fuhr Leidenfrost fort , daß auch noch andre Gegenstände dabei zur Verloosung kämen und sich eine Einnahme beschaffen ließe , groß genug , um ein Kanonenboot für die deutsche Flotte zu kaufen . Sie ist von der Landesfarbe zu der des gemeinsamen Vaterlandes übergegangen und trägt schwarz , roth , gold . Dies hat einen Bruch mit Fräulein Wilhelmine von Flottwitz veranlaßt . Ihre Farben , ihre Gesinnungen harmoniren nicht mehr , zur großen Freude der meisten Gesellschaften , die dadurch vor gewissen makkabäischen Duetten bewahrt bleiben . Die Flottwitz , die leider täglich blonder wird , setzt ihre Bekehrungsversuche mit Ihrem Bruder Dankmar fort , der jedoch bei seinen Studien über römisches und germanisches Erbrecht zu wenig Zeit hat , sich in die Separatgeschichte der einzelnen Truppentheile unsrer Armeen und die tiefe Bedeutung der Achselklappen und der Patrontaschen zu verlieren . Der Reubund hat sich in zwei Fraktionen gespalten . Die eine mit der Bundeskasse , die andre ohne Bundeskasse . Äußerlich heißt es : Der Eine will die neue Verfassung beschwören , weil es der König und das Vaterland verlangten , der Andre will aber dem König noch eine größre Reue zeigen und den Schwur auf dieses » Blatt Papier « als unverbindlich darstellen , worüber natürlich in den » kleinen Cirkeln « viel Thränen der Rührung und Verlegenheit vergossen werden , zumal da sich so viele Gelehrte , fromme Offiziere und mystische Beamte bereit erklärt haben , zu beweisen , daß Eide für die Fürsten doch immer nur unter Umständen heilig sind ; aber wie gesagt , die Spaltung beruht auf Kassendefizits und einer , wie wenigstens Freund Werdeck versichert , tief eingerissenen Differenz über die zweckmäßigere Einrichtung einer Brautpaar-Aussteuerkasse verbunden mit einem stillschweigenden Heirathsbureau . Der Bruch wurde unheilbar , als die eine Frau Meisterin vom Stuhl für ein neues gelbseidnes , die andre für ein violettes die Aufmerksamkeit der Loge ausschließlich in Anspruch nahm . Seitdem hat man neben dem alten einfachen Reubund nun noch einen Bund der doppelt Bereuenden . Vom Propst Gelbsattel , lieber Wildungen , soll ich Sie grüßen . Er ist entzückt , daß Sie die Schönauer so entzückt haben . Er verfällt immer mehr mit dem Staate der Gegenwart , auch mit dem Staate des Fürsten Egon . Die Unabhängigkeit der Kirche vom Staate und die Abhängigkeit der Schule von der Kirche ist in dem Grade jetzt sein Steckenpferd , daß es eine ganz harmlos hingeworfene und unschuldige Phrase geworden ist , von ihm zu sagen , er hielte es mit den Jesuiten . Der General Voland von der Hahnenfeder , der im Stillen doch die wahre äußere und innere Politik unsres Staates leitet , und wie Viele behaupten , vom Papste die Mission hätte , ihn durch Überanstrengung seiner Kräfte zu ruiniren , wofür man ihm , da er ohnehin dunklen Ursprungs ist , einen Platz unter den Heiligen des Kalenders zugesichert hat , ist sehr mit Gelbsattel intim , doch sollen sie in dem Verhältnisse zu einander stehen , wie Hegel zu seinem besten Schüler . Gelbsattel , hat General Voland gesagt , Gelbsattel ist der Einzige , der mich verstanden hat , aber auch Gelbsattel hat mich misverstanden ... Otto von Dystra , bei dem ich die Ehre hatte , den gelehrten General kennen zu lernen ... Otto von Dystra ? horchte Ackermann auf . Ein amerikanischer Republikaner , der über Sibirien zur Freiheit kam , bemerkte Leidenfrost . Ganz recht , sagte Ackermann , Republikaner , Monarchist , je nachdem er geschlafen hat ... Eine sonderbare Charakteristik ! bemerkte Siegbert , Olga ' s gedenkend und mit Spannung ... Otto von Dystra , fuhr Leidenfrost zu Siegbert gewandt fort , ist sehr begierig , Ihre Bekanntschaft zu machen ... Meine Bekanntschaft ? fragte Siegbert . Woher kennen Sie ihn denn ? Ich ihn ? Er mich ? sagte Leidenfrost , sich komisch verwundert stellend . Wissen Sie nicht , daß Otto von Dystra Alles aufsucht , was berühmt ist ? Bin ich nicht der berühmte Leidenfrost ? Der Techniker ? Der Mathematiker ? Der Maler ? Der Michel Angelo in Taschenformat ? Oder vergessen Sie , Freund , daß ich einst seine Kleider und Schuhe putzte und ihn in phrenologischen Studien unterstützte ? Ackermann erinnerte sich der Gespräche in jener Nacht auf der Willing ' schen Maschinenfabrik ... Er suchte ja auch Sie sogleich auf , fuhr Leidenfrost zu Siegbert gewandt fort , und nicht etwa weil die Fürstin Wäsämskoi von Ihnen an den Rand des Grabes gebracht wird - Leidenfrost ! drohte Siegbert empfindlich . Selma blickte erstaunt zur Seite und hatte unwillkürlich das Gefühl , als müßte sie von Siegbert abrücken . Sie konnte es , da die etwas plumpe Bedienung der Mägde mit den Saucen nicht besonders vorsichtig umging . Nein , deswegen nicht , fuhr Leidenfrost einlenkend fort , sondern aus Interesse für den Maler des Jakob Molay - Ackermann bemerkte , daß er Otto von Dystra als einen Freund jedes Talentes kenne und erzählte Manches von seinen seltsamen Neigungen , um von der Höhe seines Reichthums und seiner exclusiven Stellung zur wahren Menschlichkeit herabzusteigen . Er führte auch an , daß er ihn bei einer Fußwanderung am Missouri , in Begleitung eines talentvollen Kupferstechers , Namens Morton , hätte kennen lernen . Wie sehr er Siegbert Wildungen schätzt , ergänzte Leidenfrost mit einem eigenthümlichen sarkastischen Ausdrucke , beweist , daß er Ihnen hier durch mich schon einige Zeilen übersendet ... Leidenfrost zog einen Brief aus der Brusttasche und überreichte ihn Siegbert , der fassungslos vor Erstaunen den Brief betrachtete , die französische Aufschrift las und ihn erbrechen wollte . Bitte , sagte Leidenfrost hastig , lesen Sie ihn für sich ! Er ist zu lang ! Es liegt eine dicke Schreibübung aus Rom darin ! Wenigstens sagte mir Otto von Dystra , daß Ihnen Olga Wäsämskoi wahrscheinlich zeigen wolle , welche Fortschritte sie zu Rom in der Kalligraphie mache ... Siegbert saß auf glühenden Kohlen . Ein Brief aus Rom !