Capello scheinbar in der größten Gunst stand , ist nämlich von Bianca mit ansehnlichen Geschenken und Belohnungen in ihr Vaterland entlassen worden . Oben im Berge wird der kleine Zug von scheinbaren Räubern angefallen , man läßt die Frau für tot liegen : alle entfliehen . Sie aber kommt wieder zu sich , wird nach der Stadt geführt und erklärt vor den Richtern , daß sie jene Räuber sehr gut als Florentiner erkannt habe , Schurken , die im Solde der Bianca stehen , und die sie , die Amme selbst , oft auf Befehl ihrer Herrin ausgesendet habe . Es kann nichts fruchten , diese Sache jetzt bekanntzumachen , aber für die Zukunft werde ich diese Zeugnisse aufbewahren , und die Frau , wenn sie genesen sollte , selber nach Rom hierherkommen lassen . Wohin wir blicken , Verrat und schlechte Künste . Und ist es nicht wunderbar und fast unbegreiflich , daß diese Weiber , nur allzuhäufig die schlechtesten , ohne Reiz , Schönheit und Verstand die größten , geistreichsten Männer , als wären diese blödsinnig und verrückt , an ihrem Gängelbande leiten , wohin sie nur wollen . - Und dann wieder - Euch ist das neueste Unglück unserer Familie bekannt . « » Ja wohl « , sagte Montalto ; » plötzlich ist Eure Schwester , so wie Eure Schwägerin gestorben . « » Es befällt mich oft ein Grauen « , begann Ferdinand wieder , » wenn ich an die seltsam wechselnden und blutigen Szenen meiner Familie denke . Mein jüngster Bruder , ein Mann , immerdar in Zorn , Lust und Mordgier entbrannt , dabei schwach und kränklich , wie so oft diese Tyrannen , ist wie ein Bild aus alten Tagen , wie ein feuriges Meteor , das dräuend und schreckend vorüberfährt , und nachher nicht mehr gesehen wird . Mit Blut hat er das , was diese ruchlosen Männer ihre Schande nennen , rein gewaschen . Sie erlauben sich alles ; und die Sitte der gottlosen Welt ist so , daß man dem Manne kaum verargt , was bei dem Weibe ein Todesverbrechen , auch von den ruchlosesten Sündern , genannt wird . Freilich war diese Leonore eine Schande der Welt . Indessen , auf wen fällt eigentlich die Schuld zurück , als auf meine Brüder ? Der Regent löst ohne Scheu , ganz öffentlich , alle heiligen Bande der Ehe auf ; Pietro versäumt die Frau , verachtet sie , bringt Buhlerinnen alles Gelichters in ihre Nähe , hat früher ihre Sinne aufgeregt , und verlangt nun , daß sie als Nonne leben soll , weil sie seinen Namen trägt . Und meine arme , unglückselige Isabella ! Auch sie war vom ältern Manne ganz vergessen und verachtet ; sie glaubte vielleicht , den Gemahl niemals wiederzusehn , sie hielt sich für geschieden , und der starke , hochfahrende Bracciano erscheint auf einmal wieder , um auch sie wegen der verletzten Ehre zu bestrafen . Nach unsern Sitten und unsinnigen Begriffen des Ritterstandes und Adels hatte sie freilich den Tod verdient ; denn ihr Verhältnis mit Troilo Orsini war offenkundig . Durch die Niedrigkeit der Bianca ward ihr Leichtsinn erregt und gestärkt , sogar in dem Maße , daß sie selbst des Troilo bezahlte Buhlerinnen kannte , und mit ihnen scherzte und lachte . Mein Bruder , der gewiß nicht an den natürlichen Tod der Schwester glauben kann , ist doch dem Bracciano befreundeter als jemals , und ich kann mich , wie alles steht und liegt , auch nicht von ihm zurückziehn , und muß an diese plötzliche Krankheit des Schlages vor den Augen der Welt glauben . Ihr Buhle Troilo ist auch schon nach Frankreich entflohen , wo er auf den Schutz der Königin rechnet . Der unerbittliche Bracciano hat ihm aber schon zwei seiner Banditen , reich belohnt , nachgesendet , die ihr Opfer in Paris gewiß nicht verfehlen werden . « - In der Familie Accoromboni herrschte scheinbar Glück und Ruhe . Der furchtbare Orsini hatte sich nicht wieder gezeigt , so viel hatten über ihn die ernsten Drohungen des Gouverneurs Buoncompagno vermocht . Es ließ sich hoffen , daß Flaminio , der sehr unterrichtet war , bald eine Anstellung erhalten würde , da der Kardinal Montalto sie ihm verheißen hatte . Durch die Bemühung des alten Mannes hatte der älteste Sohn , Octavio wirklich schon den Rang und die Würde eines Bischofs erlangt . So sah denn die stolze Mutter viele ihrer Wünsche erfüllt , und sie hätte ungestört die Erhebung , die der Familie in ihrem Alter geworden war , mit Behaglichkeit genießen können , wenn nicht viel Bitteres sich diesem Kelche der Freude eingemischt hätte . Wie vielen Dank auch der neu bestellte Bischof seinem Oheim Montalto schuldig war , so unerkenntlich zeigte er sich , ja er machte kein Hehl daraus , wie tief er den würdigen und wohlwollenden Greis verachtete . Er schloß sich unverhohlen und mit übertriebenem Eifer der intrigierenden Partei des Kardinal Farnese an , weil er glaubte , durch diesen tätigen Feuergeist gar anders , als durch den saumseligen Montalto befördert zu werden . Darum erschien er auch nur selten bei seiner Schwester , und er suchte eine befriedigte Eitelkeit darin , dieser und noch mehr deren Gemahl Peretti mit unverhohlener Verachtung zu begegnen . Er zankte auch mit der Mutter wegen dieser Heirat , die er eine Erniedrigung der Familie nannte . Derselbe Ungestüm , welcher die meisten Glieder des Hauses bezeichnete , war bei diesem Manne ganz in Stolz und Hochmut verwandelt worden , und diese Leidenschaft regierte in seinem Gemüte so heftig , daß er kein Mittel scheute , um sie zu befriedigen . Deshalb war es der Mutter , wie der Schwester lieber , wenn er nicht erschien , als wenn er zankend und hofmeisternd sie einmal besuchte ; es gingen auch Wochen hin , ohne daß sie ihn sahen . Es konnte der verständigen Mutter auch unmöglich verborgen bleiben , daß diese Ehe ,