stellen . Einem der Übeltäter indes mochte das Herz dabei schlagen . Als er beschäftigt war die linke Hand festzunageln , fiel der erhobene Mumienarm zurück und gab dem unten stehenden Franzosen einen Backenstreich . Dieser fiel leblos um ; Schreck und Gewissen hatten ihn getötet . ( Ich bin seitdem in der Campehler Kirche gewesen und kann diese Geschichte leider nicht bestätigen . Herr von Kalbutz liegt mit gefalteten Händen da , die Finger beider Hände wie in eins zusammengewachsen . Im übrigen erzählte mir der Küster von der großen Popularität dieser Mumie ; Handwerksburschen aus aller Herren Länder , die durch Campehl zögen , ermangelten nicht , sich den Herrn von Kalbutz anzusehn , den sie alle als ein Kuriosum der Mark Brandenburg kennen . ) 18 Nach dem Kirchenbuche zu Buch . In eben diesem Kirchenbuche wird sie jedoch nicht Julie von Voß , sondern Elisabeth Amalie von Voß genannt . Diese Namen finden sich zweimal vor , bei Gelegenheit ihrer Geburt ( 1766 ) und ihres Todes ( 1789 ) . Woher es kommt , daß sie trotzdem als Julie von Voß fortlebt , ist bis zur Zeit nicht aufgeklärt . Ich würde , gestützt auf das Kirchenbuch , im Texte den Namen Amalie wieder hergestellt haben , wenn sich nicht in den Tagebuchblättern ihrer Tante , der Oberhofmeisterin , der Name Julie beständig wiederholte . 19 Eins dieser Bilder befindet sich im Schloß zu Buch , ein anderes im Ingenheimschen Schlosse zu Seeburg , im Mansfelder Seekreise . Ein drittes Bild , in Pastell ausgeführt , besaß eine vor kurzem in dem hohen Alter von über neunzig Jahren verstorbene Frau von Häseler . Im Hause derselben hab ' ich es oft gesehen . Die Gräfin trug auf demselben ein Morgenkostüm , eine Art Tüllspenser mit vielen krausgetollten Kragen . Durch die Fülle blonden Haares zog sich ein schwarzes Samtband . Augen und Teint sehr schön . Dies Porträt rührte von Frau von Sydow , einer Freundin der Ingenheim , her . 20 Gräfin Kannenberg war die fungierende Oberhofmeisterin , während Frau von Voß , zu dieser Zeit wenigstens , nur in ihrer Eigenschaft als Gemahlin des Oberhofmeisters par courtoisie diesen Titel führte . 21 In der Regel wird bei dieser Gelegenheit versichert , diese » Trauung sei seitens des Berliner Konsistoriums und zwar unter Berufung auf die von Melanchthon erlaubte Doppelehe Philipps des Großmütigen von Hessen für zulässig erklärt worden . « Die stete Wiederkehr dieser Versicherung hat den Konsistorialpräsidenten Hegel veranlaßt , unterm 27. April 1876 eine Erklärung abzugeben , in der ausgesprochen wird , » daß weder die gründlichsten Recherchen in der Registratur des Königlichen Konsistoriums , im Geheimen Staats-Archiv , im geheimen Ministerial-Archiv und Königlichen Haus-Archiv , noch auch anderweite Forschungen und Erkundigungen irgend etwas zur Begründung obiger Ansicht ( Gutheißung der Trauung durch das Konsistorium ) ergeben haben . « Es läßt sich in der Tat annehmen , daß Leopold von Ranke das Richtige getroffen hat , als er in seinem Werke : » Die deutschen Mächte und der Fürstenbund . Deutsche Geschichte von 1780 – 1790 « wörtlich sagte : » In neueren Zeiten ist die Behauptung aufgetaucht , das Konsistorium habe in aller Form seine Einwilligung zu dieser Verbindung ausgesprochen ; vergeblich hat man nach einem Aktenstück dieser Art gesucht ; wahrscheinlich ist dabei der Kreis privater Besprechung nicht überschritten worden . « 22 Im siebzehnten Jahrhundert war die große Mehrzahl ( 17 ) aller im zweimeiligen Umkreis nördlich von Berlin gelegenen Güter in Händen von nur drei Familien : Roebel , Krummensee , Loeben . Vgl. das Kapitel Buch . 23 Dieser » Geheime Rat « bestand aus acht Mitgliedern , darunter drei Doktoren der Rechte , die , meist auch später noch , aus bürgerlichem Stande genommen wurden . Die acht Mitglieder waren : Hieronymus Graf von Schlick , Präsident ; Johann von Loeben , Kanzler ; von Benkendorf , Vizekanzler ; Christoph Friedrich von Wallenfels ; Hieronymus von Dieskau ; Friedrich Pruckmann ; Simon Ulrich Pistorius ; Johann Hübner . 24 Canitz und seine erste Gemahlin Doris von Arnim , deren Grabmäler ich in der obengenannten Marienkirche zu Berlin lange vergeblich suchte , sind nichtsdestoweniger in derselben wirklich beigesetzt worden , aber in dem Roebelschen Erbbegräbnis , dessen ich in dem Kapitel Buch bereits eingehender erwähnt habe . Da dies Erbbegräbnis , in dem , laut Stadtrat Kleins Geschichte der Marienkirche , die Toten dreier Familien : der Roebel , Canstein und Canitz beigesetzt wurden , seit etwa vierzig Jahren zugemauert ist , so ist es nicht mehr möglich , die Särge um ihre Inschriften zu befragen . Möglich , daß dieselben , z.B. über den Geburtsort Canitz ' , einen bestimmten Aufschluß geben würden . 25 Ich hätte hier statt des von Plothoschen auch ein anderes Beispiel zitieren können , ein Beispiel aus der Canitzschen Zeit und noch dazu ein Vorkommnis , in dem der Spezialfreund unseres Poeten , der schon an anderer Stelle genannte Johann von Besser , die Hauptrolle spielt . Besser war 1686 kurbrandenburgischer Gesandter in London , und es handelte sich , nach erfolgtem Tode Karls II. für das ganze diplomatische Korps darum , dem nunmehrigen Könige Jakob II. die Glückwünsche ihrer resp . Höfe zu überreichen . Der alte venezianische Gesandte Vignola verlangte den Vortritt vor Besser ; Besser aber verweigerte dies . Man einigte sich endlich dahin , daß der den Vortritt haben solle , der zuerst auf dem Platz erscheinen würde . Der alte Italiener kam früh , aber Besser kam früher ; er hatte sich nämlich die Nacht über in eins der königlichen Vorzimmer einschließen lassen , und stand nun bereits da , als Vignola eintrat . Dieser war unklug genug , nach wie vor auf den Vortritt zu bestehen . Besser warnte ihn . Als der Zeremonienmeister die Tür öffnete , sprang Vignola vor , Besser aber , der von großer Körperkraft war , packte im selben Augenblicke den alten Schelm hinten am Hosenbund und schnellte