aber verfielen in Schweigen und nahmen erst nach einer Viertelstunde das Gespräch wieder auf . Das Gesamtbild war nicht mehr ganz dasselbe , denn Corinna hatte mittlerweile den Tisch abgeräumt und einen blauen Zuckerbogen darüber ausgebreitet , auf welchem zahlreiche alte Semmeln lagen und daneben ein großes Reibeisen . Dies letztere nahm sie jetzt in die Hand , stemmte sich mit der linken Schulter dagegen und begann nun ihre Reibetätigkeit mit solcher Vehemenz , daß die geriebene Semmel über den ganzen blauen Bogen hinstäubte . Dann und wann unterbrach sie sich und schüttete die Bröckchen nach der Mitte hin zu einem Berg zusammen , aber gleich danach begann sie von neuem , und es hörte sich wirklich an , als ob sie bei dieser Arbeit allerlei mörderische Gedanken habe . Die Schmolke sah ihr von der Seite her zu . Dann sagte sie : » Corinna , wen zerreibst du denn eigentlich ? « » Die ganze Welt . « » Das is viel ... un dich mit ? « » Mich zuerst . « » Das is recht . Denn wenn du nur erst recht zerrieben un recht mürbe bist , dann wirst du wohl wieder zu Verstande kommen . « » Nie . « » Man muß nie nie sagen , Corinna . Das war ein Hauptsatz von Schmolke . Un das muß wahr sein , ich habe noch jedesmal gefunden , wenn einer nie sagte , dann is es immer dicht vorm Umkippen . Un ich wollte , daß es mit dir auch so wäre . « Corinna seufzte . » Sieh , Corinna , du weißt , daß ich immer dagegen war . Denn es is ja doch ganz klar , daß du deinen Vetter Marcell heiraten mußt . « » Liebe Schmolke , nur kein Wort von dem . « » Ja , das kennt man , das is das Unrechtsgefühl . Aber ich will nichts weiter sagen un will nur sagen , was ich schon gesagt habe , daß ich immer dagegen war , ich meine gegen Leopold , un daß ich einen Schreck kriegte , als du mir ' s sagtest . Aber als du mir dann sagtest , daß die Kommerzienrätin sich ärgern würde , da gönnt ich ' s ihr un dachte , warum nich ? warum soll es nich gehn ? Un wenn der Leopold auch bloß ein Wickelkind is , Corinnchen wird ihn schon aufpäppeln und ihn zu Kräften bringen . Ja , Corinna , so dacht ich un hab es dir auch gesagt . Aber es war ein schlechter Gedanke , denn man soll seinen Mitmenschen nich ärgern , auch wenn man ihn nich leiden kann , un was mir zuerst kam , der Schreck über deine Verlobung , das war doch das Richtige . Du mußt einen klugen Mann haben , einen , der eigentlich klüger ist als du - du bist übrigens gar nich mal so klug - un der was Männliches hat , so wie Schmolke , un vor dem du Respekt hast . Un vor Leopold kannst du keinen Respekt haben . Liebst du ' n denn noch immer ? « » Ach , ich denke ja gar nicht dran , liebe Schmolke . « » Na , Corinna , denn is es Zeit , un denn mußt du nu Schicht damit machen . Du kannst doch nich die ganze Welt auf den Kopp stellen un dein un andrer Leute Glück , worunter auch dein Vater un deine alte Schmolke is , verschütten un verderben wollen , bloß um der alten Kommerzienrätin mit ihrem Puffscheitel und ihren Brillantbommeln einen Tort anzutun . Es is eine geldstolze Frau , die den Apfelsinenladen vergessen hat un immer bloß ötepotöte tut un den alten Professor anschmachtet un ihn auch Wilibald nennt , als ob sie noch auf ' n Hausboden Versteck miteinander spielten un hinterm Torf stünden , denn damals hatte man noch Torf auf ' m Boden , un wenn man runterkam , sah man immer aus wie ' n Schornsteinfeger - ja , sieh , Corinna , das hat alles seine Richtigkeit , un ich hätt ihr so was gegönnt , un Ärger genug wird sie woll auch gehabt haben . Aber wie der alte Pastor Thomas zu Schmolke un mir in unsrer Traurede gesagt hat : Liebet euch untereinander , denn der Mensch soll sein Leben nich auf den Haß , sondern auf die Liebe stellen ( dessen Schmolke un ich auch immer eingedenk gewesen sind ) - so , meine liebe Corinna , sag ich es auch zu dir , man soll sein Leben nich auf den Haß stellen . Hast du denn wirklich einen solchen Haß auf die Rätin , das heißt einen richtigen ? « » Ach , ich denke ja gar nicht dran , liebe Schmolke . « » Ja , Corinna , da kann ich dir bloß noch mal sagen , dann is es wirklich die höchste Zeit , daß was geschieht . Denn wenn du ihn nicht liebst und ihr nich haßt , denn weiß ich nich , was die ganze Geschichte überhaupt noch soll . « » Ich auch nicht . « Und damit umarmte Corinna die gute Schmolke , und diese sah denn auch gleich an einem Flimmer in Corinnas Augen , daß nun alles vorüber und daß der Sturm gebrochen sei . » Na , Corinna , denn wollen wir ' s schon kriegen , un es kann noch alles gut werden . Aber nu gib die Form her , daß wir ihn eintun , denn eine Stunde muß er doch wenigstens kochen . Un vor Tisch sag ich deinem Vater kein Wort , weil er sonst vor Freude nich essen kann ... « » Ach , der äße doch . « » Aber nach Tisch sag ich ' s ihm , wenn er auch um seinen Schlaf kommt . Und geträumt hab ich ' s auch schon un habe dir nur nichts davon sagen