, die Sie doch so tief verachten , lieber Kollege . Warum überhaupt von Konkurrenz sprechen in der Wissenschaft ? Überlassen Sie dies engherzige Wort der Industrie , die auf einem wirklichen begrenz ­ ten Boden steht . In ein so abstraktes und unendliches Gebiet , wie die Wissenschaft , sollte der persönliche Neid und Hochmut nicht hinüber spielen . Machen wir uns Konkurrenz , wenn wir im Schweiße unseres Angesichtes für eine Sache arbeiten , die der ganzen Welt zu Gute kommt ? Wahrlich , wer einen anderen Lohn fordert als den , welchen die Erkenntnis in sich selbst birgt — der ist kein Priester der Wissenschaft ! Der echte Gelehrte ist nur für die Wissenschaft da , nicht sie für ihn ; er freut sich jeden Fortschrittes , sei er bewirkt , durch wen er wolle , denn die Ehre der Sache , der er dient , ist auch seine Ehre , und wir dürfen mit Recht sagen , wir arbeiten „ Einer für Alle und Alle für Einen . “ — Wenn sich daher ein paar Hände bieten , die unsere Mühe teilen wollen — so sollen wir sie nicht zurückweisen , weil es ein paar zarte weiche Frauenhände sind , sondern wir sollen sie freundlich auf ­ nehmen und ihnen ein bescheidenes Plätzchen anweisen , wo sie so viel fördern helfen , als in ihren Kräften steht ! “ „ Ach was “ — rief Moritz , „ solche Hände sollen etwas für uns tun , was wir nicht selbst können , z. B. Strümpfe stricken , das nützt uns mehr , als wenn sie uns bei etwas helfen wollen , was wir ohne ­ hin zu Stande bringen . “ „ Lieber junger Freund “ , sagte Heim lächelnd , „ der Bau der Wissenschaft ist groß , sehr groß — und ich denke , weder wir , noch unsere Nachkommen werden ihn vollenden , wie Viele ihrer auch seien ! “ „ Ich glaube , meine Herren “ , sagte der Philosoph Taun in seiner milden vergeistigten Redeweise , „ es gibt hier nur zwei Gesichtspunkte , über die wir uns zu einigen haben . Entweder wir machen unsere Ent ­ scheidung von dem Leistungsvermögen der Dame abhängig , dann haben wir vor allen Dingen die vor ­ liegende Schrift gewissenhaft zu prüfen ; oder wir stellen das Prinzip auf , ein für allemal keine Frau an unserer Universität zu promovieren — dann kommt die Fähigkeit oder Unfähigkeit derselben gar nicht in Betracht . Lassen Sie uns daher vorerst über diese beiden Punkte abstimmen . “ „ Das ist wahr , Taun hat Recht , “ rief Heim , „ ich stimme für Aufnahme genialer Frauen , wie diese . “ „ Ich nicht — weil ich überhaupt bestreite , daß es , geniale Frauen ‘ gibt ! “ erwiderte Herbert . „ Ich meinesteils bin nicht grundsätzlich da ­ gegen , “ sagte Taun , „ eine Dame bei uns hören zu lassen — und wäre ich es sogar gewesen , so würde mich die Originalität der Hartwich ’ schen Schrift um ­ gestimmt haben . Ich weiß nicht , welchen Wert der physiologische Teil derselben hat , darüber muß unser verehrter Kollege Möllner entscheiden , aber den natur ­ philosophischen Gedanken , der ihr zu Grunde liegt , finde ich anregend — und das ist mehr , als man von einem Laien fordern kann . “ „ Ich bin prinzipiell gegen jede Frauenemanzipation “ , rief Moritz , „ weil ich unsere soziale Ord ­ nung , so wie sie ist , als die allein vernünftige er ­ kenne und sie nicht verrücken lassen will . “ „ Ich stimme für die Hartwich , “ sagte der junge Hilsborn , „ unsere soziale Ordnung wird durch einen solchen Ausnahmefall nicht verrückt , die Hartwich wird nicht gleich Scharen von Nachahmerinnen finden , aus dem einfachen Grunde , weil sie ein außergewöhnliches Talent ist . Ich sage , wir haben kein Recht , einem solchen Talente die Mittel zu seiner Entwicklung zu verweigern , weil es zufällig in dem Kopfe einer Frau statt eines Mannes steckt ! Ein großer Geist fordert große Nahrung und es ist eine Grausamkeit , wenn wir ihm dieselbe aus moralischem Brotneid vorent ­ halten und ihm zumuten , in den kleinlichen Alltags ­ beschäftigungen der Frauen unterzugehen . “ „ Hilsborn hat nicht Unrecht “ , meinte Meibert , „ aber kann denn ein solcher Geist seinen Wissensdurst nicht auch in anderer Weise stillen , als auf der Uni ­ versität ? Die Dame hat es ja schon in der vor ­ liegenden Abhandlung bewiesen , daß sie auch außer ­ halb des Hörsaales etwas gelernt hat . Wozu braucht sie denn gerade die Doktorwürde ? Das ist doch nur eine Eitelkeit und es wäre eine Blamage für uns , wollten wir uns dazu hergeben , solche Torheiten zu unterstützen . “ „ Der Ansicht bin ich auch , “ fügte Berk hinzu . Doch Hilsborn beruhigte sich noch nicht : „ Daß eine Frau , die das Leistungsvermögen eines Mannes in sich fühlt , auch männliche Würden beansprucht , finde ich sehr natürlich und daß sie die Wissenschaft nicht zur Unterhaltung , sondern als ihren ausschließ ­ lichen Lebensberuf betreiben will , ist ein Beweis , wie tief sie von dem Ernst und der Größe derselben durchdrungen ist ; wahrlich das ist etwas anderes als Frauen ­ eitelkeit , die sich geistig und körperlich nur schmückt , um zu gefallen . “ „ Du bist ein tapferer Ritter , Hilsborn , “ sagte Möllner und reichte dem jungen Manne die Hand . „ So wären wir denn nur Drei gegen Vier und es fehlt noch Möllner , “ sprach der alte Heim . „ Stimmt er für die Hartwich , so würde keine Ma ­ jorität erzielt , deshalb denke ich , wir lassen ihn in jedem Fall den Ausschlag geben , da er als Physiolog allein