als man aufbrach , nachdem sich die Prinzessin kurz vorher in ihre Gemächer zurückgezogen . Holk begleitete wieder das Schleppegrellsche Paar , diesmal aber bis in die Stadt selbst hinein , und kehrte erst , nachdem er zugesagt hatte , bei nächster freier Zeit einen Besuch im Pfarrhause machen und daselbst Schleppegrells Sammlungen besichtigen zu wollen , in sein Turmzimmer zurück , um hier , im Laufe des Abends , verschiedene Briefe zu schreiben , an Asta , an Axel , an die Dobschütz . Von dieser letzteren waren am voraufgegangenen Tage , fast unmittelbar vor Aufbruch des prinzeßlichen Hofes nach Frederiksborg , einige Zeilen eingetroffen , in denen ihm mitgeteilt wurde , daß Christine nicht schreiben könne , weil sie krank sei . Daß diese Mitteilung einen großen Eindruck auf ihn gemacht hätte , konnte nicht behauptet werden . Er kannte seiner Frau Wahrheitsliebe , trotzdem sagte er : » Sie wird verstimmt sein , und das heißt dann Krankheit . Wenn man will , ist man immer krank und erfreut sich des Vorzugs , jede Laune rechtfertigen zu können . « Der andere Morgen führte wieder einen klaren und wolkenlosen Tag herauf ; kein Wind ging , und Holk , der sich in der Mittagsstunde zum Dienst zu melden hatte , saß in Nähe des Fensters und sah nach dem Hilleröder Kirchturm hinüber , dessen Wetterhahn in der Sonne blitzte ; still lagen die Häuser da , die Dächer blink und blank , und wäre nicht der Rauch gewesen , der aus den hohen Topfschornsteinen aufstieg , so hätte man glauben können , es sei eine verwunschene Stadt . Nirgends Menschen . » In solcher Stille zu leben « , sprach er vor sich hin , » welch Glück ! « Und als er sich dann vergegenwärtigte , daß Holkenäs dieselbe Stille habe , setzte er hinzu : » Ja , dieselbe Stille , aber nicht denselben Frieden . Wie beneidenswert dieser Pastor ! Er hat seine Gemeinde , seine Steingräber und seine Moorfunde , den Herluf Trolle ganz ungerechnet , und läßt die Welt draußen ihren Gang gehen . Hilleröd ist seine Welt . Freilich , wer will sagen , was in ihm vorgeht ? Er scheint so ruhig und abgeklärt , so ganz in Frieden , aber ist er ' s ? Wenn es wahr ist , daß drei Prinzessinnen hintereinanderweg , oder vielleicht auch a tempo , sich in ihn verliebten , so will mir solch Idyll , als Ausgang von dem allem , doch als ein fragliches Glück erscheinen . Eine Prinzessin zu heiraten ist freilich ein noch viel fraglicheres , aber wenn man ' s klug unterläßt und als einzigen Lohn seiner Klugheit nichts hat als solche Hilleröder Kleinstädterei , so muß einem doch immer so was wie Sehnsucht bleiben . Eine prächtige Frau , diese kleine dicke Kugel von Pastorin , aber ganz unangetan , einen Mann wie Schleppegrell seine Vergangenheit vergessen zu machen . Zuletzt hat doch jeder seine Eitelkeit , und Pastoren sollen in diesem Punkte nicht gerade die letzten sein . « Er phantasierte noch eine Weile so weiter und ging bei der Gelegenheit noch einmal alles durch , was ihm der gestrige Tag , abgesehen von der kleinen Festlichkeit bei der Prinzessin , an Bildern und Erlebnissen gebracht hatte : den Spaziergang auf Fredensborg zu , das flache Fährboot mit seinem ausgespannten Seil , daran man sich über den Parkgraben ans andere Ufer zog , den wundervollen Blick auf die Rückseite des Schlosses mit seinem Steildach und seinen Türmen und endlich den Muldenstein und das Gespräch mit Ebba . » Ebba spricht doch nicht liebevoll genug von der Prinzessin und ist mir darin wieder ein rechter Beweis , wie schlecht sich Esprit und Dankbarkeit vertragen . Ist ihr etwas Pikantes auf der Zunge , so muß es heraus , und die Pietät wird zu Grabe geläutet . Die Stockholmer Geschichte ... nun , von der will ich nicht reden , die mag auf sich beruhen , wiewohl auch da viel Grund zur Dankbarkeit vorliegen mag ; aber auch jetzt noch , alles , was die Prinzessin sagt oder tut , ist eine Verwöhnung , und Ebba nimmt es hin , nicht bloß als selbstverständlich , sondern als wäre sie der Prinzessin überlegen . Und das ist sie nicht , die Prinzessin ist nur von einer schlichteren Ausdrucksweise . Wie gut war das alles wieder , was sie gestern , aus der Fülle der Erfahrung , über den alten Grundtvig sagte , wobei mir einfällt , daß ich daraus eine gute Nachschrift für meinen Brief an die Dobschütz machen könnte . Der Brief ist ohnehin etwas mager ausgefallen . « Und während er das sagte , nahm er seinen Platz an dem rechts neben dem Fenster stehenden Schreibtisch und schrieb auf die noch leer gebliebene Seite : » Noch eine kleine Nachschrift , meine liebe Dobschütz . Unter unseren gestrigen Gesprächen bei der Prinzessin war auch eins über Grundtvig . Schleppegrell hatte nicht übel Lust , einen halben Heiligen aus ihm zu machen , worin ihn , natürlich ironisch , Pentz und die Rosenberg unterstützten . Die Prinzessin aber nahm die Sache ganz ernsthaft , fast so ernsthaft wie Schleppegrell , und sagte : Grundtvig ist ein bedeutender Mann und so recht angetan , ein Dänenstolz zu sein . Aber einen Fehler hat er doch , er muß immer etwas Apartes haben und sich von dem Rest der Menschheit , auch selbst der dänischen , unterscheiden , und wiewohl ihm nachgesagt wird , er stelle Dänemark so hoch , daß er ganz ernsthaft glaube , der liebe Gott spräche dänisch , so bin ich doch sicher , daß er von dem Tag an , wo dies ganz allgemein feststände , mit allem Nachdruck behaupten und beweisen würde : der liebe Gott spräche preußisch . Grundtvig kann nicht ertragen , mit irgend jemandem in Übereinstimmung zu sein . Hieraus , liebe Dobschütz , spricht ganz und gar der Ton unserer