. Vier Kirchentürme haben ihre Spitzen verloren . Die empörte Windsbraut stürzte heulend in die Vorhalle des Domes , allwo Ereignisse des Alten und Neuen Testamentes abgebildet sind , riß den Klugen Jungfrauen die Lampen aus der Hand und zerschmetterte sie . Das sahen die Leute nicht mit Unrecht als eine Warnung drohenden Unglückes an . Auch andere schlimme Fürzeichen sind geschehen . Ende März haben die Bauern des Dorfes Krakau , so Magdeburg genüber an der Elbe gelegen , etwas Seltsames beobachtet . Auf dem Kirchendache befand sich von altersher ein Storchennest , drin stund mit fröhlichem Klappern der heimische Storch nebst seiner Störchin . Auf einmal schoß ein fremder Storch heran , den Schnabel als einen Spieß gerecket . Da gab es ein grimmig Scharmützel zwischen dem heimischen und dem fremden Storche . Die Störchin aber sahe untätig zu , schwenkete nur etlichemal die Fittige und klapperte mit dem Schnabel . Schließlich fiel der heimische Storch blutend vom Dach zur Erde nieder . Obwohl nun der fremde das Feld behalten , flog er doch hinweg , begleitet von der Störchin . Hinfüro haben sich keine Störche blicken lassen , und öde ist das Nest geblieben - woraus manche Leute den Schluß zogen , daß es selbigen Ortes bald schlimm hergehen werde . Es war Tillys Plan , unsere Außenwerke jenseits der Elbe einzunehmen , um das dorten erwartete Entsatzheer des Schwedenkönigs von der Elbbrücke abzuschneiden . So ist Anfang Aprilis kaiserisch Volk von Pechau herangezogen und zwischen unsere feste Stellung in der Kreuzhorst und die Schanze bei Prester ins Holz vorgedrungen . Hat Verhaue angelegt , Karthaunen und Stücke hineingepflanzet und unsern Schanzen , zumeist aus losem Sande erbaut , die Contenance verdorben , daß sie sich nicht halten konnten . Ergrimmt , weil man ihnen so heiße Arbeit gemacht , haben die Kaiserischen auf ihre Gefangenen eingehauen . Doch Einhalt hat General Tilly geboten , hat die noch Lebenden begnadigt und seiner Fahne untergestellt , einen heldenmütigen Leutnant aber gelobt und frei nach Magdeburg entlassen . Zugleich mit diesem andern Leonidas langte in Magdeburg noch ein zweiter Truppenrest an . Ein Kahn trieb die Elbe herunter , ohne Ruder , er enthielt viele Tote , Verwundete und nur drei Heile . Das war alles , was aus einem unserer Hauptwerke , der Kreuzhorstschanze mit dem übermütigen Namen » Trutz-Tilly « , zurücke kehrte . Während die übrige Besatzung sich dem Angreifer auf Gnade oder Ungnade ergeben hatte , waren diese Flüchtlinge in den Kahn gesprungen und durch Abstoßen mit den Musketen in die Strömung gelangt , dabei aber von vielen Schüssen übel zugerichtet worden . Gleich nach der Einnahme von » Trutz-Tilly « durch Tilly machte sich Pappenheim an die bei Prester gelegene Schanze » Trutz-Pappenheim « , warf eine Batterie auf und ließ schwer Geschütz sattsam spielen . Hierauf ist er mit stürmender Hand vorgegangen , hat aber wegen vieler Pfähle mit Dornen , so wir ringsum eingeschlagen hatten , wieder weichen müssen . Da die Unseren vermerketen , daß man sie von der Stadt abschneiden wolle , so haben sie sich Hals über Kopf aus dem Staube gemacht . Leider sind auf dieser Flucht viele von den Verfolgern niedergemacht und in die Elbe geworfen worden , damit sie als Leichen gen Magdeburg schwimmen sollten , den Bürgern ein bitter höhnischer Gruß vom Feinde . Auch den befestigten Kirchturm des Dorfes Krakau - denselbigen , wo die ominöse Storchenbegebenheit sich zugetragen - hat Tilly also heftig beschossen , daß unsere Besatzung flüchten gemußt . Unser Herr Falkenberg hat jetzo seine ganze Außenmacht auf das Zollwerk , den Brückenkopf jenseits der Elbe , beschränkt und es mit gedoppeltem Wall und Graben umzogen . Dieweil nun Tilly diese Beste mit Sturm nicht anfallen gemocht , so hat er sich zur Geduld bequemt und von Krakau her Trancheen gezogen , willens , der Zollbesatzung den Rückzug über die Elbbrücke zu verlegen . Da bis zum 19. Aprilis die Nebenwerke der Zollveste und sogar die Schanzen zum Roten Hagen gefallen waren , so ließ Tilly an diesem Tage einen Angriff unternehmen . Ein garstig Wetter jedoch hinderte ihn . Es wehete heftig , kalt strömte der Regen , die Laufgräben fülleten sich mit Wasser , das Pulver ward naß , die Soldateska mochte nicht ausdauern . So verschob Tilly den Sturm auf die Frühe des andern Tages . Doch wie im Morgengrauen seine Truppen sich zum heißen Strauße anschickten , gewahrten sie mit Verwundernis , daß in der Schanze alles stille . Kein Schuß ward getan , kein Kommando laut , keine Waffe blitzte . Die Unserigen hatten nämlich über Nacht die Zollschanze geräumt . Schweren Herzens hatte sich Falkenberg dazu bequemt . Des Nachts , da ich ihm eine Meldung überbrachte , saß er in der Faussebraye mit dampfenden Kleidern am Feuer , düstern Gesichts . » Korporal Tielsch , « - sprach er dumpf - » ist Er nicht auch ein Stück Chymiste ? Verstehet Er sich auf die Bereitung von Pulver ? Arg gebricht es uns daran . Mit der Schanze Trutz-Kaiser habe ich zehn Tonnen Pulver verloren , und das gänzlich umsonst . Habe damit den Eroberer in die Luft sprengen wollen ; doch ist die angelegte Miene nicht losgegangen ; die Zündfäden sind in dem Sauwetter feucht worden . Das allerschlimmste aber ist , daß die Magdeburger sich und mich getäuscht haben über den Umfang ihrer Munition . Wie ich um Weihnachten die Magazine inspiziert habe , sind da Pulvertonnen genung gelegen . Jetzo aber stellet sich heraus , daß dreihundertundfünfzig Tonnen nicht Pulver , sondern ungemahlenen Salpeter enthalten . Dieweil nun der Herr Administrator ganz unsinnig mit den städtischen Kartaunen gebummert hat , gebricht uns auf einmal das Pulver , in einem Momente , da wir ' s am nötigsten brauchen . Denn behaupten ließe sich die Zollschanze nur , wofern wir mit allem Geschütz feuern , rasend feuern könnten . So muß ich dies kostbare Außenwerk preisgeben - kann nicht einmal Minen legen