Da wir aber nicht correspondiren , so weiß ich gar nichts von ihm . « » Ich wundre mich , daß Ihr Aufenthalt hier Ihnen so zusagt . « » Sie sind ja hier ! - ich meine .... Sie leben ja auch in Dresden . « » Ich habe nirgends eine andre Bestimmung . « » Weshalb wollen Sie mich ins Exil des Landlebens schicken , das doch in der That erdrückend ist , wenn nicht Interessen und Pflichten des Herzens dies Kleben an der Scholle und Sorgen um die Scholle adeln . « » Und was hält Sie ab diesen höhern Interessen nachzugehen ? In schöner , kräftiger Jugend stehen Sie brav und unabhängig da , nicht eben reich - das ist sehr gut , da wird man zur Thätigkeit angespornt . Also kaufen Sie ein Landgut Ihrem Vermögen angemessen , suchen Sie eine liebenswürdige Lebensgefährtin und werden Sie recht , recht glücklich , lieber Clemens - das ist mein Wunsch zu Ihrem Geburtstage . « » Wünschen Sie aufrichtig , mich glücklich zu sehen ? « » Wenn ich Nein sagte , würden Sie es glauben ? - Ich lüge nicht , weil ich die Wahrheit bequemer finde , als die Lüge . Das sollten Sie doch wissen . « » In der Welt macht man aus Gewohnheit , nicht um zu lügen , viel schöne Worte . « » Ich auch ! wenn mir nichts Besseres einfällt ! - Doch Freunden gegenüber nenne ich leere schöne Worte Lüge , weil sie etwas Anderes dahinter erwarten ; die Welt aber nicht : die empfängt die Münze , womit sie zahlt - ein redlicher Handel . « » Gut denn ! so müssen Sie mein Glück nicht blos wünschen , sondern auch etwas dafür thun . « » Thun ? ach , meine gebrechliche Hand webt leichter die fliegenden Sommerfädchen der Theorie , als das derbe Schiffstau der Praxis . Was kann ich für Sie thun ? .... ein hübsches Bild für Sie malen - « » Ihr eigenes ? « » Nein , daran mögen Andere ihre Kunstfertigkeit üben ! ich habe zu viel mit mir selbst zu schaffen , um mich auch noch zu malen ! - Und Sie besuchen kann ich - « » Wann ? wo ? « » Nun , wenn Sie verheirathet sind und ein hübsches Haus haben . « » Das liegt Alles zu fern . « » So will ich mich besinnen ! mit der Zeit fällt mir vielleicht noch etwas ein . « Aber Faustine war so gelangweilt durch die ungewohnte Anstrengung , jedes Wort so einzurichten , daß es eine Barriere vor Clemens schob : daß sie nicht zu ihrer gewöhnlichen Freiheit gelangte und herzlich froh war , als die Ankunft Cunigundens und ihres Vaters das Zwiegespräch unterbrach . Frau von Stein hatte ihre Tochter kalt entlassen mit der Weisung , die große Selbständigkeit , welche sie in so jungen Jahren ihren Eltern gegenüber behauptet , auch nun für ihr ganzes Leben und unter allen Verhältnissen zu bewahren , damit sie nicht in den Verdacht kindischen Trotzes gerathe . Da indessen Jeder , der überhaupt einen Willen habe , berechtigt sei ihn geltend zu machen , so billige sie , daß die Tochter auf eigenem , wenn auch überraschendem Wege , zum Glück zu gelangen suche . Cunigundens Schwestern weinten - und trösteten sich . Nur der Vater war sehr betrübt und Cunigunde voll tiefen Schmerzes , ihn verlassen zu müssen . Sie liebte den beschränkten , lenksamen , geduldigen Mann , nicht mit kindlicher Zärtlichkeit , nicht mit Verehrung , aber mit jenem tiefen Mitleid , das vielleicht Antigone für den blinden Vater empfand . Ach , auch der ihre war ja blind , konnte nicht allein stehen in dem verwirrten Leben , weil er nicht fähig war , es zu überschauen , und bedurfte einer Führerin , einer mildern , als die despotische Gattin war . Das war sein frommes Kind - wie er Cunigunde nannte - ihm stets gewesen und er bedauerte ihren unersetzlichen Verlust , aber vollkommen resignirt . » Sie ist jung , ich bin alt ' , « sagte er , » da muß man an ihre Zukunft denken . Alte Leute haben keine ! Und verloren hätte ich sie ja doch , sobald sie sich verheirathet hätte . Und dann wäre sie unglücklich geworden , sagt sie ; das würde mir das Herz abstoßen . Nun kann ja der liebe Gott es so fügen , daß sie noch einmal sehr glücklich wird , sogar , daß ich es noch erlebe . « Cunigunde saß immer neben ihm und hielt seine Hand in der ihren . Ihre Lippen zitterten , aber sie weinte nicht und sprach fast gar nicht . Es war eine herbe Wehmuth in ihr , über die Art , wie sie aus dem Vaterhause einsam in die Fremde ging . Ehedem hatte sie sich dies Scheiden wol anders gedacht , an der Hand des Gatten , einer schönen Bestimmung zu - doch das war lange her , war noch ein Bild aus ihrer ersten Jugendzeit , wo sie noch nicht ihre eigenen Ansprüche an den künftigen Gatten kannte . Seitdem war es anders in ihr worden ; wie und wodurch - wußte sie nicht . Es kam ihr eben nur vor , als habe sie ausgeschlafen . Doch der Tag , zu welchem sie erwacht war , lag kühl und farblos da , und sie fröstelte bei dem Gedanken , da hinein zu müssen . Mengen kam , erneuerte die früher gemachte Bekanntschaft mit Herrn von Stein und Cunigunden , und erzählte so viel und so herzlich von seiner Familie , besonders von seinem Vater , daß Allen ganz traulich und heimisch dabei zu Sinn ward . Matildens Hochzeit sollte nächstens sein . Faustine sagte : » Das freut mich für die Liebenden und noch mehr für Sie , theure Cunigunde . Es bringt uns den Menschen näher ,