, auf die Art kannst keinsfalls in Nachteil kommen . Gewinn ich ' s , so sehen wir uns wieder ; wenn ich aber die Wett verlier , so bleibt dir doch mein Herz , und dann kannst auch nie verlassen sein . « » An dir ist ein Advokat verloren gangen « , sagte Christine , » du machst , daß ich in all meinem Jammer wieder lachen muß . « » Zieh du dein Herz besser « , erwiderte er , » dann wird ' s dir auch bessere Reden geben . Und wenn du nicht aufhörst , mich betrübt zu machen , so geh ich hinunter und verklag dich bei deiner Mutter . « » O Jemine ! « rief Christine kichernd , » die tät mir das Fell schön vergerben ! « » Jetzt aber genug « , versetzte er . » Alles hat seine Zeit , sagt Jesus Sirach , und alles muß ein End haben , sag ich . Lachen und Weinen , Reden und Küssen , alles hat sein gesetztes Maß und Ziel , und wenn ich jetzt nicht endlich von dir geh , so kann ich ja auch nicht wieder zu dir kommen . Also b ' hüt dich Gott , herztausiger Schatz ! « » Wart noch ein wenig ! « sagte sie . » Wir müssen erst noch einen Denkzettel voneinander haben . Hast dein Messer nicht bei dir ? « » Willst mich abschlachten und einsalzen , daß ich gleich ganz bei dir bleib ? « » Nein . Ich hab vor etlich Wochen im Karz gehört , wie man ' s machen muß , wenn eins dem andern aus der Ferne ein Zeichen geben will , daß man aneinander denkt . Komm , streif dein linken Arm auf . « Er entblößte den Arm . Sie machte ihm mit dem Messer eine kleine Wunde daran und sagte : » Jetzt laß mir geschwind an meinem Goldfinger ein wenig Blut heraus . « » Das kann ich nicht « , sagte er , » ich kann dir nicht weh tun . « » Es ist kein Wehe so groß als Herzeleid , sagt dein Jesus Sirach « , erwiderte sie . » Wenn du aber nicht willst , so muß ich ' s eben selber tun . « Sie tat ' s und tropfte ihm ihr Blut in seine Wunde , die sie alsbald sorgfältig verband . Dann ritzte sie sich gleicherweise an ihrem linken Arm , gab ihm das Messer und sagte : » Gib mir auch Blut von deinem Goldfinger - mach ' s aber nicht so arg , sei doch nicht so grob gegen dich , ein paar Tropfen sind genug . « Nachdem sie sich sein Blut angeeignet , verband sie gleichfalls eilig ihren Arm . » Jetzt sind wir ja ganz blutsverwandt « , bemerkte er . » Das ist ' s nicht allein « , erwiderte sie . » Wenn ' s wieder verheilt ist , so brauch ich nur mit der Nadel drin zu stüren , dann gibt ' s dir einen Stich in Arm , da , wo du mein Blut drein empfangen hast , und ebenso umgekehrt , wenn ich einen Stich da spür in meinem Arm , so weiß ich , daß du mir an dem deinigen ein Zeichen gibst , und seh daraus , daß mein Schatz in dem Augenblick an mich denkt . « Er lachte . » So lang die Narben frisch sind « , sagte er , » mag ' s wohl sein , daß sie hie und da ein wenig stechen . Aber ich werd auch ohne das oft genug an dich denken . « » Wenn ' s nun aber sein muß « , versetzte Christine , » so mach in Gottes Namen , daß du fortkommst , und geh recht leis mein Katzenstiegele hinunter , damit niemand im Haus aufwacht . « Sie herzten und küßten einander , daß Friedrichs Ausspruch , » alles müsse ein Ende haben « , beinahe darüber zuschanden geworden wäre , und nachdem er manchen vergeblichen Versuch gemacht , den Strom ihrer Tränen durch Abtrocknen zu hemmen , schlich er so leise , daß man kein Geräusch hören konnte , die schmale steile Treppe hinab und kam mit Hilfe des hölzernen Riegels , der anstatt eines Schlosses diente , leicht durch die hintere Türe aus dem Haus . Nachdem er sich noch mehrmals umgekehrt und manchen Blick nach dem Schauplatze seines Glückes zurückgesendet hatte , ging er der Sonne zu , um sein Reisebündel zu holen . Alles schlief noch ; ungehört betrat und verließ er sein väterliches Haus . Aber auch von diesem , so wenig Gutes er in letzter Zeit daselbst erlebt zu haben meinte , fühlte er sich noch eine geraume Weile festgehalten und starrte mit feuchten Augen nach den Fenstern hinauf , hinter welchen seine Mutter ihn geboren und mit so unendlicher Liebe aufgezogen hatte , hinter welchen der Mann waltete , der doch immer sein Vater war . Sein rauhes Herz war von einer unsäglichen Wehmut ergriffen , in welcher die innerste Seele des Volksstammes , dem er angehörte , sich spiegelte . Der Schwabe , obgleich er eines der unstätesten Völker ist und vielleicht sogar seinen Namen vom Schweben und Schweifen hat , ist doch darum dem Heimtum nicht minder als dem Wandertriebe verfallen . Während viele jahraus , jahrein entlegene Länder durchziehen , kleben andere an ihrer Heimstätte fest , als ob sie mit ihr verwachsen wären , - ja , man erzählt von einer alten Frau , die in Tübingen auf der Ammerseite wohnte , sie habe nie in ihrem Leben den Neckar gesehen - , und selbst von jenen reißt sich mancher erst nach vergeblichen Versuchen und nur um den Preis des bittersten Heimwehs von der heimischen Scholle los , mag aber auch freilich , wenn einmal das Heimweh überwunden ist , an sich erleben , daß die