eine kleine Rachenahme ihrerseits nicht allzustreng zu verdammen gewesen wäre ; aber daß Friedrich als Revanchemittel dienen sollte - dagegen hätte ich doch einiges einzuwenden gehabt ... Eifersüchtig - ich ? ... Ich wurde rot , als ich mich bei dieser Erregung ertappte . Ich war ja seines Herzens so sicher ... Keine , keine auf der Welt konnte er so lieben wie mich . Nun ja : lieben - aber eine kleine Verliebtseinsflamme - die hätte immerhin neben der mir geweihten , sanften Glut aufflackern können ... Lori verhehlte mir gar nicht , wie sehr sie an Friedrich Gefallen fand : » Hörst Du , Martha - Du bist wirklich zu beneiden um diesen charmanten Mann . « Oder : » Bewache ihn nur ordentlich , Deinen Friedrich , denn dem setzen gewiß alle Frauenzimmer nach . « » Ich bin seiner Treue sicher , « antwortete ich darauf . » Laß Dich nicht auslachen - als ob » treu « und » Ehemann « nebeneinander genannt werden könnten . Das gibt ' s nicht . Du weißt , wie zum Beispiel mein Mann - « » Mein Gott , vielleicht bist Du da auch falsch berichtet . Dann sind ja nicht alle gleich - « » Alle , alle - glaube mir . Ich kenne keinen von unseren Herren , der nicht ... Unter denen , die mir den Hof machen , sind mehrere verheiratet - was wollen die nun ? Offenbar nicht mich und nicht sich in ehelicher Treue üben . « » Sie wissen vermutlich , daß Du sie nicht erhören wirst ... Und gehört Friedrich auch zu dieser Phalanx ? « fragte ich lachend . » Das werde ich Dir doch nicht sagen , Gänschen . Es ist ohnehin sehr schön von mir , Dich aufmerksam zu machen , wie gut er mir gefällt . Jetzt heißt es nur , ein wachsames Auge öffnen . « » Ich habe es schon weit offen , dieses Auge , Lori , und dasselbe hat bereits mit Mißbehagen verschiedene Koketterie-Angriffe Deinerseits wahrgenommen . « » Da haben wir ' s ! So werde ich mich in Zuknnft besser verstellen müssen « ... Wir lachten beide ; dennoch fühlte ich , daß - so wie hinter meiner scherzhaft vorgebrachten Eifersucht eine wirkliche Regung dieser Leidenschaft sich verbarg - so auch unter ihrer vermeintlich neckenden Rede ein Kern von Wahrheit lag . Loris Mann hatte den Schleswig-Holsteiner Feldzug nicht mitgemacht und das verdroß ihn sehr . Auch Lori ärgerte sich ob dieses » Pechs « . » So ein schöner , siegreicher Krieg ! « klagte sie . » Jetzt wäre Griesbach gewiß um eine Stufe im Rang vorgerückt . Nun , das Tröstliche ist , daß bei einer nächsten Campagne - « » Was fällt Dir ein ? « unterbrach ich . » Dazu ist nicht die mindeste Aussicht . Oder weißt Du einen Anlaß ? Wofür sollte denn jetzt ein Krieg geführt werden ? « » Wofür ? Darum kümmere ich mich wahrlich nicht . Die Kriege kommen und sind da . Alle fünf oder sechs Jahre bricht immer wieder etwas aus - das ist so der Gang der Geschichte . « » Es müssen aber doch Gründe vorliegen ? « » Vielleicht ... doch wer kennt sie ? Ich gewiß nicht , und mein Mann auch nicht . Warum schlägt man sich denn eigentlich dort droben , fragte ich ihn während des letzten Krieges . Das weiß ich nicht - ist mir auch ganz egal , antwortete er achselzuckend . Ärgerlich ist nur , daß ich nicht mit dabei bin , fügte er hinzu . O , Griesbach ist ein echter Soldat . - Das warum und das wozu der Kriege , das geht den Soldaten nichts an . Das machen die Diplomaten untereinander ab . Ich habe mir nie den Kopf zerbrochen über alle die politischen Streitigkeiten . Uns Frauen geht es schon gar nichts an - wir würden doch nichts davon verstehen . Ist das Gewitter einmal losgebrochen , so heißt es beten - « » Daß es beim Nachbar einschlage und nicht bei uns , das ist freilich das einfachste . « Gnädige Frau ! Ein Freund - vielleicht auch ein Feind , gleichviel - ein Wissender , der sich nicht nennen will , benachrichtigt Sie hierdurch , daß Sie betrogen werden . Auf die verräterischste Weise betrogen . Ihr scheinheiliger Mann und Ihre unschuldigthuende Freundin lachen Sie aus ob Ihres gutmütigen Vertrauens , Sie arme , verblendete Frau . Ich habe meine Gründe , den Beiden die Maske vom Gesicht zu reißen . Nicht aus Wohlwollen für Sie handle ich da , denn ich kann mir denken , daß diese Entlarvung zweier geliebter Wesen Ihnen eher Schmerz als Gewinn bringen wird - aber ich bin Ihnen nicht wohlwollend gesinnt . Vielleicht bin ich sogar ein verstoßener Anbeter , der sich rächt ... Was liegt am Motiv ? Die Thatsache ist da , und wenn Sie Beweise wollen , so kann ich Ihnen dieselben liefern . Ohne Beweise würden Sie einem anonymen Brief ohnehin keinen Glauben schenken . Beifolgendes Billet hat Gräfin Gr * * * verloren . Diese überraschende Epistel lag eines schönen Frühlingsmorgens auf unserem Frühstückstisch . Friedrich saß mir gegenüber , mit seiner Post beschäftigt , während ich Obiges las und zehnmal wiederlas . Das dem verräterischen Schreiben beigelegte Billet war in einen Extra-Umschlag verschlossen und ich zögerte , denselben aufzureißen . Ich schaute zu Friedrich auf . Er war in ein Morgenblatt vertieft , doch mußte er meinen auf ihn gerichteten Blick gefühlt haben , denn er ließ die Zeitung sinken und mit seinem gewohnten lieben , lächelnden Ausdruck wandte er den Kopf zu mir : » Nun , was gibt ' s , Martha ? Warum starrst Du mich so an ? « » Ich möchte wissen , ob Du mich noch lieb hast ? « » Schon lange nicht mehr , « scherzte er . » Eigentlich habe