die Schönings und Barfuß ' ? Und wer waren die Marwitz ' und die Lestwitz ' ? Und das Recht zu dieser Frage nur einen Augenblick zugestanden , war auch die Pflicht zugestanden , sie zu beantworten . Eine Folge davon war , daß ich aus dem ursprünglichen Plauderton des Touristen in eine historische Vortragsweise hineingeriet , und Band II ( Oderland ) ist denn auch mehr oder weniger ein Zeugnis und Beweis dafür geworden , indem er aus einer Anschauungs- und Arbeitsepoche stammt , in der mir diese veränderte Vortragsweise , will sagen das Vorherrschen des Historischen , als unerläßlich erschien . Aber nicht lange , so bemerkt ' ich den Irr- und Gefahrsweg , auf den ich geraten war , und bestrebte mich , mich in die frühere Weise zurückzufinden , ein Bestreben , das in den beiden Schlußbänden , so hoff ' ich , deutlich erkennbar zutage tritt . Auch sie noch weisen genug des Historischen auf , aber es verbirgt sich oder sucht sich wenigstens zu verbergen , und so haben denn Band III und IV auf dem Wege der Kritik und Reflexion etwa wieder die Form und Gestalt empfangen , die mir bei Niederschreibung der ersten Kapitel aus dem bekannten » dunklen Drange heraus « , als die richtigste , jedenfalls als die wünschenswerteste vorschwebte . Der Hinweis auf diese Dinge schien mir geboten und zwar in Abwehr gegen Bemängelungen , denen diese Reisefeuilletons ( so vielleicht darf ich sie nennen ) ausgesetzt gewesen sind . Irgendwo hieß es einmal : » Die nach mehr als einer Seite hin überschätzten › Wanderungen ‹ sind Arbeiten , an denen der Mann von Fach , also der Berufshistoriker , achselzuckend oder doch mindestens als an etwas für ihn Gleichgültigem vorübergeht . « Es mag in diesem Satze sehr viel Richtiges enthalten sein , aber insoweit irrt er und benachteiligt er mich , als er mir Absichten und Strebungen unterstellt , die mir , ein paar der von mir selber angedeuteten Ausnahmefälle zugegeben , absolut fern gelegen haben . Er stellt mich rein willkürlich , ohne meinen Wunsch und ohne mein Zutun , in die Prachtfront der großen Grenadiere , bloß um hinterher auf eine bequemste Weise meine Füsilierschaft , meine Zugehörigkeit zur letzten Rotte der 12. Kompanie vor aller Welt Augen beweisen zu können . Ich hab , aber nie mehr beansprucht als fünf Fuß fünf Strich altes Maß . Wer sein Buch einfach » Wanderungen « nennt und es zu größerer Hälfte mit landschaftlichen Beschreibungen und Genreszenen füllt , in denen abwechselnd Kutscher und Kossäten und dann wieder Krüger und Küster das große Wort führen , der hat wohl genugsam angedeutet , daß er freiwillig darauf verzichtet , unter die Würdenträger und Großkordons historischer Wissenschaft eingereiht zu werden . Ich habe » mein Stolz und Ehr ' « und zwar mit vollem Bewußtsein auf etwas anderes gesetzt , aufs bloße Plaudernkönnen , und erkläre mich auch heute noch für vollkommen zufriedengestellt , wenn mir dies als ein Erreichtes und Gelungenes zugestanden werden sollte . Freilich bleibt daneben bestehen , daß in eben diesen Kapiteln , und zwar unter Zutun und Hilfe meiner über die halbe Provinz hin zerstreuten Mitarbeiter , auch ein bestimmtes Quantum historischen Stoffes niedergelegt worden ist , das eben nur hier existiert 61 und an dem mißachtend vorübergehen zu wollen , ein Fehler wäre , den , so mein ' ich , niemand aus freien Stücken begehen wird , niemand , dem neben dem exakten Kontur auch das Kolorit in der Kunst etwas bedeutet . * Ich erwähnte meiner Mitarbeiter und möchte der hauptsächlichsten derselben etwas eingehender gedenken dürfen . Da sind vorerst die märkischen alten Familien : der Land- und Landesadel aus den Tagen der Putlitz , Quitzow und Rochow her . Die Gefühle für sie sind im Laufe von vierhundert Jahren ziemlich unverändert geblieben , ziemlich unverändert wie sie selbst . Und aus gleicher Ursach ' die gleiche Wirkung . Wirklich , es lebt in unserm Adel nach wie vor ein naives Überzeugtsein von seiner Herrscherfähigkeit und Herrscherberechtigung fort , ein Überzeugtsein , das zum Schaden ebensowohl des Ganzen wie der einzelnen Teile , noch auf lange hin das Zustandekommen einer auf Prinzipien und nicht bloß auf Vorurteil und Interesse basierten Torypartei verhindern muß . Eine solche bedarf eben durchaus des dritten Standes . Es wird aber nur wenige bürgerliche » Honoratiores « geben , die nicht – auch bei konservativster Schulung und Naturanlage – durch den Pseudokonservativismus unsres Adels , der schließlich nichts will als sich selbst und das was ihm dient , in peinlichste Verlegenheit und hellste Verzweiflung gebracht worden wären . Immer wieder bricht es durch , erweist eben noch gehegte Hoffnungen als ebenso viele Täuschungen und macht ein herzliches Zusammengehen auf die Dauer unmöglich . Indessen es gilt politisches und gesellschaftliches Auftreten zu scheiden , und was seinerzeit vom Engländer galt und eigentlich immer noch gilt : » in der Fremde bedrückend , aber zu Haus entzückend « eben dasselbe geflügelte Wort ist auch anwendbar auf unsern Adel . Und weshalb ? Einfach deshalb , weil er sich daheim , an seinem eignen Herd , in sein volles Gegenteil zu verkehren und aus der Starrheit seines non possumus in ein alle Welt sympathisch berührendes laisser passer überzulenken weiß . Er ist eben über Nacht ein andrer geworden . Nicht mehr in die Defensive gestellt , nicht mehr ein kreis- oder reichstäglich Belagerter , der sich , in strikter Befolgung alter Taktik , am besten durch Ausfälle zu schützen glaubt , entäußert er sich einer ihm schließlich selbst unbequem werdenden Stachelrüstung und kleidet sich in das Selbstgespinst seiner vorvorderlichen Tugenden . Und diese Tugenden heißen : ein gut Teil Gutmütigkeit , ein noch größeres von gesundem Menschenverstand und ein allergrößtes von Kritik . Und diese Kritik ist das beste . Mit einem seiner Zuhörerschaft sich alsbald mitteilenden Behagen beginnt er plötzlich alles unter die Lupe seiner ihm angebornen Skepsis zu nehmen und dabei Radikalismen laut werden zu lassen