Schreck und Schmerz die Ohren und den Mund zu , während er mit der Zunge einen abgeschlagenen künstlichen Zahn herausstocherte . Sie riß den Korb vom Boden auf und stürmte spornstreichs davon . Eine Wut hatte sich ihrer bemächtigt , daß sie alles über den Haufen hätte rennen mögen . Wenn ' s noch ein richtiges , fesches Mannsbild gewesen wäre , aber dieser grinsende Aff ' ! Ein Wäschermädel darf freilich nicht zimperlich sein und muß sich auf allerhand gefaßt machen , wenn sie mit Herren allein in einem Zimmer zu thun hat , das Mannsvolk kann von der Schmiererei und Druckerei nicht lassen , und die höchsten Herrschaften sind oft die allerunfeinsten und die Gebildeten die allerfrechsten , aber so etwas , wie dieser hinkende Teufel , nein , das war ihr noch nicht vorgekommen . Dieser unverschämte Hund . Na , das wird dem Doktor g ' steckt , der soll wissen , was für ein Vieh er zum Bedienten hat . Und die Geschichte mit der Monika soll ihm auch noch eingerieben werden . Und in Geldsachen gar nichts Nobles , niemals ein Trinkgeld , dazu die ewige Pumperei . Was wird nur die Frau Huber sagen , wenn sie heut wieder ohne einen Pfennig heimkommt ! Eine saubere Kundschaft ! Neulich hat sich der freche Hanswurst wurst gar auf den König hinausgeredet : der König zahle auch nicht gleich und der Herr Doktor hätte selber viel zu fordern ... Und wütend warf Anna ihren Korb von einem Arm zum andern , daß die weißen , steif gebügelten Hemden aufraschelten . In die Brandversicherungskammer mußte sie noch und in die Hofsägemühle an der Maximiliansbrücke und zum Konsul Schmerold in der Quaistraße . Da hatte sie sich in ihrem Zorn ja richtig verlaufen ! Links hinüber beim Jägerwirt ! In ihrer Hast hatte sie mit ihrem Korb ein kleines Kind gestoßen , daß es plärrend in die Straßenrinne fiel . Ein altes Weib keifte hinter ihr her . Jawohl , man kann auf jeden Bankert auch noch Acht geben ... Wie sie jetzt scharf um die Ecke bog , rannte sie einen Herrn , gerade auf den Leib . Es war Maximilian Schlichting . Nach der langen Sitzung bei Trostberg und dessen ermüdender Rede , die er wie im Halbtraum angehört , schwindelte ihm der Kopf . Er mußte sich noch eine Zeitlang in der Luft ergehen und seine Gedanken sammeln , bevor er den Besuch beim Preßbanditen unternehmen mochte . Am liebsten wäre er auf und davongegangen . Die ganze Welt ekelte ihn an . Was hat ihn nur so glötzlich in ihre schlammige Wirbel gerissen ? Was wollte sie eigentlich von ihm ? Als er noch abseits stand und mit allen Kräften des Leibes und der Seele seinen stillen Studien lebte , wie fühlte er sich da rein und gesund ! Jetzt mußte er knietief in ihrem Schmutze waten , warum ? Der Leiden und Leidenschaften anderer wegen . Zwischen gestern und heute dünkte ihm eine Ewigkeit zu liegen und er sich selbst ein Fremder geworden zu sein . Der glückliche Mensch in seiner Steinbrucheinsiedelei , der jetzt allen Stadtunrat hinter sich hatte ! Die glückliche Flora , die in Italiens paradiesischen Gefilden schweifen durfte ! Aber jetzt nicht daran denken ! Der Weg , ist jedem vorgezeichnet ; der muß gegangen werden . Jede Zögerung macht ihn nur mühsamer , jede Abschwenkung nur länger . Das Schicksal hat uns am Schopf und läßt nicht aus . Wer nicht gehen will , wird geschleift . An sein Ziel muß jeder , so oder so . Schlichting hieb mit seinem Stock eine matte Hochquart in die Luft , spuckte aus und nahm die Richtung nach der Behausung des Preßbanditen . » Wie mich der wahnsinnige Idiot wohl empfangen wird ? « Der Preßbandit hatte sich heute frühzeitiger ! denn sonst an sein ehrsames Handwerk gemacht » Morgenstunde hat Gold im Munde , « schmunzelte er , als er den Stoß Briefe gemustert hatte , den er auf seinem Tische vorfand : » Paillards Hand - und hier der Oberkomödiant Geiling - und hier die Dichterin Thusnelda Wechsler - das edle Kleeblatt seh ' ich immer gern , die wissen , was sie einem Manne wie mir schuldig sind - drei , vier , fünf unbekannte Pfoten - hier ein amtliches Siegel , hier wieder eins , die heb ' ich mir bis zuletzt auf , die Ämter soll der Teufel holen ; die Aktenschmierer sind einem Journalisten von meiner Befähigung immer aufsässig ; - hier ein Sendschreiben von meinem juristischen Nothelfer , dem Advokaten Dr. Ofenschlupfer , das ist eine Perle von einem Anwalt , der packt überall an und beißt sich durch wie ein Fuchs . Ohne seine freche Schnautze wär ' meine Strafliste noch einmal so lang geworden . Was will denn der Gute ? Seinem Klienten guten Morgen wünschen ? Das dürfte er schon , ich setze ihn reichlich in Nahrung ... Was ? Ein Absagebrief ? Er mag nichts mehr mit meinen Rechtsgeschäften zu thun haben ? Unmöglich . Das ist ein Irrtum , so sehr kann man sich nicht in einem Menschen täuschen . Da hat man mich bei ihm verleumdet . Ich muß ihn um Aufklärung bitten . Das lass ' ich nicht auf mir sitzen . Sofort ad notam . Ein halbes Dutzend Postkarten - zwanzig neue Abonnenten - hussa , das Geschäft blüht . Alte bring meinen Kaffee herein ! Der Tag fängt gut an . Heute laß ich mich nicht ärgern . Drei Hörnchen mehr , auch von dem Gugelhupf und viel Butter . Hörst Du , Alte ? « Die Thür seines » Redaktionsbüreaus « war nur angelehnt . Die » Alte « , wie er seine holde Gattin und Gebieterin titulierte , wenn er sie gemütlicher Stimmung wußte , war nebenan in der Küche mit der Zubereitung des Frühstücks beschäftigt . Die brave Dame mußte sich heute dieser Arbeit selbst unterziehen , weil gestern die