; auch die , welche hernach auf dem Schulleranwesen hausten . Den Kindern von seinem ältesten Buben wurde die Lüge erzählt , noch abscheulicher aufgetragen wie jetzt . Denn jeder mußte denken , wenn es sogar der Pfarrer ins Kirchenbuch gesetzt hatte , mußte es das Ärgste gewesen sein . Keiner wußte etwas von ihm . Daß er als ehrengeachteter Mann lange Zeit den Hof regiert hatte . Keiner wußte etwas vom Baustätter und von seinem Hasse . Nur das Geschriebene galt . Wie hätten sie später die Wahrheit finden sollen , wenn er sie selber mit allen Mühen nicht herstellen konnte ? Acht Tage war er herumgelaufen von Pontius zu Pilatus und hatte gemeint , er müsse sein Recht kriegen . Er war Im Amtsgerichte und brachte seine Sache vor . Kroiß ließ ihn kaum zu Ende reden und fertigte ihn kurz ab . Was das für ein Prozeß sei , wenn er nicht einmal wisse , gegen wen er klagen wolle ? Und was das Gericht mit dem Kirchenbuch zu tun hätte ? Oder mit den Aufschreibungen eines Verstorbenen ? Jetzt fuhr der Schuller nach München und ging zum Landgericht . Die sagten ihm , wenn er wirklich klagen wolle , müsse er ' s in Nußbach tun ; sie hätten gar nichts damit zu schaffen . Er solle doch einen Advokaten nehmen . Und er ging zu einem Advokaten . Der lächelte etwas ungläubig . Was das wieder für eine Geschichte war ! Aber er hörte doch aufmerksam zu und fragte dazwischen . » Und Sie haben Ihren Vater nicht geschlagen ? « » Na . « » Ist alles erfunden ? Und kein Wort wahr ? « » Koa Wort is wahr , Herr Dokta ! « Der Advokat lächelte wieder . Ja , ja , Bauern sind Spitzbuben . Wenn sie ihren Advokaten anlügen , meinen sie , wie schlau sie sind . Und dann sagte er : » Da wirst nicht viel machen können , Schuller . Der jetzige Pfarrer red ' t sich auf den alten aus , den alten kannst nicht verklagen , weil er tot is . Wenn du gegen die andern klagst , sagen sie , daß sie bloß gesagt haben , was geschrieben steht . Und bringst du Zeugen , was können die bestätigen ? Höchstens , daß sie nie was gesehen haben . Deswegen ist nicht gesagt , daß der Pfarrer Held oder der jetzige gelogen hat . Ich glaub ' dir ja alles , aber das Gericht is nicht so vertrauensvoll . Die Herren sagen : Ja , der hat halt niemand zuschauen lassen . Sehr einfach . « Und der Advokat patschte die Handflächen ineinander . Dann merkte er doch , wie sein Reden dem Manne zu Herzen ging . » Ich tät ' dir gern helfen , Schuller , « setzte er hinzu . » Aber mit einer Klag ' is da nicht viel zu machen . Eines könnten wir probieren . Beschwer dich beim Ordinariat ! Das wär ' noch ein Mittel . Da gehst du hin und erzählst den Fall wie mir . Die Herren verderben es jetzt nicht gern mit den Bauern . Es kann sein , daß sie euern Pfarrer zu einer friedlichen Lösung anhalten . « Und dann ging der Schuller die Stiege hinunter und ging mit seinen Kümmernissen und seinem Zorn über breite Plätze und durch enge Gassen , bis er vor der Wohnung des Domkapitulars Späth angelangt war . An den hatte ihn der Advokat gewiesen . Ein altes Fräulein öffnete ihm und sagte , der hochwürdigste Herr Bruder sei nicht zu Hause , aber in einer halben Stunde komme er . Der Schuller fragte , ob er nicht warten dürfe , und als es ihm erlaubt wurde , setzte er sich auf eine kleine Bank , die im Hausgange stand . Eine Stunde verging , und der Herr Domkapitular kam noch immer nicht . Von Zeit zu Zeit streckte das Fräulein den Kopf zu einer Türe heraus und überzeugte sich , daß der fremde Bauersmann noch immer da war . Der saß geduldig und regungslos auf seinem Platze . Das Warten wurde ihm nicht lang , denn er hatte Gedanken genug , die ihn beschäftigten . Endlich klangen Schritte die Treppe herauf und näherten sich der Wohnungstüre . Ein alter Geistlicher trat ein , und wie er den Schuller sitzen sah , fragte er ihn nach seinem Begehren . Er hatte ein kluges , freundliches Gesicht , und der Schuller fing mit größerem Vertrauen seine Erzählung an . Da hieß ihn der alte Herr in sein Zimmer eintreten und Platz nehmen . Und hörte ihn aufmerksam an . Der Schuller erzählte seine Geschichte etwas weitläufig , mit vielen Nebensächlichkeiten . Weil der Advokat ihm so wenig Hoffnung gemacht hatte , wollte er jetzt alles recht verständlich vorbringen und nichts weglassen . Der Geistliche schüttelte manchmal den Kopf und sah den Mann mit prüfenden Blicken an . Aber er unterbrach ihn nicht . Er schwieg auch noch eine Weile , als der Schuller fertig war . Gewiß bildete er sich nicht ein festes Urteil über die ganze Sache , aber das eine sah er klar , daß hier wieder einmal Übereifer und falsche Auffassung von priesterlicher Würde Unheil angerichtet hatten . Er konnte nicht Partei nehmen für den Mann ; vielleicht hatte er sich durch eigenes Verschulden den Unwillen seiner Pfarrer zugezogen , aber auch dann war es töricht , wenn diese ihr persönliches Empfinden so stark geltend machten und in öffentliche Angelegenheiten eingriffen . Solche Dinge waren schuld , daß jetzt der bäuerliche Stand seinen Priestern entfremdet wurde . Die verloren immer mehr die Fähigkeit , Maß zu halten und eine versöhnende Stellung einzunehmen . Das Schlimmste bei solchen Vorkommnissen war , daß man sie selten gut machen konnte . Diese Herren wagten sich gewöhnlich so weit vor , daß ein Zurückgehen das Ansehen des Standes gefährdete . Herr Doktor Späth schüttelte unwillig den Kopf . »