zurück . Und aus ihren Reihen war es denn auch , daß mir meine recht eigentlichsten Mitarbeiter erwuchsen , solche , die sich ' s nicht bloß angelegen sein ließen , mir den Stoff , sondern eben diesen Stoff auch in der ihm zuständigen Form zu geben . Und dabei welch erstaunliches Wissen im Detail . Immer neue Seiten in Historie , Natur und Volksleben erschlossen sich mir und vergewisserten mich in der übrigens längstgehegten Überzeugung , daß der Glückliche , dem es dermaleinst beschieden sein sollte , die Gesamtheit dieses in hundert Einzelforschungen eruierten und extrahierten Materials in sich zu vereinigen , der Sanspareil sein wird auf dem Gebiete märkischer Spezialgeschichte . So viel über unsere Landpastoren . Und nun ahnt der Leser bereits , vor wem ich mich , als vor dem Dritten im Bunde , zu verneigen haben werde , natürlich vor dem Lehrer , der sich mir , unbekümmert darum , ob ich ihn bei seinen Schulstunden oder bei seinen Bienen- und Rosenstöcken störte , von einem immer gleichen Entgegenkommen erwies . Einen einzigen Ausnahmefall abgerechnet , über den ich in dem Kapitel Malchow des weiteren berichtet habe , hieß es allezeit und allewege : » Klopfet an , so wird euch aufgetan « , und selbst auf brieflich gestellte Fragen , aus denen sich mehr als einmal eine vollständige Korrespondenz entwickelte , bin ich zu keiner Zeit ohne den gewünschten und oft sehr eingängigen Bescheid geblieben . Und mit diesen Lehrern auf dem Lande wetteiferten die Lehrer in der Stadt , aus deren Reihen ich wenigstens eines hier unter Nennung seines Namens gedenken möchte : Garnisonschullehrer Wagener in Potsdam . Unter seinem im Anfange sowohl ihm wie mir unbewußt bleibenden Einflusse war es , daß ich mich aus der historischen Vortragsweise , wie schon eingangs hervorgehoben , in die genrehafte zurückfand und den ursprünglichen Plauderton in sein ihm zuständiges Recht wieder einsetzte . Die ganze Gruppe der Kapitel aus der Umgegend von Potsdam , also Bornstedt , Sakrow , Fahrland , Falkenrehde , Marquardt , Ütz und Paretz am Nordufer der Havel und ebenso Werder , Glindow , Petzow , Kaputh usw. am Südrande hin , entstand en unter seiner Führung , und was von ernsten und heitren Geschichten unter all diesen Kapitelüberschriften enthalten ist , entnahm ich zu sehr wesentlichem Teile seinem immer frischen und anschaulichen , weil überall aus der Erlebnisfülle schöpfenden Unterwegsgespräche . Mit einer wahren Herzensfreude denk ' ich an jene Sommernachmittage zurück , wo wir von den Dörfern und Ziegelöfen am Schwielowsee heimkehrend , auf einer vor ein paar ausgebauten Häusern von Alt-Geltow liegenden Graswalze zu rasten und unser sehr verspätetes Vesperbrot aus freier Hand einzunehmen pflegten , ohne daß der Redestrom auch nur einen Augenblick gestockt hätte . Da vergaßen wir denn der Flüchtigkeit der Stunde , bis die Mondsichel über den kleinen Giebelhäusern stand und uns erinnerte , daß es höchste Zeit sei , wenn wir , oder doch wenigstens ich , den Zug noch erpassen wollten . Und immer rascher und geängstigter ging es vorwärts , jetzt über die Gewehrfabrik und jetzt über den öden und sommerstaubigen Exerzierplatz hin , und nun hörten wir das erste Läuten . O wie das ins Ohr gellte , denn die vollgestopfte Brücke lag noch zwischen uns und unsrem Ziel . Also Trab , Trab ! Und ein ewiges und verzweifeltes » Pardon « auf der Lippe , das uns freilich vor dem üblen Nachruf aller Karambolierten nicht schützen konnte , ging es endlich zwischen den pickenden Sperlingen hin , entlang den Droschkenstand , entlang den Perron und nun hinauf die Treppe , bis ich keuchend und atemlos und mit eingebüßtem Taschentuch in das nächstoffenstehende Kupee hineinstürzte . » Gute Nacht « . Und fort rasselte der Zug . Es war wie Dauerlauf und Turnerfahrt aus alten Schul- und Ferientagen her , und gab einem auf Augenblicke das Gefühl einer ach auch damals schon auf lange hin zurückliegenden Jugend wieder . Und schon das war ein Glück . * Und von manch ' ähnlichen Tagen könnt ' ich noch berichten ! Aber die » Wanderungen « selbst erzählen davon , und so brech ' ich denn ab und schließe mit dem Wunsche , den ich schon einmal und zwar bei Beginn des Werkes aussprechen durfte , » daß das Lesen dieser Dinge dem Leser wenigstens einen Teil der Freude bereiten möge , den mir das Einsammeln seiner Zeit gewährte « . Berlin , 14. November 1881 Th . F. Fußnoten 1 Über Meerrettichproduktion und Meerrettichverkauf stehe hier noch das folgende . Der Herbst ist die Zeit der Lübbenauer Meerrettichmärkte . Jeden Sonnabend , solange das Wasser eisfrei bleibt , bringen die Spreewäldler , namentlich die von Burg , ihre Ware zu Markt , und es bedecken dann 200 bis 300 mit Meerrettich beladene Kähne den Ausladeplatz an der Spree . Groß- und Kleinhändler aus vielen Städten und Ländern erscheinen um diese Zeit , um ihren Einkauf zu machen . In der Regel werden in Lübbenau 20000 Zentner verkauft , was einer Einnahme von 600000 Mark gleichkommt . Ich gehe diese Zahlen ohne Gewähr , wie ich sie finde . 2 Nicht im Schlosse zu Köpenick , aber freilich nur eine halbe Meile davon entfernt , in unmittelbarer Nähe des reizend gelegenen Dörfchens Grünau , starb am 18. Juli 1608 der Enkel Joachims II. , Kurfürst Joachim Friedrich , derselbe , dem die Marken die Gründung des Joachimsthalschen Gymnasiums verdanken . Er kam von Storkow und war auf dem Wege nach Berlin , als ihn der Tod im Wagen überraschte . An der Stelle , wo er mutmaßlich gestorben ist , hat man jetzt ein einfaches , aber eigentümliches Denkmal errichtet . Es ist ein Steinbau , eine Art offener Grabkapelle , deren auf vier Pfeilern ruhendes Dach sich über einem Grabstein wölbt . Zu Häupten dieses Steins , in der einen Schmalwand der Kapelle ( die beiden Breitseiten sind offen und haben nur ein Gitter ) befindet sich ein gußeisernes Kreuz