aus der Vergangenheit tönte ihm entgegen das alte Lied von der Liebe , Leid und Klage . Einmal schritt Heinz von Kerkow , die Büchse über die Schulter gehängt , wieder durch den stillen Wald . Rehe und Hirsche brauchten ihn nicht zu fürchten , denn der Jäger jagte den Bildern nach , die seine Phantasie ihm vorwob . Er setzte sich nieder im Schatten eines Baumes und schrieb in sein Notizbuch ein Gedicht , in dem er sein Innerstes enthüllte . Es blieb nicht bei dem einen Gedicht . Heinz gefiel sich in diesen poetischen Klagen , bald war ihm der Rahmen eines Gedichts zu eng , er begann , Erzählungen zu schreiben , ergreifende Begebenheiten zu gestalten auf den Schlössern und Burgen , auf den Bergen und Thälern , die er so genau kannte , halb Wahrheit , halb Dichtung war darin enthalten . Rascher als er dachte , wuchsen diese Skizzen zu einem Bändchen an , in dem er gern las und an dem er gern feilte , „ Verklungenes Leid “ nannte er das Buch , das ihm lieb und teuer geworden . Hede erfuhr nichts davon , sie war mit ihren hauswirtschaftlichen Pflichten so beschäftigt , er wollte auch dem fleißigen Mädchen mit solchen Enthüllungen nicht kommen , die praktische Hede arbeitete und er trieb brotlose Künste . Das sagte er sich selbst . Und Toni ? Toni hatte keinen Sinn für derartige Sachen . Hin und wieder hatte sie einen leichtgeschürzten französischen Roman aus der Bibliothek verlangt , und als der knappe Vorrat an solchen Büchern bald erschöpft war , kümmerte sie sich nicht mehr um die Bibliothek und nannte ihren Mann spöttisch einen Bücherwurm . p Inzwischen war der kleine Heini zur Welt gekommen . Die Geburt des Kindes machte Heinz glückselig . An der Wiege bei dem schlafenden Kleinen sitzend , schmiedete er Pläne , wie er den Buben erziehen wollte , viel besser als er erzogen worden , ohne Vorurteile – ein Mann sollte er werden , der überall , wo er einst zu stehen berufen sei , den Platz ausfüllte . Sein ganzes Leben und Streben wollte er ausnutzen für das Kind ! Aber vorläufig war das noch nicht soweit , um erzogen zu werden , es schlief gar so viel . Und nun kaufte sich Heinz auf Teilzahlung einen photographischen Apparat . Das war damals , als der kleine Bursche eben anfing , aufrecht zu sitzen und unverständliche Laute von sich zu geben . Heinz richtete sich in irgend einem leeren Winkel eine Dunkelkammer ein und machte oft an einem Tage so und so viel Aufnahmen des Kindes , und immer des Kindes – mit nacktem Hals und bloßen Aermchen im weißen pelzverbrämten Mäntelchen , auf der vorzeitig angeschafften Schaukelpferdchen , von der Wärterin festgehalten neben dem Leonberger , auf dem Schoß der Mutter und allein in einem Riesenfauteuil . Dann war es so köstlich , wie das Bürschchen wuchs , wie es die ersten Schrittchen that , wie es , Papa ! ’ sagte zum erstenmal . – In dieser Zeit war Heinz beinahe glücklich . Und dann kam das Schreckliche ! Der Apparat wurde in die Ecke gestellt , der kleine Krüppel konnte ja nicht photographiert werden . Dieser Tag war der entsetzlichste in Heinz Kerkows Leben gewesen . Der Tag , an dem das Kind verunglückte ! Es konnte kein schlimmerer mehr kommen . – Im vorigen Sommer , an einem furchtbar heißen Augustnachmittage war es gewesen , als Toni , trotz seines Abratens , nach Schloß Arnstein zur Gräfin Arnstein fuhr . Kutscher und Diener hatten mißmutige Gesichter gemacht , ersterer sogar gewagt , von einem schweren Gewitter zu sprechen , das offenbar drohe . Aber Toni hatte gewollt . Diesmal redete sogar Tante Gruber ab – vergeblich . Toni , die sonst so leicht unter Temperaturextremen litt , schien heute , wo alle anderen Menschen unfähig waren , sich zu rühren , völlig normal und kam im hellen Sommerkleid , das trippelnde Kind an der Hand , die Treppe herab , just als Heinz sich vergewissert hatte , daß des heranziehenden Unwetters wegen die Fenster allenthalben durch Läden geschützt seien . „ Du willst doch fahren , Toni ? “ „ Wie du siehst . Das Gewitter kommt erst heute abend , ich fühle es genau . “ „ Aber der Junge bleibt hier , “ hatte er gefordert . „ Nein , er kommt mit , er freut sich schon so – nicht wahr , Heini , Hotto fahren ? “ „ Du bleibst bei Papa Heini ! “ Ein furchtbares Gebrüll antwortete ihm , wie er es von dem Kinde noch nie gehört . Die Jungfer bemerkte : „ Das macht die Gewitterluft , er weinte schon immerzu heute , weiß selbst nicht , was er will . Na , sei doch nur gut , sollst ja mit ! “ Und sie war , das Kind auf dem Arm , der Mutter gefolgt . Heinz trat allein in sein Zimmer . Er hätte ja können seine Gewalt geltend machen , aber ihm graute vor den Scenen , bei denen sich Frau Toni wie wahnsinnig zu gebärden pflegte , ihn immer wieder anklagte als den schrecklichsten Pedanten , der allein schuld sei , daß ihre Jugend so verkümmerte . Hätte er sie geliebt , so würde er wohl irgend welche Erziehungsversuche gemacht haben – so war es ihm einfach ekelhaft , er vermied lieber in einer Art Feigheit , die Scenen hervorzurufen . Jeder Todesgefahr , jeder Unannehmlichkeit großen Stils , jeder schweren Sorge hätte er mutig ins Auge gesehen , dem Gekreische der halb unzurechnungsfähigen Frau wich er aus . Jeden Tag fast machte er sich Vorwürfe über diese Feigheit , und würde sie sich machen bis an sein Lebensende , das wußte er . Ach , so deutlich erinnerte er sich noch an jede Kleinigkeit dieses Tages , der Unruhe , die ihn folterte , daß er von einem Fenster zum