hinüber nach dem Gemäuer , wo wir den Brunnen vermuteten . Er war es allerdings . Ein oben festgebundenes Seil aus Dattelfasern führte hinab ; ein Ledereimer , mit einem Steine beschwert , hing daran . So und nicht anders war wohl auch der Brunnen beschaffen , aus welchem einst Rebekka dem Oberhirten Abrahams und seinen Kamelen Wasser schöpfte . An gewissen Einrichtungen und Gebräuchen des Orientes können Jahrtausende vorübergehen , ohne das geringste zu ändern . In der Nähe des Brunnens war , Ekel erregend gegen den Felsen geworfen , das Gescheide98 von zwei Gazellen zu sehen , und dort , von Westen her , kam eine sehr breite , noch junge Reiterspur aus der Wüste herbei . Es war ein wahres Wunder , daß sich in der ganzen Umgegend kein einziger Geier zeigte , sonst wären die Ueberreste dieser beiden Tiere längst verschwunden gewesen . Mir aber kam , sobald ich sie sah , sofort die Klarheit , die mir bis jetzt gefehlt hatte . » Schau dies Gescheide und sieh diese Spuren ! « sagte ich zu Kara . » Sie teilen mir das mit , was ich vorhin so gern wissen wollte . Die Beni Khalid haben , während sie hier lagerten , die Gazellen gesehen und sind , von der Jagdlust gepackt , alle fortgeritten , ohne daß ein einziger von ihnen hier blieb . Inzwischen kamen die Mekkaner an , welche schwach und müde waren und also nicht weiterkonnten , sondern hier bleiben mußten , obgleich sie sahen , daß der Platz schon von Beduinen besetzt sei . Da lag nichts näher , als daß sie versuchten , vor allen Dingen ihren kostbaren Raub in Sicherheit zu bringen , denn mochten diese Beduinen ihnen befreundet oder nicht befreundet sein , Gegenstände von solchem Werte wirken , wenn sie zufällig entdeckt werden , überall verführerisch , diese hier wahrscheinlich sogar verräterisch . Während El Ghani darum hier unten herum nach einem bequemen und zugleich zuverlässigen Verstecke vergeblich suchte , sah er die Beni Khalid zurückkehren . Nun galt es die höchste Eile . Da unten kein Ort zu finden war , richtete sich sein hilfesuchender Blick nach der Höhe des Felsens , welcher dem Brunnen am fernsten lag und darum wahrscheinlich am wenigsten beachtet wurde . Er packte die Sachen schnell in den Sidschdschadi , eilte hin und stieg mit Hilfe seines Sohnes , dessen Fußspitzeneindrücke wir noch sahen , hinauf , um sie dort zu verbergen . Er konnte die Stelle nur flüchtig mit Steinen zudecken , denn er mußte eher wieder herunter , als die Beduinen so nahe herankamen , daß sie sehen konnten , wo er sich befand und was er da zu thun hatte . Zu seiner Freude erkannte er in ihnen befreundete Leute , hütete sich aber doch , ihnen von dem Pakete etwas zu sagen , denn von gestohlenen Sachen spricht man , außer wenn sie Mitschuldige sind , selbst zu den besten Bekannten oder den nächsten Verwandten nicht . Später sah er den Perser mit den Soldaten kommen und war nun doppelt froh darüber , daß er die gestohlenen Gegenstände versteht hatte , denn er konnte nun sich und seine Begleiter getrost aussuchen lassen und dadurch , daß man nichts fand , beweisen , daß er und sie unschuldig seien . Ja , er konnte noch mehr , nämlich seinen Verfolger dadurch verderben , daß er ihn , den von den Beduinen grimmig gehaßten und verachteten Schiiten , beschuldigte , ihm nur aus Glaubensfeindschaft nachgeritten zu sein , um ihn , den Liebling des Oberhauptes der Sunniten , zu überfallen und zu töten . Wenn es ihm gelang , die Beni Khalid hiervon zu überzeugen , so war der Perser unbedingt verloren . Daß es ihm gelungen ist , haben wir gehört , denn dem Oberaufseher des Kanz el A ' da sind die Adern geöffnet worden , damit er sich verbluten möge . « » So ist es , Effendi , ja , so , ganz genau so ist es ! Ich freilich wäre nicht auf diese sich wie von selbst ergebenden Gedanken gekommen , deren Zusammenhang gar nicht zu zerreißen ist . Die Mekkaner haben natürlich die Absicht , die Sachen heimlich zu holen , ehe sie den Brunnen verlassen . « » Ja . Eben darum nahm ich sie nicht mit , sondern ließ sie liegen , um beweisen zu können , daß der Liebling des Großscherifs den Schatz der Glieder wirklich bestohlen hat . Wenn ich bemerke , daß die Zeit dazu gekommen ist , steige ich , natürlich ohne daß er es ahnt , mit Scheik Tawil Ben Schahid heimlich hinauf , um ihn zu erwarten . Sobald er die Gegenstände aus dem Verstecke genommen hat , ist der Beweis erbracht . Es ist zwar immerhin möglich , daß diese Begebenheit einen andern Verlauf nimmt , als ich jetzt denke , aber dann werden wir uns in Beziehung auf unser Verhalten dieser Aenderung anbequemen und auf keinen Fall den Vorteil , welchen wir hier errungen haben , aus der Hand geben . Jetzt aber wollen wir zurückreiten , denn die Sonne ist dem Horizonte nahe , und wir müssen , ehe es dunkel wird , bei unsern Leuten sein . « Wir ritten zurück , eine ziemliche Strecke nördlich von dem Wege , den wir herzu eingeschlagen hatten . Als wir ankamen , lagen die drei Beni Khalid noch immer gebunden an der Erde ; es schien also , wie ich auch bestimmt erwartete , alles beim alten zu sein , doch Halef meldete mir , sobald er uns sah , mit lauter Stimme und in mit sich selbst zufriedenem Tone : » Gut , daß ihr kommt , Sihdi ! Wir haben nur noch auf euch gewartet . « » Womit ? « » Den Vertrag mit dem Scheik der Beni Khalid abzuschließen . « » So hast du mit ihm verhandelt ? « » Ja . « » Ohne mich zu