versichert . Ich habe ihn ja fast auf den Knieen gebeten , mir die Wahrheit zu sagen . « » So glaubt , was Ihr wollt , « versetzte Madame Becker scheinbar ereifert ; » mir kann es ja recht sein . Aber wie ich Euch schon sagte , die Frau Bilz machte über den Zustand des Kindes so ein bedenkliches Gesicht , daß ich schon im Begriffe war , Euch aufzusuchen ; doch wußte ich nicht , wo Ihr den Tag über seid und Abends habe ich keine Zeit . « » Dann hätte die Frau aber zu mir kommen sollen , das wäre doch nicht mehr als recht und billig gewesen . « » Ja , ja , sie hätte es gekonnt , aber sie hat auch viel zu thun . Nun , hoffen wir das Beste ! « » Was kann ich machen ! « seufzte die Nähterin betrübt , indem sie die Hände faltete . » Und wenn das Kind krank würde und stürbe - du lieber Gott im Himmel ! das war ' auch mein Ende ; aber ich müßte es über mich ergehen lassen . - Das Andere aber , Frau Becker , « fuhr sie heftiger fort , indem sie ihre rechte Hand drohend erhob , » das Andere aber ließe ich nicht ruhig geschehen , so schwach ich bin , das können Sie mir glauben . - Aber nicht wahr , ich habe nichts zu befürchten , sie wollen mir das Kind nicht nehmen ? « » Ei ! wo denkt Ihr hin ? Es fällt gewiß Niemand ein , das zu thun , « antwortete die Frau und wandte ihren Kopf der Thüre zu , wo sich ein leises Klopfen vernehmen ließ . » Wenn Sie nur das denken , so beruhigt es mich , « erwiderte Katharine ; » und nur um ein wenig Trost zu haben , kam ich hieher . Ich habe einen halben Tag Arbeit versäumen müssen , « fuhr sie schmerzlich lächelnd fort , » und das fällt mir schwer . - Aber nicht wahr , Frau Becker , noch einmal , es geschieht mir gewiß nichts Schlimmes ? « Es klopfte zum zweiten Male an die Thüre . » Was soll ich wissen ? « meinte Frau Becker , die ungeduldig den Kopf herum wandte und dann ihrer Nichte rief und ihr auftrug , sie solle nachsehen , wer an der Thüre sei . Die Nähterin erhob sich langsam , wobei sie ihre eine Hand auf den Tisch stützte und leise hustete . Siebenzehntes Kapitel . Falsches Zeugniß . Die Tänzerin ging nach der Thür , öffnete sie geräuschlos und sprach einige Worte mit Jemand , der draußen stand und ließ alsdann eine ältliche Bauersfrau in ' s Zimmer treten , die ziemlich verlegen an der Thüre stehen blieb und die ihre Blicke fragend nach der Madame Becker richtete , welche ebenfalls aufgestanden war und etwas erschrocken auf die Eingetretene sah . Katharine wandte gleichfalls ihren Kopf herum und stieß einen lauten Schrei aus , worauf Madame Becker ungeduldig mit dem Fuß stampfte und einen leisen Fluch zwischen den Zähnen murmelte . » Da ist die Frau ! « sagte das Mädchen , indem sie ihre Augen weit aufriß und die Blässe ihres Gesichts wahrhaft gespenstig wurde . - » Da ist die Frau ! - Jetzt werde ich doch etwas erfahren über mein Kind ! « Die Bauersfrau kam ziemlich unbehülflich näher , streckte ihre beiden Hände aus und verwandte kein Auge von dem Gesicht der Madame Becker ; that sie das nun , um sich an den Mienen derselben Raths zu erholen , oder scheute sie sich vielleicht , die unglückliche Mutter des Kindes anzusehen . » Nun ? « rief ihr Madame Becker ziemlich eifrig entgegen . - » Was will Sie eigentlich ? - Zu mir ? - Gewiß zu Katharine . - Da steht sie . Sag ' Sie , was Sie weiß . - Ist vielleicht ein Unglück geschehen ? « Die Bauersfrau zog ihre Achseln entsetzlich in die Höhe , wobei sie mit einiger Anstrengung nach dem Himmel hinauf zu schielen versuchte , es aber nur zu einem häßlichen , verdrehten Blick brachte . Madame Becker zuckte hierauf ebenfalls mit den Achseln und warf einen mitleidig sein sollenden Blick auf die Nähterin , die da stand , ein Bild des Jammers , mit bleichen Wangen , auf denen jetzt allmählig kleine rothe Punkte sichtbar wurden , - die schon erwähnten Kirchhofsrosen , die nun bald in ihrer ganzen schrecklichen Pracht auf dem stillen Gesichte wieder aufflammen sollten . » So ist dem Kind etwas passirt ? « fragte Madame Becker nach einer langen und schrecklichen Pause . » Was hat ' s da gegeben ? « - - » Todt ! « entgegnete die Bauersfrau , ohne daß sie es wagte dem flammenden Blick der Mutter zu begegnen . - » Todt ! - todt ! - Das Kind ist todt ! « - - In diesem Augenblicke trat die Tänzerin vor und legte ihre warme Hand sanft aus die kalte Rechte Katharinens , schlang ihren Arm um sie und drückte sie in tiefstem Mitgefühl fest an die Brust , die , sein leises Schluchzen unterdrückend , sich hoch und gewaltsam hob und senkte . » Also todt ! « sagte Madame Becker . » Und wie ist das gekommen ? « » Wie kommt das bei so kleinen Kindern ! « entgegnete die Bauersfrau , indem sie den Kopf auf die rechte Seite senkte ; » vorige Woche noch ziemlich gesund und wohl , gestern Nacht mausetodt . - Hier ist der Schein , Alles in Ordnung ausgestellt . - Ja , es ist traurig aber wahr . « Katharina blickte mit trockenen und heißen Augen wie in einem tiefen Traume um sich her . Lange schaute sie die beiden Weiber vor sich an , bald die Eine , bald die Andere , und keine konnte diesen