, Ach , du dir selber plaudernde ! Geschwätz ' ge , Im Zwiegespräch belauschte Einsamkeit ! Die Ruh ' hört Ruhe ! Nur das Herz darf schlagen , Ein Vögelchen aus fernem Walde rufen , Die kleine Quelle murmelnd dich umplaudern ... Dann hörst du sie , die stillen Geisterzungen , Die zu dir flüstern : Mensch ! du bist unsterblich , Siehst Die ja wieder , die du scheiden sah ' st ! Willst immer zweifeln ? Immer nur gedenken Der Schauer , da ein liebend Auge brach , Der Schrecken , als ein theurer Athem stockte , Fühlst ewig nur des Todes kalte Hand ? Von Gräbern bann ' hinweg den Zweifelblick ! Such ' dir dein künftig ' Wiedersehn , die Hoffnung , Bei Athmenden und Lebenden ! Und spricht Die Quelle dir , der Vogel nicht vernehmbar , Kannst du den Tag , die Sonne nicht versteh ' n , So laß die Sterne reden , schlage dir Die Blätter des gestirnten Himmels auf , Das große Buch mit gold ' nen Riesenlettern ! Da strahlt ein Licht , das selbst die dunkle Nacht Dem Zweifel und dem Schmerze angefacht ! Ein weihevolles Herz , sagte Ackermann gerührt , eine gewisse Mystik der Naturanschauung , die über das Räthselhafte sich doch nie zum Dunkeln und Unklaren verliert ! Ich nehme meinen Tadel zurück ... Siegbert verdient nicht , sagte Selma , daß ihm Oleander seine Poesie widmete . Wohl , fuhr Ackermann mit geschärftem Blicke auf Selma fort , ich höre dich gern so reden . Warum bezeugst du aber dem sinnigen Dichter nicht größere Theilnahme ? Er ist mit ganzer Seele dein Lehrer : Seit Siegbert ' s Freundschaft hat er an Äußerlichkeit gewonnen : Das Übrige kann eine treue weibliche Hand noch vollenden . Warum zeigst du ihm so oft , Selma , daß dich seine Liebe verletzt ? Selma erglühte . Es war das erste mal , daß der Vater zu ihr ein solches Wort sprach : Liebe ! Sie zitterte fast , erstarrte und legte das Blatt mit eiskalt ersterbender Hand auf die Brust . Da sie keine Antwort auch nur zu denken , geschweige zu sprechen wußte , so sah sie den Vater mit einem bittenden Blicke an , der wohl so viel heißen konnte , als : Vater , warum thust du mir Das und wirfst mich mit dem Wort in solche Schrecken ? Selma , sprach der Vater , ich muß diese Saite , die Gott auch auf deine Seele zur Harmonie gezogen hat , berühren ; denn seit einiger Zeit fühl ' ich , daß zwischen uns ein Geheimniß waltet ... Selma blickte nieder und drückte sich in die Wagenecke , um ihre innere Glut zu verbergen ... Ich will dich nicht tadeln , fuhr der Vater ihre Hand ergreifend fort , daß du bei einer Natur , wie der des Vikars , unterscheidest , was an ihm allgemein menschlich liebens-werth und was es persönlich ist . Es ist nun einmal auch Dies ein Zug des Geistes , daß wir in den Stufenfolgen unsrer Verehrung gewissenhaft unterscheiden . Oleander kann dir heilig und theuer wie ein Bruder sein und doch vermöchtest du ihn nicht so zu lieben , wie ein Mädchen liebt . Aber , Selma , wenn es auch in der Natur des Weibes begründet sein mag , Das , was am Manne liebenswerth erscheint , aus Allem eher als nur und einzig aus seiner sittlichen Gediegenheit herzuleiten , so hüte dich doch , einem gefährlichen Irrthume , von dem ich weiß oder schmerzlich ahne , daß er dich beschlichen hat , zu sehr nachzugeben - Vater , sagte Selma vor Schmerz auffahrend . Was verwundet dich ? Daß ich von deinem Irrthum spreche ? Nein , daß du von Etwas nur redest , was ich aus deinem Munde eher hören soll , ehe ich mir selbst davon gesprochen ! Es ist meine Pflicht , Kind , deine Gefühle zu regeln . Ich verehre und liebe diese heilige Scheu des Mädchens , zum ersten male das geweihte Zauberwort der Liebe zu vernehmen oder wohl gar es auszusprechen . Allein , da du ohne Mutter , ohne dir bekannte Verwandte bist und nur deinen Vater als einzigen erprobten Freund deines Herzens kennst - Ach , rief Selma und warf sich an die Brust des bewegten Mannes , der sie mit seinen Armen sanft an sich zog - Mein Kind , sagte Ackermann strenger . Ich sehe , daß sich dir eine Gestalt , ein Jüngling mit unwiderstehlicher Gewalt eingeprägt hat . Der , den du zuerst hier im Grase an dem Thurme dort liegen sahst , der , der aus den Blumen aufsprang uns freundlich zu grüßen , der , der uns theilnehmend nachblickte , als wir zum Schlosse hinaufwanderten ; der , den du am Morgen bei der Schmiede wiedersahst , der , der mit dir scherzte , dich vor dem bellenden Hunde schützte , mit dir über Amerika plauderte , dann uns begleitete in den kühlen Wald , wo du nicht ertragen mochtest , daß er sich an dem Eichbaum von uns trennte ... Du liebst ja Egon , einen Fürsten . Selma zuckte vor Schmerz auf . Es war ihr , als durchbohrte sie ein Messer und es thäte ihr wohl , zu sterben . Doch hauchte sie das Wort , wie zur Entschuldigung : Nenn ' es nicht Liebe ! Es ist Liebe ! Du unglückliches , unsrer Verhältnisse unkundiges Kind ! Er war unbekannt , in guter Absicht auf seinem väterlichen Erbe , als wir ihn damals sahen . Du fandest ein kindliches Wohlgefallen an ihm , er an dir . Später sah ich , wie der Gruß , den er vom Pferde herab dir auf dem Gelben Hirsch zuwarf , als die große Gesellschaft eben abfuhr , wie sein Gruß und Blick dich durchbohrten . Deine Hast , ihn auf dem Heidekrug wiederzusehen ! Seine Krankheit in der Residenz , sein