- wir wollen uns lieber recht von Herzen freuen , daß wir beisammen sind , Hedwig ... so recht ungestört beisammen sind - in Liebe und Eintracht ... eng aneinandergeschmiegt ... einherwandeln dürfen - daß wir zärtlich sein dürfen ... sehr zärtlich sogar , mein Lieb - und kein neidisches Männlein und kein neidisches Weiblein gelbgeärgert uns zuschauen kann - wir wollen lieber - - übrigens , Hedwig - hast Du denn noch gar keine Gewissensbisse - hm ? « » Gewissensbisse - ? « » Nun ja ! Wenn Dein armer Papa nun doch etwas merkte ! - nun doch Lunte röche , daß sein braves Töchterlein bei Nacht und Nebel auf und davon gegangen ist - - « » Aber Adam ! - « » Verzeih ' , mein Lieb ! Teuflisch , daß ich Dir damit komme - ich , der - - aber ach ! es ist mein Verhängniß , das zu martern und zu quälen , was ich liebe ! Und je mehr ich so ein menschliches Wesen liebe , desto mehr muß ich es peinigen . Schrecklich , aber wahr ? Diese schöne Eigenschaft haben mir alle Weiber - « » Weiber ! Adam ! - Weiber ! - « » Nun ja ! Weiber ! Oder beleidigt Dich das Wort - ? « » Es klingt so häßlich - « » Häßlich ? Finde ich nicht im Geringsten ! Mir klingt es sehr voll , dick , rund , massiv - zudem recht deutsch - « » Was wolltest Du vorhin sagen - ? « » Nun ja ! . also : meinen Hang , mich zeitweilig ein Wenig à la monsieur diable aufzuspielen , haben wir bis jetzt alle ... meinetwegen also ... wie Du willst : alle Damen , mit denen ich in den Läuften der Zeit enger ... intimer verkehrt habe , zum Vorwurf gemacht - und doch hat sich die ganze Gesellschaft mit der größten Bereitwilligkeit von mir ärgern lassen - ich sage Dir : Stunden- - Tage- - Wochenlang ärgern lassen - « » Du hast wohl schon viel Damenverkehr gehabt ? « » Aha ! Köstlich , Hedwig , daß Du Dir die Frage doch nicht verkneifen kannst ! Ich habe sie längst erwartet . Viel Damenverkehr ? Na ! Es geht immer noch . Soll ich ausführlicher sein ? Wenn es Dir daran liegt - von Herzen gern ! Die Sache macht mir selber Spaß ! Riesigen Spaß sogar - « Die beiden Nachtwandrer waren in den engeren Lichtkreis einer Laterne getreten . Adam prüfte den Gesichtsausdruck seiner Dame . Aber er konnte beim besten Willen die Wirkung seiner Worte auf Hedwigs Zügen nicht deutlich erkennen . Sie hielt den Kopf gebückt und einen knappen Winkel nach rechts gewandt . Diese Abkehrung mußte Adam für eine stumme Abweisung halten . So ärgerte ihn die Abweisung . Und der Aerger löste wiederum eine größere Fülle des Dranges in ihm aus - des teuflichen Dranges , vor seiner Herzallerliebsten einmal alle ... oder wenn nicht alle , so doch immerhin eine schwere Menge interessanter ... pikanter Trümpfe auszuspielen . Sein fahriges Vagantenleben ... diese überflüssige , gottlose Irrfahrt des Leibes und der Seele , hatte ihm sotane Trümpfe ja in verschwenderischem Reichthum zugeloost . » So still , Hedwig ? Woran knabbert denn wieder ' mal Dein kleiner Querkopf - ? « » Ach laß mich ! - « » Ueber diese Töne verfügst Du also auch , Kind ? Ich hätte sie bei Dir kaum gesucht . Wenn meine schöne Freundin , Frau Lydia Lange - diese Dame von Welt ... diese vornehme Frau ... dieses edle Weib - oder wenn ... wenn meine kleine Emmy also schmollt - dann - - « » Deine Emmy ? - Was ? - - « » Nun ja ! . Das ist nämlich ein wunderhübsches und dazu ein äußerst vorurtheilsloses Kind - ein Weltkind - ein Kind der Sünde - wie Du willst , Hedwig , - aber entzückend , sage ich Dir , entzückend - leider von Natur ebenso zur Untreue und Unbeständigkeit angelegt , wie ich - ich habe wirklich sehr pikante Stunden mit dem emancipirten Fräulein verlebt , kann ich Dir sagen - « » Aber Adam ! Nein ! Ich gehe keinen Schritt weiter mit Dir ! - Das sagst Du mir ? ! Waren denn alle Deine Worte vorhin Lügen - ? « » Lügen ? Warum Lügen ? Ich habe Dir doch soeben nur ein harmloses historisches Faktum mitgetheilt - daß auch ich so etwas wie eine Vergangenheit besitze - nun ! - ich habe mir schon erlaubt , Dir vorhin davon Andeutungen zu machen , dächte ich . Oder hast Du ' s überhört ? Das wäre schlimm - « » Die Vergangenheit scheint aber noch stark genug Gegenwart bei Dir zu sein ... « erwiderte Hedwig , sehr entrüstet und sehr erbittert , wie es schien . » Vergangenheit und Gegenwart lassen sich bekannntlich nicht haarscharf trennen von einander - ja ! im Grunde überhaupt nicht trennen - seien wir nicht so hagebüchen unlogisch , mein Lieb ! Alles Gewesene wirkt nach . Wie sollten wir sonst Rassenfeindschaften , Krebsgeschwüre , Knochenverkalkungen und allerlei seelische Blutvergiftungen erklären ? Wir schleppen die Bagnokugel unserer speziellen Vergangenheit Alle mit herum . Das Ding wächst sogar noch ... wächst mit jeder Stunde , jeder Minute ... Was ist denn Gegenwart schließlich Anderes , als aufgesummte Vergangenheit - ? « » Dann ist es ein Verbrechen , Adam , das ein Jeder von uns an sich und dem Andern begeht , wenn wir noch länger mit einander verkehren - « » Nimm doch die Sache nicht so tragisch , Hedwig ! Du kommst aus Deiner Sphäre - ich aus meiner . Die Lauflinien unseres Lebens haben sich gekreuzt ... haben sich für uns durch einen Zufall gekreuzt . An sich war es ja durch die Voraussetzungen - und die Vergangenheit ist auch in der Welt