! Und so bat ich denn meinem Trebbiner Schützenmajor ab , über den großen Sohn seiner Stadt , der sich nun schließlich als ein Linumer Kind herausstellte , so schlecht unterrichtet gewesen zu sein . Aber auch diese reumütige Stimmung hatte keine Dauer und konnte sie nicht haben . Er war eben doch ein Trebbiner . Eine sich entspinnende Zeitungskontroverse ließ mir , nach Austausch einiger Pros und Kontras , endlich keine Zweifel darüber , daß sich auch dieser Grabstein , in Geltendmachung traditioneller Vorrechte , geirrt habe . Noch einmal also : W. Hensel geb . zu Trebbin . ! Schlußwort Schlußwort Mit diesem IV. Bande nehm ' ich – wenigstens in meiner Wanderereigenschaft – Abschied vom Leser , nicht weil der Stoff erschöpft wäre , wohl aber vielleicht die Geduld . Und ein Band zuviel ist wie ein Tag zuviel , der den guten Besuchseindruck wieder in Frage stellt . Über zwanzig Jahre sind vergangen , seit ich im Sommer 1859 mit diesen Wanderungen begann . Was den Anstoß dazu gab , darüber hab ' ich mich in dem Vorworte zu Band I ausführlicher ausgesprochen , und wiederhole hier nur in aller Kürze , daß es auf einer Tour in Schottland , angesichts eines im Levensee sich erhebenden alten Douglas-Schlosses war , wo mir zuerst der Gedanke kam , » je nun , so viel hat Mark Brandenburg auch . Geh ' hin und zeig ' es . « Auf eaner » Tour « sagt ' ich , war mir dieser erste Gedanke zu den Wanderungen gekommen und ausschließlich als » Tourist « gedacht ' ich daheim ihn auszuführen . Jede wissenschaftliche Prätention lag mir fern . Es drängte mich nur , das eingewurzelte Vorurteil von einer hierlandes auf alle Dinge sich erstreckenden Armut und Elendigkeit zu bekämpfen und durch Hinweis auf diesen oder jenen Schönheits- beziehungsweise Berühmtheitspunkt unsrem so gern in die Ferne schweifenden Märker zu Gemüt zu führen : » Sieh , das Gute liegt so nah . « Und so fuhr ich denn in meine spezielle Heimat , ins Ruppinsche hinein und begann in seinen Luch-und Bruchdörfern umherzuwandern , den Rhin und die Dosse hinauf und hinunter , und gleich das erste Kapitel , das ich schrieb , ergibt denn auch bis diese Stunde , wie lediglich touristenhaft ich meine Sache damals auffaßte . Dies erste Kapitel behandelte » Wustrau « , das am Ruppiner See gelegene Herrenhaus des alten Zieten . Es fiel mir nicht ein , unter dieser Überschrift irgend etwas auf historischem Gebiete Neues über den berühmten alten Husarenvater erzählen zu wollen , vielmehr lief in meinem Vorhaben alles auf etwa folgende Betrachtung und Ansprache hinaus : » Ihr kennt alle den alten Zieten , den Zieten aus dem Busch , der auf dem Wilhelmsplatze steht und zu dem der Alte Fritz sagte : › Zieten setz er sich . ‹ Und ist auch derselbe , der den Zietenritt ausführte , den unser Scherenberg in wahren Steeplechase-Versen besungen hat , und ist endlich auch der , der bei Torgau nicht locker ließ und die Schlacht gewann , die der König schon verloren glaubte ... Nun seht , dieser alte Zieten ist nicht so bloß spurlos aus dieser Zeitlichkeit geschwunden und sitzt auch nicht so bloß , wie ' s uns unser Chodowiecki glaub ' ich gezeichnet hat , oben im Himmel und regiert da mit Gott und dem Alten Fritz um die Wette , nein , nein , er ist auch noch diesseits zu finden und wenn ihr nur an den rechten Fleck Erde kommt , so wird sich euch noch allerhand auftun , kleines und großes , das an ihn erinnert . Und dieser Fleck Erde liegt am Ruppiner See . Da geht nur hin , und wenn ihr erst da seid , so werdet ihr daselbst nicht bloß das Herrenhaus sehen , das er gebaut , und den Park , den er angelegt hat , sondern zugleich auch seinen Grabstein an der äußeren Kirchenwand und sein stattliches Grabdenkmal im Innern der Kirche . Ja , wenn ihr Glück habt und es trefft , daß die Herrschaften oben ausgefahren oder wohl gar verreist sind , so könnt ihr am End ' auch den Säbel sehen , den der Alte nie zog ( ein einzig Mal abgerechnet , wo ' s ihm ans Leben ging ) und könnt auch vielleicht in den Husaren-Ahnensaal eintreten , in dem all die rotröckigen und schnauzbärtigen Zietenschen Offiziere hängen , die den Siebenjährigen Krieg mit durchgefochten haben . All das könnt ihr da sehen und nebenher auch noch dies und jenes hören , allerlei Schnurren und Anekdoten , die von Mund zu Mund gehn . Und wenn ihr dann weiterfahrt , dann werdet ihr ungefähr dasselbe denken , was ich seinerzeit gedacht habe : › Weit hinaus über alles Erwartete ! ‹ « Ja , vorfahren vor dem Krug und über die Kirchhofsmauer klettern , ein Storchennest bewundern oder einen Hagebuttenstrauch , einen Grabstein lesen oder sich einen Spinnstubengrusel erzählen lassen – so war die Sache geplant und so wurde sie begonnen . Und sehr wahrscheinlich auch , daß es dabei geblieben wäre , wenn es dabei hätte bleiben können . Allein dies verbot sich . Ein Vorgehen , wie das eben geschilderte , hatte doch immer ein bestimmtes Maß von Kenntnis und Interesse zur Voraussetzung und mußte von dem Augenblick an hinfällig werden , wo die Voraussetzung selbst es ward und mich im Stiche ließ . In dem Wustrau-Kapitel lagen die Dinge bequem , Wustrau war ein Idealstoff , aber solcher Stoffe gab es in ganz Mark Brandenburg eigentlich nur noch drei : Rheinsberg , Küstrin und Fehrbellin . Über diesen Kreis hinaus versagte sofort das Vorweginteresse , weil das Wissen zu versagen anfing , und schon bei Tamsel und Alt-Möglin , bei Friedersdorf und Friedland ergaben sich arge Verlegenheiten . In ihnen waren einerseits die Schönings und Barfuß ' und andererseits die Marwitz ' und die Lestwitz ' zu Hause . Wer aber waren