Ja , daran fehlt es nicht [ 204 ] und darüber klage ich auch nicht , aber es ist anders geworden zwischen uns , auch zwischen uns Beiden , Karl , ganz anders . Ihr seid Alle so fremd jetzt , so kalt und scheu , und manchmal kommt es mir vor , als fürchtetet Ihr mich nur noch und – weiter nichts . “ „ Nein , nein , Ulrich ! “ Lorenz erhob sich mit einer Heftigkeit gegen den Vorwurf , die beinahe vermuthen ließ , er habe das Rechte getroffen . „ Wir vertrauen Dir ganz , Dir allein . Was Du auch gethan hast , Du hast es für uns gethan , nicht für Dich ; das wissen sie Alle ; das vergißt Dir Keiner ! “ „ Was Du auch gethan hast , Du hast es für uns gethan ! “ das klang harmlos genug und konnte auch so gemeint sein , und dennoch schien ein verborgener Sinn in den Worten zu liegen , und Ulrich schien ihn herauszufühlen , denn er heftete das Auge mit durchbohrendem Ausdruck auf den Sprechenden . Dieser wich dem Blicke aus und sah zu Boden . Ich muß fort ! sagte er hastig . „ Ich werde Dir den Wilms herüberschicken . Du bleibst doch hier , daß er Dich sicher findet ? “ Ulrich gab keine Antwort . Die glühende Erregung der letzten Minuten war auf einmal wieder der tiefen Blässe gewichen , die sein Antlitz beim Eintreten gezeigt ; er neigte nur bejahend den Kopf und wendete sich zum Fenster . Der junge Bergmann verabschiedete sich von dem Schichtmeister und verließ die Stube ; Martha stand auf und ging mit ihm hinaus . Das Mädchen hatte während der ganzen Unterredung kein einziges Wort gesprochen , aber unverwandt die Männer beobachtet . Sie blieb ziemlich lange draußen ; indeß das konnte den Zurückbleibenden nicht auffallen . Sie wußten ja , daß ein angehendes Brautpaar manches miteinander zu flüstern hat , und sie schienen sich auch überhaupt nicht viel darum zu kümmern . Vater und Sohn waren allein , aber das Schweigen , das jetzt zwischen ihnen herrschte , war vielleicht noch beängstigender , als vorhin bei Ulrich ’ s Eintritt . Dieser stand noch am Fenster , die Stirne gegen die Scheiben gedrückt , und starrte hinaus , ohne irgend etwas zu sehen . Der Schichtmeister hatte seinen Platz nicht verlassen ; er saß noch immer am Tische , den Kopf in die Hand gestützt ; aber das Gesicht des alten Mannes war seltsam verändert seit den letzten Wochen . Gram- und sorgenvoll war es geworden ; die Furchen , die das Alter hinein gegraben , hatten sich noch vertieft , und das Auge blickte so matt und trübe , als sei all die frühere Rüstigkeit und Schlagfertigkeit , mit der er dem Sohne so manche derbe Strafpredigt gehalten , auf immer dahin . Still und gedrückt saß er da und machte keinen Versuch , das Gespräch wieder anzuknüpfen . Dieses Schweigen wurde endlich für Ulrich unerträglich , und er wandte sich mit einer hastigen Bewegung um . „ Und Du sagst gar nichts , Vater , zu der Nachricht , die Wilms uns bringt ? Ist Dir ’ s denn wirklich ganz gleich , ob wir siegen oder unterliegen ? “ Der Schichtmeister hob langsam den Kopf in die Höhe . „ Gleich ist mir ’ s nicht , aber freuen kann ich mich auch nicht , wenn Ihr nun wirklich mit Drohungen und Gewalt losbrecht . Wollen erst abwarten , wen es zuletzt trifft , die Herren oder uns ! Freilich , Du fragst nichts danach , Du hast Deinen Willen durchgesetzt ! Bist ja jetzt Herr und Gebieter auf den ganzen Werken . Zu Dir kommt Alles ; vor Dir bückt sich Alles ; Dir gehorcht Alles auf ’ s Wort – das war es ja , was Du von Anfang an gewollt hast , worauf das Ganze eigentlich angelegt war . “ „ Vater ! “ fuhr der junge Mann auf . „ Laß nur , laß ! “ sagte der Schichtmeister abwehrend , „ Du wirst mir ’ s nicht eingestehen und Dir selber auch nicht , aber es ist doch so . Sie sind Alle mit Dir gegangen , ich hab ’ s auch gethan , denn ich konnte am Ende nicht allein zurückbleiben . Sieh zu , wohin Du uns führst ! Du hast die Verantwortung . “ „ Habe ich etwa allein die Sache angefangen ? “ fragte Ulrich heftig . „ War ’ s nicht einstimmiger Beschluß , daß es anders werden müßte , und haben wir uns nicht das Wort gegeben , zusammenzustehen , bis es anders würde ? “ „ Wenn nicht bewilligt würde ! Nun ist aber Alles bewilligt , so gut wie Alles , denn was Euch abgeschlagen wurde , das sind nicht die Forderungen unserer Bergleute ; das hast Du erst hineingebracht , Ulrich , Du allein , und Du bist ’ s auch allein , der sie dabei festhält . Ohne Dich arbeiteten sie längst wieder , und wir hätten Ruhe und Frieden auf den Werken . “ Der junge Steiger warf trotzig den Kopf zurück . „ Nun ja , von mir ging ’ s aus , und ich rechne es mir wahrhaftig nicht zur Schande , daß ich weiter sehe und sorge , als die Anderen . Wenn sie zufrieden sind , daß ihnen das alte Elend etwas erträglicher gemacht , das Bischen Leben in den Schachten mehr gesichert wird – ich bin ’ s nicht zufrieden und die Muthigen unter uns sind ’ s auch nicht . Wir verlangen viel , das ist wahr , – wir wollen nahezu Alles , und wenn Berkow noch der Millionär wäre , für den ihn alle Welt hält , er würde sich hüten , sich so in unsere Hände zu geben . Er ist ’ s aber nicht mehr und auf unseren Händen