und ähnliche , in den meisten Fällen auch unleugbare Vollkommenheiten , die aber einen ganzen Menschen nicht mehr ersetzen können . Der Geheimrath hörte nichts lieber , als daß er eine schöngeformte Nase und niedliche kleine Hände hätte . So manche verschmitzte Coquette , die nach seinem durch Pauline von Marschalk erworbenen Reichthum blinzelte , konnte ihn in jugendliche Flammen und wahnsinnige Träume versetzen , wenn sie seinen niedlichen kleinen Fuß lobte . Manche versicherten , daß man auch durch das Lob seiner kleinen Ohren eine Wirkung auf ihn hervorbrachte . Sie waren in der That niedlich , diese Ohren . Kein Spiegel bestritt diese Wahrheit . Warum sollte er nicht sonst noch allerlei Fesselndes besitzen , da er doch dies Eine , die Werkzeuge des Hörens , wirklich in einer so unbestrittenen Vollkommenheit besaß ! Hier nun vollends auf Hohenberg , wo er , zur Entschädigung für eine lästige Reise , zu der ihn mit sonderbarer Bestimmtheit seine ihn , wie noch viel andere Menschen beherrschende geistreiche Gattin gezwungen hatte , das Zusammentreffen mit einer der gepriesensten Schönheiten der Residenz genoß , hier hielt er einen angenehmen Eindruck auf Melanie Schlurck für um so leichter , als er einerseits mit nicht ganz kurzsichtigem Auge entdeckt hatte , daß dies eigene Mädchen gewohnt war , über gewöhnliche Grenzen hinauszugehen , und andererseits seine gesellschaftliche Stellung die aller übrigen Besucher des Schlosses beiweitem überragte . Er stand ja doch , dachte er , dem Landesfürsten außerordentlich nahe , war ja durch unbedingt gehorchende knechtische Umgebung himmelwärts hier erhaben , strahlte ja durch äußere Haltung wie immer so auch hier im Vollglanze seiner mit Orden emaillirten Excellenz und faßte in der That um so rascher eine Flamme für Melanie , als dies kluge Mädchen bereits beim ersten Zusammentreffen seine weiße Hand , den zierlichen Fuß und sogar schon das Profil seiner Nase bewundert hatte . Sie entdeckt , hatte er sich im Stillen gesagt , sie entdeckt gewiß auch noch meine Ohren ! Er wiederholte sich diese Hoffnung mit Wohlgefallen , als ihn einer seiner Bedienten darauf aufmerksam machte , daß das Fräulein merkwürdig oft nach Excellenz sich erkundigt hätten , als Excellenz heute früh mit der Registratur des Nachlasses der Fürstin Amanda beschäftigt gewesen wären .... Nur eine Persönlichkeit war ihm bei der schönen Hoffnung eines Erfolgs ein gefährlicher Nebenbuhler , jener Schwager des Commerzienraths von Reichmeyer , Eugen Lasally . Dieser nicht mehr ganz junge Mann war ein öffentlicher Charakter der Residenz . Völlig abweichend von Dem , was christliche Spottsucht über die Juden einmal festgestellt zu haben glaubt , war Eugen Lasally im Gegentheil eine höchst chevalereske Erscheinung . Nicht groß , von behendem Körperbau , leichten , zarten Gliedern , hatte er sich früh eine große Fertigkeit in Leibesübungen erworben . Er schoß , focht , ritt auf eine Art wie der geübteste junge Dandy der vornehmen Welt . Seine Ältern gehörten den ersten jüdischen Familien an und hätten ihm gern die übliche artistische Bildung dieser Kreise gegeben , ihn zum Maler , zum Musiker bestimmt . Doch zeigte Eugen für diese Berufswege nicht die geringste Empfänglichkeit , ebenso wenig wie zum mercantilischen Fache oder zu irgend einem wissenschaftlichen Studium . Als seine Ältern starben , ging sein ererbtes Vermögen sehr rasch auf die Lebensweise hin , die er seit seiner ersten Selbständigkeit ergriffen hatte . Cavalerieoffiziere , junge Stutzer , Adelige waren sein alleiniger Umgang . Durch eine Reihe muthig bestandener Duelle hatte er gelernt , sich in dieser Sphäre zu behaupten , und als er durch Spiel und Vergnügungssucht an den Rand des Abgrundes gebracht , von seinem Schwager Reichmeyer nur noch soviel erhielt , um aus einem der ersten Wettrenner fast in Verzweiflung erst ein » Pferdekenner « , dann ein Pferdehändler und zuletzt Errichter einer Reitschule zu werden , blieben ihm seine alten Gefährten getreu . Das Pferd ist auch darin ein so edles Thier , daß es fast Alles adelt , was mit ihm umgeht . Ein Bedienter mag sich höher dünken als ein Bereiter . Mehr Muth und männliche Entschlossenheit , mehr Charakterstärke findet sich gewiß bei Letzterm . Eugen Lasally war als Besitzer einer Reitbahn und was damit zusammenhängt sogar Pferdeverleiher , doch nur um so enger mit einer gewissen fashionablen Gesellschaftsclasse im Zusammenhang , und wäre nicht sein aristokratischer Tic gewesen , seine Sucht in Allem und Jedem es mit seinen Freunden aufzunehmen , der alte Levi , den er sich aus einem mecklenburgischen Pferdemäkler zum ersten Bereiter umgeschaffen hatte , würde ihn gewiß durch seinen Fleiß und seine Umsicht und kluge Geschäftskenntniß oben erhalten haben . Er war aber im Sinken begriffen . Die Verzweiflung , daß ihm seine Plane nicht gelangen und er von Gläubigern unablässig gehetzt wurde , machte ihn oft zornig und gab ihm einen menschenscheuen finstern Charakter , der zuweilen ins Brutale ausartete . Er war auch gefürchtet wie der schlimmste Gast . Als auch ihn der Intendant der königlichen Schlösser und Gärten so mismuthig durch die Lorgnette betrachtete und dabei die höchst vernünftige Vermuthung äußerte , daß ihn wol hauptsächlich die Speculation auf Melanie ' s großes Vermögen an diese » bunte kleine Schlange « fesselte , sagte eben Eugen zu einem seiner Jockeys , der die Pferde hinübergeführt hatte und nun heraufkam , um die Küche zu besuchen : Kannst du dich nicht entsinnen , Jack , was mit dem Einspänner im Walde war ? Der Einspänner ? wiederholte Jack , ängstlich vor dem immer misgestimmten , zum Zorn gereizten Herrn .... Kannst nicht hören ? sagte auch Dieser sogleich aufbrausend . Der Einspänner im Walde - es sprang Einer vom Bock herunter - ich hab ' s deutlich gesehen - hast du die Augen zugehabt ? Als der peitschenscheue Jack sich noch nicht recht zu besinnen vermochte , sagte Eugen Lasally : Er ist ein blinder Hess ' ! Scher ' Er sich ! Jack wollte gehen .... Lasally rief ihn noch einmal zurück und schwang die Reitgerte . Jack blieb in