eine Statue errichten wollte , suchte sie bei Hofe darum nach . Ludwig XIV. sagte nicht ja und nicht nein , sondern schickte statt aller Antwort sein eigenes Bildnis . Aber er hatte den Witz der guten Bürger von Pau nicht gebührend mit in Rechnung gezogen . Diese richteten das Denkmal auf und gaben ihm die Inschrift : Celui-ci est le petit-fils de notre bon Henri . « » Und wie lief es ab ? « fragte Rutze , der , nach Kinderart , zwischen Anekdote und Erzählung keinen Unterschied machend , an dem Hergange selbst ein größeres Interesse nahm als an der Pointe . Die Gräfin lächelte . » Es ist eine Erzählung ohne Schluß , lieber Rutze . Der König wird schwerlich von dieser Inschrift gehört , noch weniger sie gelesen haben . Es ist immer mißlich , solche Scherze zu hinterbringen . Übrigens sorgte gerade damals der Feldzug am Rhein für Aufregungen , die das Auge des Königs nach anderer Seite hin abzogen . Es war die Erntezeit seines Ruhmes , auch seines kriegerischen . Und doch war keine Spur von einem Feldherrn in ihm . Le bon roi Henri schlug die Schlachten , le grand roi Louis ließ sie schlagen ; aber Dichter und Maler sind nicht müde geworden , Olymp und Heroenwelt nach Vergleichen für ihn zu durchsuchen . « » Ich glaube gehört zu haben « , bemerkte Berndt , » daß er eines gewissen militärischen Talentes , wie es hohe Lebensstellungen sehr oft ausbilden , nicht entbehrte . « » Graf Tauentzien war der entgegengesetzten Meinung . Und ich darf annehmen , daß seine Meinung übereinstimmend mit dem Urteil des Prinzen war . « » Das Urteil des Königs würde mir kompetenter sein . « Die Gräfin schwieg pikiert , aber nach kurzer Weile fuhr sie fort : » Du weißt , Berndt , daß der König selber aussprach : Le prince est le seul qui n ' ait jamais fait de fautes . Es scheint mir darin zugestanden , daß er in der Theorie des Krieges , in allem , was Wissen und Urteil angeht , der Bedeutendere war . « Berndt zuckte . » Wer die Praxis hat , hat auch die Theorie . Was entscheidet , sind die Blitze des Genies . « » Aber das Genie hat mannigfache Formen der Erscheinung . Der Prinz würde bei Hochkirch nicht überrascht worden sein . « » Und bei Leuthen nicht gesiegt haben . Du überschätzest den Prinzen . « » Du unterschätzest ihn . « » Nein , Schwester , ich weise ihm nur die Stelle an , die ihm zukommt : die zweite . Zu allen Zeiten ist die Neigung dagewesen , in solchen Personalfragen die Weltgeschichte zu korrigieren . Aber Gott sei Dank , es ist nie geglückt . Das Volk , allem Besserwissen der Eingeweihten , allem Spintisieren der Gelehrten zum Trotz , hält an seinen Größen fest . « » Aber es sollte de temps à temps diese Größen richtiger erkennen . « » Gerade hierin erweist es sich als untrüglich , wenigstens das unsere , das in seiner Nüchternheit vor Überrumpelungen gesichert ist . Es zweifelt lange und sträubt sich noch länger . Aber zuletzt weiß es , wo seine Liebe und seine Bewunderung hingehört . Ich habe dies in den letzten Jahren des großen Königs , wenn Dienst oder Festlichkeiten mich nach Berlin riefen , mehr als einmal beobachten können . « » Ich meinerseits habe von entgegengesetzten Stimmungen gehört , und mir sind Drohreden des unträglichen Volkes hinterbracht worden , die sich hier nicht wiederholen lassen . « » Es wird auch an solchen nicht gefehlt haben . Ein gerechter König , während er sich Tausende zu Dank verpflichtet , wird von Hunderten verklagt . Aber was er den Tausenden war , das ließ sich erkennen , wenn er , von der großen Revue kommend , seiner Schwester , der alten Prinzeß Amalie , die er oft das ganze Jahr über nicht sah , seinen regelmäßigen Herbstbesuch machte . « Rutze , der sich solcher Besuche erinnern mochte , nickte zustimmend mit dem Kopf ; Berndt aber fuhr fort : » Ich seh ihn vor mir wie heut , er trug einen dreieckigen Montierungshut , die weiße Generalsfeder war zerrissen und schmutzig , der Rock alt und bestaubt , die Weste voll Tabak , die schwarzen Sammethosen abgetragen und rot verschossen . Hinter ihm Generale und Adjutanten . So ritt er auf seinem Schimmel , dem Condé , durch das Hallesche Tor , über das Rondel , in die Wilhelmsstraße ein , die gedrückt voller Menschen stand , alle Häupter entblößt , überall das tiefste Schweigen . Er grüßte fortwährend , vom Tor bis zur Kochstraße wohl zweihundertmal . Dann bog er in den Hof des Palais ein und wurde von der alten Prinzessin an den Stufen der Vortreppe empfangen . Er begrüßte sie , bot ihr den Arm , und die großen Flügeltüren schlossen sich wieder . Alles wie eine Erscheinung . Nur die Menge stand noch entblößten Hauptes da , die Augen auf das Portal gerichtet . Und doch war nichts geschehen : keine Pracht , keine Kanonenschüsse , kein Trommeln und Pfeifen ; nur ein dreiundsiebzigjähriger Mann , schlecht gekleidet , staubbedeckt , kehrte von seinem mühsamen Tagewerk zurück . Aber jeder wußte , daß dieses Tagewerk seit fünfundvierzig Jahren keinen Tag versäumt worden war , und Ehrfurcht , Bewunderung , Stolz , Vertrauen regte sich in jedes einzelnen Brust , sobald sie dieses Mannes der Pflicht und der Arbeit ansichtig wurden . Chère Amélie , auch dein Rheinsberger Prinz ist eingezogen . Hast du je Bilder wie diese vor Augen gehabt oder auch nur von ihnen gehört ? « Die Gräfin wollte antworten , aber der eintretende Jäger meldete , daß die Schlitten vorgefahren seien . So wurde das Gespräch unterbrochen . Es erfolgte nur noch eine Einladung auf Silvester , bis zu welchem Tage Baron Pehlemann hoffentlich von seinem