welcher der Freiherr zuerst Worte gab . Die Herzogin war neunzehn Jahre , sagte er , als ich sie zum ersten Male sah , und schon damals geizte man nach dem Ruhme , ein Gast der Herrin von Vaudricour zu sein . Ich weiß .... War die Herzogin schön ? unterbrach ihn die Baronin . Nein ! entgegnete der Freiherr , aber sie war mehr als das , sie hatte in ihrer ganzen Erscheinung den Adel ihrer Geburt und die sichere Anmuth , welche dieser ihr verlieh . Sie war eine Fürstin im vollsten Sinne des Wortes . Und Du bist Willens , sie zu uns einzuladen ? fragte Angelika . Der Freiherr schien durch diese Frage überrascht . Es fiel ihm etwas auf im Tone seiner Frau , aber er wollte das nicht beachten , und erwiderte nur : Hast Du für möglich gehalten , es nicht zu thun ? Nein ! versetzte Angelika . Ihr Schicksal würde ihr einen bestimmten Anspruch an unsere Gastlichkeit geben , auch wenn sie keine Verwandte unseres Hauses wäre ; aber die Schilderung , welche Du mir stets von ihr und ihrem Vaudricour gemacht hast , beunruhigt mich , mein theurer Franz ! Ich fürchte , Deine Verwandte wird erwarten , was sie hier nicht finden kann , und wie warm und bereitwillig wir sie auch willkommen heißen , wir werden ihr den leichten Frohsinn ihres Volkes und den schönen Himmel ihrer Heimath nicht ersetzen können . Der Freiherr lächelte . Deine Jugend macht Dich den Verlauf der Zeit vergessen , sagte er . Die Herzogin ist nicht mehr die junge Chatelaine von Vaudricour , und die Zeit war ernsthaft genug , auch ihre Heiterkeit in Ernst zu verwandeln . Ich höre in jedem Worte ihres Briefes den Ton einer tiefen Traurigkeit , und wer sollte diese in ihrer Lage nicht empfinden ? Laß uns darauf denken , Beste , wie wir ihr beweisen , daß wir sie schätzen und ihr Unglück ehren ! Ich möchte , sie würde es recht gewahr , daß sie hier in ihrer Familie von Freunden und Gesinnungsgenossen empfangen wird , und ich werde Dir es danken , wenn Du ihr hier bei uns vergiltst , was sie mir einst in ihrer Heimath gewährt hat ! fügte er abschließend hinzu . Angelika versprach , ihr Bestes mit Freuden zu thun . Ein Aufruf an ihre Großmuth war immer sicher , eine gute Statt bei ihr zu finden , und man kam daher überein , daß der Freiherr , um die Versäumniß des Posthalters möglichst auszugleichen , noch an diesem Abende einen Boten mit dem Antwortschreiben nach der Poststation senden solle , damit der Brief dann so schnell als möglich seine Weiterbeförderung finde . Der Freiherr , welcher in allen Dingen sich großer Pünktlichkeit befleißigte , rechnete es genau aus , wann die Herzogin auf diese Weise seine Antwort erhalten könne . Er gestand ihr die schickliche Zeit zum Aufbruch zu , er gab ihr auf das Genaueste den Weg , die Stationen , die Orte an , welche sie zu passiren hatte und an welchen sie übernachten sollte , er schrieb an die Gasthofsbesitzer , bei denen er abzusteigen gewohnt war , um für seine Cousine , die Frau Herzogin von Duras , das Quartier im Voraus zu bestellen , meldete ihr , daß sie für die letzte Tagereise an den geeigneten Orten Relaispferde aus seinen Stallungen finden werde , und schließlich bat er sie mit einnehmender Wendung , sie möge sich von dem Augenblicke ab , in welchem sie die Residenz verlasse , als seinen Gast und überhaupt als ein Familienmitglied ansehen , so lange sie ihm die Ehre erzeige , unter seinem Dache zu verweilen . Mit einer Empfindung , die aus Rührung und Selbstzufriedenheit gemischt war , durchflog er den Brief und las ihn dann Angelika vor , die auf seinen Wunsch noch einige Worte herzlicher Einladung dazu schrieb und sich im Voraus der Freundschaft ihres künftigen Gastes empfahl . Beide , der Freiherr sowohl als Angelika , empfanden , indem sie einer Flüchtigen ihr Haus anboten , das Glück , welches sie in ihren wohlbegründeten und unangetasteten Verhältnissen besaßen . In das Mitleid , welches die gegenwärtige Lage der erwarteten Gäste ihnen einflößte , mischte sich unmerklich eine gewisse Eitelkeit , der es erwünscht war , eine Herzogin zur Verwandten zu haben und diese Verwandte beschützen zu können , und der zornige Widerwille gegen diejenigen , welche in Frankreich die Herrschaft des Königs gebrochen und einen Theil des Adels dahin gebracht hatten , seinen Besitzungen und seinem Vaterlande den Rücken zu kehren , war von dem Freiherrn und von Angelika niemals mit so viel persönlicher Bitterkeit empfunden worden , als jetzt . Je mehr man aber mit der Welt unzufrieden war , um so besser war man mit sich selbst zufrieden , und in diesem Wohlgefühle war man sehr geneigt , sich von der Anwesenheit der Gäste die mannigfachsten Genugthuungen zu versprechen . Dreizehntes Capitel Entschlüsse , welche man unter dem Einflusse einer augenblicklichen Gefühlserregung faßt , sind bei den meisten Menschen wie ein Rausch , dem eine abspannende Ernüchterung folgt , und nachdem man am andern Morgen die Zimmer ausgewählt und eingerichtet hatte , welche die Herzogin mit ihrem Bruder bewohnen solle , begann sich in dem Baron wie in Angelika , ohne daß sie es einander eingestanden , eine gewisse Besorgniß in Bezug auf die am verwichenen Abende mit so froher Zuversicht erwarteten Hausgenossen zu regen . Der Baron , welcher die Herzogin seit fünfzehn Jahren nicht gesehen hatte , dachte unwillkürlich an die Veränderung , die durch einen solchen Zeitraum in ihrem wie in seinem Aeußern hervorgebracht sein mußte , und ihm bangte vor dem Spiegel , welchen ihr Altwerden ihm entgegen halten konnte . Er erinnerte sich mit Vergnügen an den heitern Ton leichter Galanterie , in welchem er mit ihr zu verkehren pflegte , aber er mußte sich sagen , daß Angelika für denselben kein Verständniß besitze , daß