen Eindruck ... Da blickt er auf neue Ankömmlinge ... Eine Gesellschaft , die eben mit einem Boot aus Regensburg angekommen sein mochte , steigt ihm von unten her entgegen ... In ihrer Mitte - sein Reiseschatten , der junge Mann im braunen Mantel ... Dicht streift er , tief niederblickend , an ihm vorüber ... Zwei Schiffe kreuzen sich so auf dem Meere ... Bonaventura konnte nicht stehen bleiben , nicht der spukhaften Erscheinung nachsehen ... Sie war schon wie seine Furcht , wie sein Gewissen geworden ... Beim jedesmaligen Begegnen fuhr ein schriller Ton durch die Luft : Du Ungetaufter ! ... Und ebenso sagte das Lächeln des jungen Mannes : Bleibe ruhig , ich bin dein Schutzgeist ! ... Die regensburger Geistlichen , von denen Bonaventura begleitet war , führten den Erblassenden , Schwankenden noch in einem Wagen nach einem Oertchen , Straubing gegenüber ... An der Stelle , wo Agnes Bernauer ihren Tod in den Wellen gefunden , bestieg er das Dampfboot ... Er glaubte annehmen zu dürfen , daß er nicht allein fuhr - daß der junge Mann - Lucinde - schon auf dem Dampfer war ... Er sah sie aber nicht ... Nicht die ganze Reise entlang , die zwei Tage dauerte ... Er glaubte nun doch an eine Täuschung in der Person ... So kam er nach Wien ... Er sah zum ersten mal eine so rauschende , volkreiche Stadt , wohnte bei dem Chorherrn , der ihn ganz erst so zuwartend und prüfend wie Benno empfing , theilte die Aufgaben , die seiner im Gewühl dieser großen Stadt harrten , gewissenhaft ein , überlegte : Wie näherst du dich dem Grafen ! ... Darüber vergingen einige Tage ... Die Gräfin Erdmuthe war zum Grafen Hugo auf Schloß Salem hinaus , um den grollenden Sohn hereinzuschmeicheln ... Bonaventura hatte beim Cardinal Ceccone seine Briefe persönlich abgegeben , war in der That von dem liebenswürdigsten und zuvorkommendsten Benehmen eines Priesters , der die Grazie als Milderung der List über sein ganzes Wesen ausgegossen trug , mit dem Anerbieten des Bischofssitzes von Robillante begrüßt worden ... Olympia , die Herzogin von Amarillas , Benno wurden als seine Protectoren genannt ... Alle seine Pulse flogen , als er , nach der von ihm um Bedenkzeit ausgesprochenen Bitte die Stufen des kleinen Palastes niederstieg ... Er wußte nicht , wie er auf die Straße kam ... Kaum blickte er auf , da rollte ein Fiaker vom Hause , der nur auf ihn gewartet zu haben schien ... Aus dem Schlag blickte ein Kopf - der junge Mann im braunen Mantel ... Pfeilgeschwind schoß der Wagen vorüber ... Er verlor die Besinnung und verirrte sich in den Straßen ... Wer Bonaventura sah , wer ihn nach einer Vorstellung anredete , wen er besuchte - jeder wußte , daß er Bischof werden sollte im Piemontesischen ... Jeder fragte nach seiner italienischen Predigt in » Maria Schnee « , die zugleich mit drei Messen bedungen war ... Man fand diese Erhebung so natürlich ... Man sagte , der Domkapitular wäre ein Gesinnungsgenosse des Kirchenfürsten und in seiner Heimat » unmöglich « geworden ... Dort schied er aus ... Auch seine Gesundheit rathe ihm den Aufenthalt im Süden ... Sofort in den Palatinus zu gehen vermochte er nicht ... Er zitterte , sich dort zu verrathen ... Aber es suchte ihn schon Fürst Rucca auf ... Olympia überhäufte ihn mit Geschenken und Zuvorkommenheiten , wie sie eben nur Priester anzunehmen gewohnt sind ... Er rüstete sich , noch unentschlossen , gedrängt vom Chorherrn - italienisch zu predigen ... An sich war es ihm ein Leichtes , da er die Sprache so gewandt , wie Benno , sprach ... Noch immer sah er die Herzogin nicht ... Der Boden unter ihm wurde heiß wie Feuer ... Glühende Lava rann neben ihm ... Was soll aus Alledem werden ! stöhnte er vor Schmerz über seine Lage ... Nun auch noch die fremden Leiden zu den eigenen ! ... Schon wußten auch die Zickeles , wohin ihn seine Creditbriefe führten , von seiner Ernennung und wünschten der Gräfin Erdmuthe Glück , ihn als einen Deutschen so in der Nähe zu haben ... Er mußte sich sagen : Das zerstört ja jede Möglichkeit der Ehe ihres Sohnes , wenn Graf Hugo die Absicht meiner Reise erfährt und - Paula ' s Empfindungen für mich kennt - ! In der That , die Gräfin empfing ihn mit der Kälte , die er erwartet hatte ... Haßte sie schon das römische Priesterthum an sich , war sie wie ihr Sohn tiefverletzt von der Bedingung , daß erst eines Beichtvaters Ja ! oder Nein ! über Paula ' s Willen entscheiden sollte , so war die Nachricht , dieser Beichtvater käme nun auch sogleich dicht in die Nähe Castellungo ' s , wo der Graf so gern ganz sich niedergelassen hätte , und folgte