der Arbeiter legt sich nach der heißen Woche nur zu gerne in den Schatten . Bei dem Mittagsmahle , das wir selbander im Winkelhüterhause eingenommen , hat es der Holzmeister schon erzählt , der Grassteiger will um Erlaubnis einkommen , daß er eine Schnapsschenke errichten dürfe . Den Wirt hätten wir schon , aber wo steckt unser Pfarrer ? » ' s wird auch keiner hereinwollen in diesen mit Brettern verschlagenen Weltwinkel , « meint der Holdenschlager . » Gelt , Hochwürden ! « schreit die Winkelhüterin ins Gespräch hinein , » wahrhaftig , das sag ' ich hundertmal . Fort möcht ' ich von dieser Einöden , heut ' lieber wie morgen . Es ist nichts anzuheben in diesem Winkel . Wie wär ' es unsereinem so handsam gewesen , daß ein ' s an Sonntagen ein wenig Branntwein ausgeschenkt hätt ' , aber halt ja , der Grassteiger ist der Hahn im Korb ! « » He , « lacht der Pfarrer , » Wirtshäuser ! Wird noch ein belebter Ort werden , dieses Winkel - Winkel - ei , die Gemeinde hat ja noch gar keinen Namen ? ! « Über den Namen der Gemeinde ist nicht bloß nachgedacht , es ist ein solcher sogar schon bestimmt worden . Wie soll die Waldpfarr ' heißen ? Den Leuten wäre die Erörterung dieser Frage eine willkommene Veranlassung gewesen , bei dem neuen Wirt zusammenzukommen und die Gemeinde mit Schnaps zu taufen . Aber wir taufen mit Wasser . Unser Wasser heißt die Winkel ; über die Winkel führt dahier seit unvordenklichen Tagen ein Steg ; wenn ihn das Wasser fortgerissen , haben ihn die Leute wieder aufgebaut , weil er hier , am Kreuzpunkte der Talschluchten und der Waldpfade unentbehrlich ist . Den Platz um das Winkelhüterhaus nennen sie kurzweg » am Steg « . Am Steg , am Winkelsteg , steht die neue Kirche . Und Winkelsteg , so heißt sie , und so heißt die Gemeinde . Unser Waldherr Schrankenheim hat ' s unterschrieben . Wie unsere Kirchweih eingeläutet worden , so wird sie ausgeläutet . Da hat sich an diesem Tage noch etwas sehr Erregendes zugetragen . Die Holdenschlager Herren und der Förster sind fortgewesen ; am Winkelsteg ist es wieder still . Es dunkelt schon früh und im Hochgebirge liegt der Nebel . Es ist bereits finster , da ich zu meinen Glocken gehe . Heute zum ersten Male brennt das rote Ämplein am Altare , das nun fortan das ewige Licht geheißen werden wird , und nimmer verlöschen soll , so lange das Gotteshaus steht . Das ist die Wacht vor dem Herrn . Wie ich in die Kirche trete , sehe ich in dem matten Schein am Speisegitter eine Gestalt . Da kniet noch ein Mensch und betet . Wenn einer so lange leben muß in dem Elende des Tages , so wird hernach völlig Sonntag zu kurz , da man bei dem lieben Gott eingekehrt ist , oder bei sich selber . - So denke ich und stehe eine Weile still und trete endlich vor , daß ich den Beter aufmerksam mache auf das Absperren der Kirche . Wie mich aber die Gestalt bemerkt , rafft sie sich auf und will fliehen . - Zuletzt ist es gar kein Beter , sage ich , und fasse den Davoneilenden und sehe ihm ins Gesicht . Ein junger Bursche ist ' s. » Was wirst du rot , Schelm ! « rufe ich . » Ich bin kein Schelm , « antwortet er , » und Ihr seid auch rot ; das ist von der Ampel . « Da sehe ich ihn recht an . Wer wird es gewesen sein ? Der Lazarus ist ' s gewesen , der verschollene Sohn der Adelheid . Ich habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und ein Geschrei erhoben mitten in der Kirche . » Junge , was ist das mit dir um Gottes willen , wo bist du gewesen ? Wir haben dich gesucht , deine Mutter hat dich ausgraben wollen aus dem Gestein der Alpen . Und wie bist du heute da , Lazarus ! Ja , das ist schon gar aus aller Weis ' ! « Der Knabe ist dagestanden und hat auf meine Worte gar nichts geantwortet - nicht ein Wörtlein . Darauf habe ich geläutet . Lazarus ist neben mir gestanden ; seine Bekleidung ist eine Wollendecke , seine Haare gehen ihm über die Achseln hinab , sein Antlitz ist blaß . Er sieht mir zu , er hat noch keine Glocke läuten gesehen . Und was ich empfinde ! Jetzt hab ' ich eine hellklingende Zunge , jetzt kann ich das Ereignis ja verkünden hin in die Berge . Endlich kommt meine Haushälterin : was denn das Läuten bedeute , ein halbdutzendmal habe sie schon den » englischen Gruß « gebetet und ich höre noch nicht auf ! Da lasse ich den Glockenstrick wohl fahren und deute auf den Jungen : » Seht , endlich ist er da . Habt Ihr das Läuten denn nicht verstanden ? Der Lazarus ist gefunden . « Besser als jegliche Glocke weiß solche Mär ein Weib zu verkünden . Kaum eilt die Winkelhüterin rufend davon , sind ich und der Lazarus schon von Menschen umringt . Ich weiß kaum , wie ich die Sache erzählen soll , und der Junge murmelt ein- um das andere Mal : » Paulus , « und sonst sagt er kein Wort . Wir fragen ihn , wer Paulus sei ? Statt auf die Frage zu antworten , versetzt er mit seltsam scheuem Blick : » Er hat mich hergeführt zum Kreuz . « Und laut und angstvoll ruft er : » Paulus ! « Seine Zunge ist unbeholfen , seine Stimme fremdartig . Wir führen ihn ins Haus ; die Hauswirtin stellt ihm zu essen vor . Traurig blickt er auf den Eierkuchen , wendet den Kopf nach allen Seiten und immer wieder zurück auf den Kuchen und