Sie nennt schon einen Bischofssitz , der für Sie bestimmt ist , Herr Priester ... Robillante in Italien oder einen ähnlichen Namen ... Im Thal von - Castellungo - Das ist der Name ... Ich habe ihn behalten ... Bonaventura faltete nur die zitternden Hände ... Die beiden Mönche , fuhr Veilchen fort , die dieses Frühjahr von Witoborn entflohen , haben aus Rom geschrieben , daß in ihrem Kloster ein Mönch lebt , der ein Bisthum ausgeschlagen hätte , das ein mächtiger Cardinal gelobt hätte , dem heiligsten Priester in der Christenheit zu geben ... Und in Wien sind - Sie , Sie , Herr Domkapitular , schon dafür genannt worden ... Das wurde hereingeschrieben ... Lucinde weiß alles ... Sie werden in Wien mit diesem Anerbieten empfangen werden ... Bonaventura hörte nur ... Eine Besinnung , eine Fassung lag nicht mehr in seiner Kraft ... So hörten Sie selbst das noch nicht ? fragte die Jüdin , immer hoffend , den Zweck ihres Besuchs zuletzt noch erreichen zu können ... Bonaventura hauchte : Sie - berichten - mir - Wunderdinge ... Er ließ sich die Namen noch einmal nennen ... Es waren und blieben die Namen Robillante und Castellungo ... Die Orte , wo Paula leben sollte - wo Frâ Federigo lebte ... Er sah Benno , Olympia , Ceccone betheiligt ... Das war das von Benno erwähnte Bisthum ... Gaben es ihm wol gar - die Jesuiten ? dachte er einen Moment ... Verlassen Sie sich ! fügte Veilchen hinzu ... Sie kommen nicht zurück ... Sie werden in Italien ein Bischof ... Ohne noch zu widerreden , faltete Bonaventura , überwunden von den Fügungen seines Geschicks , aufs neue die Hände ... Er sah , wie mit übergeistigtem Auge , Paula auf dem Schlosse , auf dem sie einst in ihrer Vision die Fahne mit den Dorste ' schen Farben erblickt hatte ... Seinen Vater sah er unter den Eichen von Castellungo ... Ein Glanz umfloß ihn wie die himmlische Morgenröthe ... Dennoch schüttelte er den Kopf auf die wiederholten Bitten der Jüdin ... Herr Priester ! ... Das ist grausam , wallte diese auf ... Solchen Worten zürnte er nicht mehr ... Gute Nacht , Liebe ! sprach er ... Dank für Ihre Verschwiegenheit - wegen dessen , was Herr Seligmann hörte , eine Verschwiegenheit , auf die ich bei unserm gemeinsamen Gott fest und heilig baue ... Sagen Sie aber Lucinden : Wer allwissend ist , ist auch allmächtig ! ... Was kommt sie zu mir - ! ... Herr Priester - ! bat Veilchen noch einmal inständigst ... Komm ' ich in der That nicht wieder , so wünsch ' ich ihr alles Glück und jeden Frieden des Gemüths ... Ich danke Ihnen , daß Sie ihr Bote wurden ... Sie sind treu , was Sie auch gegen die Treue sagen ... Doch gehen Sie , ohne mich noch wankend machen zu wollen ... Es gelingt nicht ... Drohungen , die Lucindens Charakter entsprechen , schrecken mich nicht ; ich kann , sagen Sie ihr ' s , alles ertragen ... Noch eins ! Ist sie hülflos , so schreibe sie offen und getrost - an meinen Oheim in der Dechanei ... Das ist nicht wahr , daß alle vor ihr fliehen ... Der Onkel verehrt sie wahrhaft ; er wird alles für sie thun ... Sagen Sie ihr das ! Mein Oheim ist ganz der Freund , den sie sucht ... Sagen Sie ihr auch - daß ich glücklich bin über ihre Trennung von Nück und daß ich nie in dem Verhältniß ein Arg gefunden ... Nicht aber mehr ... Ich kann nicht anders ... Die Kraft fehlt mir , all die Bürden zu tragen , die mir ihre Beichte noch auferlegen würde ... In Zukunft ! ... Ich reise morgen in erster Frühe ... Nun bleibt es dabei ... Damit half Bonaventura Veilchen schon den Mantel auf die Schultern legen ... Sie schüttelte den Kopf wie über die Thorheit der ganzen Welt ... Still befestigte sie ihren Mantel ... Bonaventura leuchtete ihr hinaus und begleitete sie über den Corridor bis an die nächste Treppe ... Diese war erleuchtet ... Veilchen wandte sich noch einmal , sah den Priester mit ihren geöffneten Augen wie einen bemitleidenswerthen Wahnbefangenen an und schlich die Treppenstufen nieder ... Bonaventura wartete , bis er hörte , daß sie das Hausthor gefunden ... Dir sind wol schon hundert wie mit unsichtbaren Ketten gebunden , die dir beichteten , sagte er sich , zurückkehrend in sein Zimmer , mit dem ganzen ausbrechenden Schmerz seiner Seele ; aber wie du gebunden , du umstrickt bist von deinen eigenen Lebensräthseln , das ist ein Verhängniß wie im Haus - der alten Labdakiden ! ... Und des so wohlthuenden Eindrucks der Jüdin gedenkend , rief er laut : Gott der Christen - Gott der Juden - Allah - ! ... Zeus ! ... Ja auch der Olymp herrscht noch ... Nicht alle Götter der Alten sind in nichts zerflossen ... Die Nemesis - die Tyche - die Keren haben ihr Amt behalten ... Der Gedanke , daß ein Bisthum neben dem Schlosse , wo Paula wohnen sollte , für ihn eine Unmöglichkeit wäre , stritt mit der Ungewißheit über den Eindruck , den ihm Graf Hugo machen würde und nach dem er doch der Wahrheit gemäß entscheiden sollte ... Sein Lager suchte er , um nur allein die müden Muskeln zu strecken ... Schlaf , wußte er , würde ihn fliehen ... Träumte er , so würde der Ungetaufte - vom Jordan träumen ... In der That erhob er sich vor Sonnenaufgang ohne Stärkung ... Es war ein nebeliger Morgen ... Er kleidete sich an ... Renate credenzte ihm den gewohnten Labetrunk ... Sie weinte ... Der gute und ernste Mann war ihr wie ein Sohn geworden und seit Monaten sah er krank und zerfallen aus und auf wie lange verreiste er ... Auch in Bonaventura ' s Auge standen Thränen ...