Schiffahrt , alte Anrechte , neue Forderungen , Länderteilung , Verrätereien , Umtriebe , Gefangennehmung großer Personen , Mönchssachen , klösterliche Stiftungen , Geldangelegenheiten , kurz alles , was einem großen Staatsminister obliegt zu untersuchen und zu ordnen , dies alles besprach der Stadion mit ihm , ließ ihm seine Meinung drüber darstellen - Aufsätze darüber machen , dann mit eignem Beifügen von Bemerkungen ließ er diese von ihm ins reine schreiben , Briefe an verschiedne Potentaten schreiben , namentlich führte er die Korrespondenz mit Maria Theresia , zuvörderst über Thronbesteigung , über Mitregentschaft ihres Gemahls , dann über die leere Schatzkammer , dann über die Heereskraft des Landes , über Mißvergnügen des Volks , über die Ansprüche von Bayern an die östreichischen Erblande , und wie die Kurfürsten wollten die Erbfolge der Theresia nicht anerkennen , über den Krieg mit Friedrich II. , mit England , Anträge um Hilfsgelder ; Briefe an einen französischen General Belle-isle , dann ein Briefwechsel mit Karl von Lothringen , mit dem Kardinal Fleuri , mit dem östreichischen Feldherrn Fürsten Lobkowitz , dann endlich einen Briefwechsel mit der Marquise de Pompadour , immer im Interesse der Kaiserin , diese letzte Korrespondenz war erst ins Galante und endlich ganz ins Zärtliche übergegangen , es kamen Briefe mit Madrigalen als Antwort , worauf der Großpapa im Namen Stadions wieder in französischer Poesie antworten mußte , da habe der Großpapa manche Feder zerkaut , und der Stadion habe ihm gelehrt , die Politik mit einfließen zu lassen , und hat Anspielungen machen müssen auf Reize , auf blonde und braune Locken , - und dem Stadion ist ' s häufig nicht zärtlich genug gewesen . Die Antworten sind dann mit großer Freude vom Stadion ihm mitgeteilt worden , besonders wenn sie Empfindlichkeit für des Großpapas Galantrien hatten spüren lassen , da hat der Stadion so gelacht und ihn angewiesen , wie die feinste Delikatesse zu beobachten sei . - Und endlich einmal , als nach der Thronbesteigung der Maria Theresia und ihrer Krönung als Kaiserin die Gratulationen abgefertigt waren , an seinem einundzwanzigsten Geburtstage , da schenkte Stadion dem Laroche einen Schreibtisch , worin er alle seine Briefe in drei Jahren geschrieben , die er über Land und Meer gegangen wähnte , noch versiegelt wiedergefunden , und die Antworten , welche von Stadion selbst erfunden waren und von verschiedenen Sekretären abgeschrieben , dazu , und er sagte ihm , daß er ihn so habe zum Staatsmann bilden wollen . Dies hat den Großpapa erst sehr bestürzt gemacht , dann aber ihn tief gerührt , und hat diese Briefe als ein heilig Merkmal von Stadions großem liebevollem Geist sich aufbewahrt . Die Großmama hat diese Briefe noch alle und will mir sie schenken . - Sie war gesprächig heut , sie wird alle Tage liebevoller zu mir , sie sagt , mir erzähle sie gern , obschon manches in die Erinnerung zu wecken ihr schwer werde ; sie sprach viel von der Mama , von ihrer Anmut und feinem Herzen , sie sagte : » Alles , was ihr Kinder an Schönheit und Geist teilt , das hat eure Mutter in sich vereint « ; und dann hat sie zu sehr geweint , um von ihr weiter zu sprechen , die Tränen erstickten ihre Stimme . - Sie legte die Hand auf meinen Kopf , während sie sprach , und als der Mond hinter den Wolken hervorkam , da sagte sie : » Wie schön dich der Mond beleuchtet , das wär ein schönes Bild zum Malen . « - Und ich hatte in demselben Augenblick auch den Gedanken von der Großmama , es war gar wunderlich , wie sie unter einem großen Kastanienbaum mir gegenüberstand , am Kanal , in dem der Mond sich spiegelte , mit ihren großen silberweißen Locken ihr ums Gesicht spielend , in dem langen schwarzen Grosdetourkleid mit langer Schleppe , noch nach dem früheren Schnitt , der in ihrer Jugendzeit Mode war , lange Taille mit einem breiten Gurt . Ei , wie fein ist doch die Großmama , alle Menschen sehen gemein aus ihr gegenüber , die Leute werfen ihr vor , sie sei empfindsam , das stört mich nicht , im Gegenteil findet es Anklang in mir , und obschon ich manchmal über gar zu Seltsames hab mit den andern lachen müssen , so fühl ich doch eine Wahrheit meistens in allem . - Wenn sie im Garten geht , da biegt sie alle Ranken , wo sie gerne hinmöchten , sie kann keine Unordnung leiden , kein verdorbenes Blatt , ich muß ihr alle Tage die absterbenden Blumen ausschneiden , gestern war sie lange bei der Geißblattlaube beschäftigt und sprach mit jedem Trieb : » Ei kleins Ästele , wo willst du hin « , und da flocht sie alles zart ineinander und band ' s mit roten Seidenfaden ganz lose zusammen und da darf kein Blatt gedrückt sein , » alles muß fein schnaufen können « , sagte sie - und da brachte ich ihr heute morgen weiße Bohnenblüten und rote , weil ich ihr gestern eine Szene aus ihrem Roman vorgelesen hatte , worin die eine Rolle spielen , sie fand sie auf ihrer Frühstückstasse . Sie ließ sich aus über das frische Rubinrot der Blüte , hielt ' s gegen ' s Licht und war ergötzt über die Glut - mir ist ' s lieb , wenn sie so schwätzt - ich sagt ihr , sie komme mir vor wie ein Kind , das alles zum erstenmal sehe . - » Was soll ich anders als nur ein Kind werden , sind doch alle Lebenszerstreuungen jetzt entschwunden , die dem Kindersinn früher in den Weg traten , so beschreibt das Menschenleben einen Kreis und bezeichnet schon hier , daß es auf die Ewigkeit angewiesen ist , « sagte sie , » jetzt wo mein Leben vollendet , so gut als mir ' s der Himmel hat werden lassen - so viel der schönen Blüten sind mir