was machst Du ? - Ich hab heut an Christian geschrieben , ich bitte , schreib ihm auch . Bald ist mein Namenstag , schick mir dann einen recht langen Brief , er ist mir das Liebste , aber ungezwungen , ungeniert , so wenn Dir ' s einfällt und was Dir einfällt , ich werd mir ' s schon zurechtlegen . Kommt Minchen Günderode nicht auch zuweilen mit ihrer Schwester zur Dir ? - Ich bin ihr einen Brief schuldig . Küsse sie von mir , sage ihr , daß ich sie liebe , wie ich jetzt kein anderes Wesen lieben kann ! - Denn in meine Oper denk ich die Hauptrolle mir gerade wie sie ! und den ersten Liebhaber wie mich . - Ich muß ihr zu Füßen fallen , ich muß sie küssen , sie mag wollen oder nicht . - Und sie muß auch am End einer langen Arie mir in die Arme fallen und mich beglücken , stelle ihr das doch recht beweglich vor ; und daß es ja nicht anders sein könne , weil sie einmal meine Opernheldin ist , sie soll sich bewegen lassen darauf einzugehen . Das wird recht schön sein , wenn ich mir denke , es sei alles wahr , dann werde ich mir die lieblichsten hinreißendsten Szenen zum Küssen malen ! Hast Du was gedichtet , geschrieben , schicke mir es in meine Einsamkeit . - Wenn Du ein Kinderkleidchen für ein liebes rundes Mädchen von drei Jahren hättest , aber recht hübsch und bald , so würdest Du mir große Freude machen . Wo nur Arnim stecken mag , ich hörte seit meinem Brief nichts mehr von dem Jungen . Du bist wohl recht ruhig . - Ich bin es auch . Ich schicke Dir vielleicht bald mein Porträt . Schreibe mir einen langen historischen Brief . Deine Empfindung , meine Empfindung kennen wir ja ! - - Ich werde noch eine Weile hier bleiben , denn zu sehen , zu hören , ja mitzufühlen , wie alles Denken und Erdenken plötzlich fließend wird in musikalischen Gesetzen , die der Poesie den Kopf zurechtrücken , das macht mich ganz hingerissen . - Leb wohl ! Schreib ! Clemens Lieber Clemens ! Ich will gleich anfangen mit dem , was mich zuletzt frappiert in Deinem Brief ! - Ich hab Angst , die Musik wird schlecht zu Deiner Oper . - Warum ? - Weil Du eine so enorme Freude daran hast ! - Ich kenne Dich ja ! - Du läßt Dich gar zu leicht begeistern . Einem Kapellmeister gegenüber , wenn er seine Musik vorträgt , ist nicht zu spaßen mit fünf Sinnen , sie gehen in die Brüche ! Er betrachtet Dich als einen guten Kerl , den er mit Herablassung Straßen führt , welche Dir unbekannt sind , Du kannst da gar keine Autorität haben , Du mußt Dich führen lassen ! Die Effekte , die Du nur in Gedanken hörst und Dir natürlich ganz übernatürlich vorstellst bei vollem Orchester , machen Dich in Dankbarkeit hinschmelzen vor dem Kapellmeister , der überrascht von dem Eindruck , den er Dir macht , eine ganz neue Bekanntschaft mit seinem Talent zu machen glaubt , er komponiert drauflos , weil er eine Quelle der Erfindung in sich entdeckt , auf die er früher nicht sich verlassen konnte ! - Nun findet er , daß Du trotz Deinen Dichterlaunen ein sehr verständiger , urteilsfähiger junger Mensch bist , Du wirst gelobt als höchst liebenswürdig , die Sängerinnen werden begeistert , sie strengen sich an , wetteifern ! Fräulein Petersilie soll die Hauptrolle haben , sie verleugnet den Peter zu Haus und kommt bloß als Silie . Der Name Silie bewegt Dein Dichtergenie zu Explosionen von Begeistrung . - Kurz , es wird ein Wonnemonat , wie noch kein schönerer war , wo Dichtkunst und Tonkunst sich vermählen ! - Hoffmann hat hier ein Duett gemacht , wozu Du mir den Text schon früher gabst : » Hör , es klagt die Flöte wieder , und die kühlen Brunnen rauschen . « - Ja , wenn Dein Komponist so arbeitete wie er ! - Dazu muß man aber , in eine Einsiedelei verborgen , Blumen und Gras umher , im Schlaf versunken , nach der Ferne lauschen , wo die rauschende Welt endlich auch betäubt ruht . - So ist aber der gute Hoffmann , sein kränklicher , gebrechlicher Körper sondert ihn ab von den Schwelgereien der Musiker , von ihren Weltverhältnissen und Liebeleien ! - Durch den Hoffmann hab ich manches begreifen lernen . Erst war ich als immer verwundert , wie doch ein Mensch so ein traurig Los tragen müsse , der seinen Leib doch nicht verlassen könne , der ihm Schmerzen macht ; jetzt weiß ich ' s aber anders . Der Geist überwindet alles . Und wenn der Geist kämpft , so muß er doch stark dadurch werden . Der Geist kann nicht Wunden erliegen . » Invulnerable « , sagt Mirabeau . Es kann nur vielleicht ihm versagt sein , sich geltend zu machen ! - Aber vielleicht ist der Leib die verschlossne Werkstätte , in der der Geist zur höchsten Stufe der Bildung gelangt ; und wenn er erst durchgeläutert und geglüht als vollendetes Kunstwerk seiner selbst , zugleich mit dem Lebenskeim zu einer höheren gewaltigeren Bildung versehen , neue Welten durchdringt - was ist ' s da , daß in dieser Welt die Krankheit wie ein böser Traum ihn anflog . - Guter Hoffmann ! - Ich höre sein Klavier bei offnen Fenstern in die Mondnacht rauschen ! Er denkt gewiß , ich lieg im Bett und hör ihm zu ! - Gute Nacht , morgen schreib ich weiter , weil Du einen so langen historischen Brief verlangst . - Den wollt ich Dir wohl schreiben , den schönen langen historischen Brief , wenn nur was vorgehen wollte ! - Ich hab zwar gar keine Neigung , daß etwas vorgehen soll ,