, sagte Pavel , und Habrecht versetzte : » Eure Zeit , jawohl - und was ihr aus derselben macht , das wird ... « » Einsteigen ! « rief es dicht an seinem Ohr , und er sah sich um , sah den Zug dastehen und erschrak furchtbar . » Dritte Klasse nach Wien ! « schrie er , rannte auf den ihm vom Schaffner bezeichneten Waggon zu und erklomm ihn mit nicht gerade anmutiger , aber wunderbarer Behendigkeit . Pavel eilte ihm nach und reichte ihm seine Effekten in den überfüllten Wagen , in dem er unter vielen Entschuldigungen einen Platz gefunden hatte . Ein neuer Pfiff , der Zug setzte sich in Bewegung , eine kleine Strecke konnte ihn Pavel in scharfem Laufe begleiten . » Gott behüte Sie , Herr Lehrer ! « schrie er , und durch das Brausen der davonrollenden Lokomotive und aus Rauch und Dampfwolken kam die Antwort : » Und dich , lieber Mensch , Amen , Amen , Amen ! « Am späten Abend , nachdem Pavel heimgekommen war , fütterte er seinen Hund , nahm eine Haue und grub dem Steine nach , den er unter die Schwelle seines Hauses versenkt hatte . Lamur saß daneben und warf aus verdrießlich zugekniffenen Augen so scheele Blicke auf die Arbeit seines Herrn , leckte sich die Nase so oft und sah so verächtlich drein , daß jener seine üble Laune bemerken mußte . » Ist dir ' s vielleicht nicht recht ? « fragte Pavel . Ein höhnisches Zähnefletschen war die Antwort . Pavel aber hatte den Stein ausgehoben , betrachtete ihn , wog ihn in der Hand und fand ihn kleiner und leichter , als er sich ihn vorgestellt . » Da ist er , schau - nimm ! « sagte er und hielt ihn dem Hunde hin , der ihn auf Befehl seines Herrn in die Schnauze nahm und ihm nachtrug . Am Brunnen angelangt , an dem ihre erste Begegnung stattgehabt hatte , nahm Pavel dem Hunde den Stein aus dem Maul und schleuderte ihn ins Wasser , in dem er mit einem lauten Glucksen versank . Lamur gab durch Knurren seine Mißbilligung zu erkennen . 17 Seit einiger Zeit hatte die Frau Baronin ihre Wohnung im ersten Geschoß des großen Schlosses mit einer zu ebener Erde gelegenen vertauscht . Sie fühlte sich sehr alt werden , das Treppensteigen machte ihr Mühe , und sie unterzog sich derselben nur noch bei besonderen Feierlichkeiten , die nirgends anders als im Ahnensaale stattfinden konnten . Am ersten Januar zum Beispiel , wenn die Baronin die Glückwünsche ihrer in corpore mit Gemahlinnen und courfähigen Nachkommen ausgerückten Beamten empfing ; oder am Gründonnerstag , wenn sie , einer Familientradition getreu , dasselbe Fest in bescheidener Nachahmung beging , das an diesem Tage in der Hofburg zu Wien mit kaiserlichem Glanze vollzogen wird . Das gewöhnliche Leben der Greisin verfloß in gleichmäßiger , immer tiefer werdender Stille . Sie beschäftigte sich viel mit dem Gedanken an ihren Tod , dem sie ohne Furcht und - trotz mancher quälenden Leiden und Beschwerden - ohne Ungeduld entgegensah . Sie hatte ihre letzten Anordnungen getroffen und zum Erben ihres Gutes Soleschau das Kloster eingesetzt , an dessen Spitze ihre hochverehrte Freundin stand und in dem Milada erzogen worden war , die , so es Gott und seinen Stellvertretern auf Erden gefiel , bestimmt sein konnte , die oberste Leiterin des Hauses zu werden , in das sie vorzeiten als der ärmste Zögling getreten war . Die Bedürftigen der Gemeinde waren im Testament der alten Dame nicht vergessen und auch keiner ihrer Diener ; zuletzt hatte sie an sich gedacht , dann aber recht ausführlich , und das Zeremoniell , das sie bei ihrem Leichenbegängnis beobachtet wissen wollte , genau bestimmt . Die Gruft , die halb verfallen war und für deren Erhaltung sie grundsätzlich nie etwas getan hatte , sollte noch ihre Reste aufnehmen , dann zugemauert und der Eingang mit Erde und Rasen überdeckt werden . Die Leute , die da drinnen liegen , schließen sich mit Vergnügen von der heutigen Welt ab , meinte sie , ordnete jedoch an , daß die Kapelle , die den Grufthügel krönte , in gutem Stand erhalten werde und immer unverschlossen zu bleiben habe , damit jeder , dessen Herz danach verlangen sollte , an der heiligen Stätte ein Vaterunser für die alte Gutsfrau zu sprechen , diesem frommen Bedürfnisse nachkommen könne . Die Baronin sann jetzt oft darüber nach , wer von den Leuten , denen sie manche Wohltat erwiesen hatte , den Wunsch empfinden würde , für ihre ewige Ruhe zu beten , und gewöhnte sich , jeden , mit dem sie sprach , darauf anzusehen , ob er wohl zu denjenigen gehöre , die ihrer vergessen , oder zu denjenigen , die ihrer gedenken würden . Und wenn die Bejahung oder Verneinung der von ihr darüber angestellten Vermutungen auch nicht ausschlaggebend für ihre Wertmessung der Menschen war , so übte sie auf dieselbe doch großen Einfluß . Eines Morgens , am Tage nach Pavels letztem Klosterbesuch die Baronin saß bei ihrer Arbeit in der Mitte eines Kanapees , das bequem noch einem halben Dutzend Personen von ihrem Umfang Platz geboten hätte , hinter einem ebenso langen schwerfälligen Tisch - , öffnete sich die Tür des Zimmers , und Matthias trat ein und meldete : » Der Holub ist schon wieder draußen . « » Schon wieder ? - Meines Wissens kommt er ja nie « , sagte die Schloßfrau , und Matthias erwiderte : » Ja - aber doch . « » Hm , hm , was will er ? « » Sprechen möcht er . « » Mit wem ? « » Mit freiherrlichen Gnaden . « » Soll kommen « , befahl die Baronin , und bald darauf knarrten Pavels schwere Stiefel auf den Parketten . Er wollte auf die Baronin zugehen und ihr die Hand küssen , wie es sich geschickt hätte ;