als Abschluß seiner Laufbahn . Aber nun komm , Edith , wir wollen die Herren nicht länger warten lassen . « Die Herren waren inzwischen auf der Terrasse zurückgeblieben und nahmen dort eine Neuigkeit in Empfang , die Ernst mitbrachte , und die doch einige Ueberraschung erregte . » Ich habe vorgestern einen Brief von Max erhalten , « sagte er . » Er teilt mir darin seine Verlobung mit . Die Anzeigen werden in diesen Tagen versandt . « » Hat er endlich eine erwischt – Gott sei Dank ! « rief der Major . » Reich wird sie natürlich sein , unter dem thut es der Maxl nicht , nun , dann bist du ihn wenigstens los mit seinen ewigen Geldforderungen ! « » Verlobt oder nicht , ich nehme keine Notiz mehr von ihm , « erklärte Treumann . » Weißt du etwas Näheres , Ernst ? « » Nur was Max selbst darüber schreibt . Er hat seine Braut in Karlsbad kennen gelernt , jung scheint sie nicht mehr zu sein , auch nicht sehr liebreizend , wie gewisse Andeutungen verraten . Reich ist sie allerdings , wie er mir mit großer Genugthuung meldet . Vielleicht kennst du die Dame , Arnold , sie lebt in Hannover und dort hast du ja vor vier Jahren noch gestanden . Es ist eine Frau Altringer . « » Die Altringer – Gott steh ' mir bei ! « rief Hartmut mit hellem Entsetzen . » Hat die den Maxl am Kragen ? Dann gnade ihm Gott , da muß er all seine Sünden abbüßen ! « » Du kennst sie also ? Es ist die Witwe eines früheren Gutsbesitzers . « » Ganz recht , sie sind durch Landspekulationen reich geworden und zogen dann nach der Stadt , aber man schlug drei Kreuze , wenn sie angefahren kamen . Das heißt er , der brave Altringer , war eigentlich unschädlich , er duckte nur vor seiner Frau Gemahlin . Das Kommando hatte sie , und sie plagte ihren Seligen Tag und Nacht , bis sie ihn glücklich unter die Erde gebracht hatte . Beiläufig ist sie etwa zwanzig Jahre älter als der Maxl . Halte dir die Schwägerin vom Leibe , Ernst , es ist der leibhaftige Satan ! « » Ich denke durchaus nicht daran , mit Max wieder anzuknüpfen , « sagte Ernst ruhig . » Wir sind uns sehr fremd geworden in den letzten Jahren , er kam und schrieb überhaupt nur noch , wenn er ein Anliegen hatte , und das kam allerdings häufig vor . « » Ja , er brauchte immer Geld , « fiel der Notar ein , » und du ließest dich immer erweichen . Ich , das weißt du , habe ihm nie verziehen , diesem Menschen , der mein Haus einem Neustädter ausliefern wollte und auf meinen baldigen Tod anstieß . « » Verzeihen Sie ihm , Onkel Treumann ! « sagte der Major feierlich . » Jetzt dürfen Sie es , denn wer die Altringer als Ehegemahl hat , der ist besorgt und aufgehoben ! Die kriegt auch den Maxl unter , der ist viel zu dumm , um sich zu wehren , und das Wehren hilft auch in diesem Falle nichts , überlassen wir ihn seinem Schicksale – er ruhe in Frieden ! « – Der nächste Morgen , verschleiert und nebelduftig , klärte sich bald zum vollen Sonnentage . Der Besuch in Heilsberg war auf den Nachmittag verschoben worden , weil Ernst und Edith erklärten , sie hatten noch eine kleine » Wallfahrt « in der Umgegend vor . Sie waren allein gegangen und standen nun wieder an dem Orte , wo sie sich vor vier Jahren zum erstenmal gesehen hatten , eine Begegnung , die über ihr Leben entschied . Der kleine Friedhof lag ebenso einsam und vergessen wie damals in seiner Waldesruhe . Was da draußen auch vorübergerauscht war an Kämpfen und Stürmen , an Glück und Weh , hier war es still geblieben . Die Toten hatten so friedlich geschlummert unter dem fallenden Laub des Herbstes und dem Schnee des Winters , wie sie jetzt schlummerten unter dem lichten Frühlingsgrün . Wieder lag der Sonnenschein auf den eingesunkenen Hügeln , den verwitterten Grabsteinen , und all das Blühen und Duften , das er geweckt hatte ringsum , wehte und webte jetzt um die Stätte der Toten . Aus den verfallenen Mauern des Waldkirchleins , unter den Holunderbüschen , klang der Amselschlag , das alte jubelnde Maienlied – es war alles wie damals . Nur für die beiden , die jetzt langsam durch das üppig wuchernde Riedgras schritten , war es anders geworden . Sie hatten sich freilich erst durchringen müssen durch schweren Kampf zu ihrem Lebensglück , und der eine , der damals so drohend zwischen ihnen stand , ruhte jetzt aus von Schuld und Leid , in seinem einsamen Grabe . Sie hatten von ihm gesprochen , das sah man an dem tiefen Ernst , der auf ihren Zügen lag , und an den Wimpern der jungen Frau hingen noch zwei Thränen , als sie mit verhaltener Stimme sagte : » Du ahnst nicht , Ernst , welchen furchtbaren Eindruck mir dieser letzte Gruß gemacht hat ! Es waren ja nur drei Worte : › Lebe wohl ! Felix . ‹ – Keine Erklärung , keine Bitte ! Ich hatte ihn ja von mir gejagt mit jenem entsetzlichen Worte . Und in seiner Todesstunde gab er dir das eigentliche Leben zurück mit seinem Geständnis , dir , der ihn gestürzt hatte ! Er konnte ja das Geheimnis mit sich in das Grab nehmen , und er belud sein Andenken auch noch mit diesem Vorwurf . Es war trotz alledem doch ein Zug von Größe in diesem Manne . « Zwischen Ernsts Brauen stand eine Falte , seine Entgegnung klang nicht hart , aber sie hatte auch nicht den Ton der Weichheit . » Ich trage keinen Haß mehr gegen den Toten