seinem Ephorus hart vergriffen habe « . Das Wort » vergriffen « hatte für meine zwölfjährige Knabeneinbildungskraft etwas ganz besonders Schauerliches . Ich muß bei diesem Manne noch einen Augenblick verweilen , weil sich mir einige » kunsthistorische Bemerkungen « dabei aufdrängen und weil an einer Erscheinung , wie die seinige , der außerordentliche Unterschied zwischen jetzt und damals zutage tritt . Wird alles Gewicht auf das Autoritative gelegt , so haben wir seitdem offenbare Rückschritte gemacht , soll aber andrerseits von gesundem Sinn , von Schönheit und Freiheit die Rede sein , von jener hohen Freiheit , die doch bei allem Lernen und Wissen immer die Hauptsache bleibt und ohne die die ganze Bekanntschaft mit Plato keine Viertelmetze Kirschen wert ist , so haben wir nicht nur Fortschritte gemacht , sondern existiert überhaupt gar keine Verbindung mehr zwischen damals und heute . Thormeyer galt als ein geistreicher Mann . Möglich , daß er es auf seine Weise war , aber diese Weise war derart , daß uns alles , was er sprach oder schrieb , nur wie Bombast oder ein hochgestelzter Gallimathias berührt . Ein paar Beispiele . » Was für positive und negative Beschlüsse ein Schuldirektor zu fassen hat « schreibt er » hängt nicht von ihm und a priori ab – da weder das Dasein Friedrichs des Großen noch dessen Siebenjähriger Krieg sich a priori beweisen läßt – sondern es hängt von dem Besondersten der Zeit und des Ortes ab . « Dieser Satz , der sich durch einen mindestens kühn gewählten Vergleich auszeichnet – denn zwischen der Vorwegbeurteilung eines zwar erst kommenden , aber doch unter allen Umständen einem bereits existierenden Gesetz unterworfenen Falles und dem Vorwegbeweis eines noch erst in der Zukunft ruhenden Menschendaseins , ist ein gewaltiger Unterschied – bietet all seiner Kühnheit unerachtet nur einen Vorgeschmack dessen , was Thormeyer zu leisten imstande war . Voller , gründlicher haben wir ihn in seinen Büchern , beispielsweis in seinem » Erbauungsbuch für studierende Jünglinge « . Darin befindet sich folgende Betrachtung über die Hände . » Die Hände sind an demjenigen Ort befestigt , wo sie alle ihre Geschäfte auf das geschickteste , beste und leichteste verrichten können . Denn hätten sie ihre Stellung hinten erhalten , so könnten ihnen , bei der übrigen jetzigen Beschaffenheit des Leibes , die Augen nicht zustatten kommen , befände sich aber die eine Hand hinten und die andere vorn , so könnten sie einander nicht Hilfe leisten . « So Thormeyer . Welche » Erbauung « muß dem dürstenden Jüngling aus diesem Erbauungsbuche geflossen sein ! Zu dem Behufe versenkte man sich in Anthropologie und Psychologie , das waren die Früchte , die am Baume höherer Erkenntnis wuchsen . Entsprechend dem allen war der Grad sittlicher Freiheit und stolzer Unabhängigkeit im Leben des Mannes selbst . Ein Donnerer in den Klassen , erwies er sich als » devotest , ersterbend « jeder vorgesetzten Behörde gegenüber , diese mochte sein was und wie sie wollte . Thormeyer schied 1834 aus . Mit diesem Ausscheiden begannen andere bessere Zustände . Was am Ideal noch fehlen mochte , war zum Teil die Nachwirkung voraufgegangener Zeiten . Starke kam , von dem am Jubelfeste 1865 einer seiner Schüler , Geheimer Rat von Quast , sagen durfte : » Nie hat ein anderer Lehrer , auch der berühmtesten keiner , ähnlich ergreifend und bestimmend auf mich eingewirkt . « Dann folgte W. Schwartz , ein Mann von seltener organisatorischer Kraft , eine Autorität auf dem Gebiete märkischer Sage und Geschichte , dessen segensreichem Wirken die Anstalt unter anderm die Aufstellung und Zugänglichmachung eines ihrer größten Schätze verdankt . Dieser Schatz ist : Das Zietenmuseum . Das Zietenmuseum entstand aus einer reichhaltigen Sammlung naturhistorischer , ethnographischer , namentlich aber vaterländischer Altertümer , die , vom verstorbenen Grafen Zieten auf Wustrau begonnen , schon Anfang der fünfziger Jahre , nach testamentlicher Verfügung , an das Ruppiner Gymnasium übergegangen war . Die Verhältnisse gestatteten nicht gleich eine paßliche Aufstellung . Erst bei Gelegenheit der fünfhundertjährigen Jubelfeier ermöglichte sich dies , und zwar in der Aula des Gymnasiums . Dem Stifter zu Ehren erhielt das Ganze den mehr erwähnten Namen : Zietenmuseum . Eben dieses , inzwischen durch mannigfache Schenkungen bereichert , gliedert sich jetzt in drei Abteilungen , in : 1. eine Bildergalerie , 2. ein ethnographisches und Naturalienkabinett und 3. eine Kollektion vaterländischer Altertümer . Über die zweite Abteilung geh ' ich hinweg . Nur über 1 und 3 einige Worte . Die Porträtgalerie umfaßt die Bildnisse berühmter Männer aus Stadt und Land Ruppin , und zwar : des alten Zieten ( Geschenk des Grafen von Zieten-Schwerin auf Wustrau ) , des Feldmarschalls von dem Knesebeck ( Geschenk seines Sohnes , des Majors von dem Knesebeck auf Karwe ) , des Generalleutnants von Günther ( Geschenk der Familie Ebel ) , des Generals von Wahlen-Jürgaß ( Geschenk seines Großneffen , des Herrn Adalbert von Rohr ) , und endlich des berühmtesten Sohnes der Stadt , Karl Friedrich Schinkels . Die drei ersten , Zieten , Knesebeck , Günther , sind Brustbilder in Öl , lebensgroß ; Wahlen-Jürgaß eine höchst vorzüglich in Blei und schwarzer Tusche ausgeführte Zeichnung ; Schinkel ist Büste . Bei jeder Versammlung in der Aula sieht sich der Schüler von den Bildnissen derer umgeben , denen er nacheifern soll in Treue und Mut , in Wahrheit und Schönheit . Daß diese Vorbilder nicht bloß Vorbilder überhaupt , sondern zugleich auch speziellste Heimatsgenossen sind , steigert den Sporn , den sie geben und dadurch ihren Wert und ihre Bedeutung . 34 Die Sammlung vaterländischer Altertümer , in Schränken und Glaskästen aufbewahrt , umfaßt etwa zweihundert Nummern , wovon hundert auf das Stein-und hundert andere auf das Bronzezeitalter kommen . Was die erstere Hälfte , also die dem Steinzeitalter zugehörigen Gegenstände angeht , so scheint mir die Bedeutung derselben nur eine durchschnittliche zu sein . Eine Ausnahme machen wohl nur diejenigen Nummern – sechs an der Zahl – die unfertig gebliebene Waffen und