, während der andere so liebevoll erscheint , ist auch schwer in Uebereinstimmung zu bringen und scheint auf eine merkwürdige Unkenntniß des Individuums sich zu gründen , die durch den alten Kammerdiener so leicht gehoben werden konnte , wenn man auch annehmen will , daß das Fräulein selbst durch Schreck und Furcht abgehalten ward , sich als die Nichte dieses erzürnten Mannes anzugeben . Ist sie wirklich eine Gräfin Melville , mußte ihr dies doch wohl einiges Recht auf Schutz geben , und dies konnte auch ihrem Diener bei der größten Einfachheit nicht entgehen . - Nimmt man nun leicht wahr , daß diese letzten Umstände , wie der Tod des Kammerdieners , völlig dazu geeignet sind , über ihre Ankunft hier ein räthselhaftes Dunkel zu verbreiten und jede unserer Nachforschungen unsicher zu machen , da alle Bestätigung des Einen oder Andern nur in der jungen Lady uns aufbehalten ward , so finden wir uns dadurch unläugbar ganz in ihrer Hand , und wenn ich damit auch keineswegs gegen ein so liebenswürdiges und junges Wesen Verdacht erregen möchte , scheinen doch so viele Widersprüche eine sehr sorgsame Nachforschung zu verlangen . Er wandte sich gegen das Ende seiner Worte ausschließlich gegen seine Schwägerin , wie es schien , sie zur Theilnahme aufzufordern , aber die Herzogin blieb unbeweglich , die Augen auf die Erde geheftet , mit völlig entfärbten Wangen , die Spitzen der Finger an ihr Kinn gelegt , es gleichsam stützend . Doch schien die alte Herzogin bemüht , die Aufmerksamkeit ihres Sohnes von der geliebten Schwiegertochter abzulenken . Sie richtete sich in ihrem Stuhl empor . Gewiß , mein Sohn , sprach sie , giebt ' s hier ein Dunkel , welches , zum Nachtheil für dies liebenswürdige Mädchen , über ihre Angelegenheiten verbreitet ist . Aber gegen den Verdacht einer absichtlichen Täuschung ihrerseits schützt sie , däucht mich , ihre eigene Aufzählung dieser Widersprüche , ihre so natürliche Betrübniß darüber , ihr kindlicher Wunsch , von uns über alles das , was sie beunruhigt , Aufschluß zu erlangen . Sollte man wohl annehmen können , selbst wenn wir das beredte Zeugniß ihres unschuldigen Antlitzes und ganzen Betragens verwürfen , sie habe einen Plan gemacht , unser Interesse zu erwecken , da derselbe uns doch nicht zu übersehende Data angiebt , der Wahrheit nachzukommen , die selbst durch den plötzlichen Tod der nächsten Verwandten doch nicht an Wichtigkeit verlieren , ja , wie mir scheint , uns eine Wahrheit mehr an die Hand geben ; denn wir hörten ja von dem traurigen epidemischen Fieber , welches in Folge der bedeutenden Ueberschwemmungen ausgebrochen war . Wohl , sagte Graf Archimbald lebhaft , fast alle Küstenländer sind davon heimgesucht gewesen , und namentlich in Cumberland sind oft ganze Familien ausgestorben ; aber allerdings liegt in der allgemein verbreiteten Kenntniß dieser traurigen Umstände auch eine große Leichtigkeit , sie für die eigenen Begebenheiten anzuführen . - Laß mich Dir weiter bekennen , fuhr die alte Lady fort , daß die vorerwähnten Unwahrscheinlichkeiten für mich eigentlich nicht da sind . Wohl ist es lange her , daß ich jung war ; dennoch kann ich mir sehr gut ein junges , feuriges Wesen denken , die über der Liebe zu den Personen , die ihre Aufmerksamkeit , wie mir scheint , absichtlich so ausschließlich in Anspruch nahmen , Ort und Namen und auch wohl noch mehr vergessen könnte . Du lächelst , Archimbald , setzte sie selbst lächelnd hinzu , aber wer über siebzig Jahr hinausreicht , dem dämmert wieder die Jugend auf . Mir ist , als könnte ich heute noch durch den Werth von Personen , zu denen ich käme , so entzückt werden , daß ich Ort und Namen zu erfragen vergäße . Dies ist ja ein Hauptvorzug der Jugend und gerade diesem liebreizenden Wesen , in welchem sich sogleich beim ersten Anblick ein innig hingebendes und , tiefes Gefühl ausspricht , am leichtesten zuzutrauen . Dies gab sie wohl ohne Vorbehalt den Anregungen hin , die sich ihr darboten ; ihr vor Allen traue ich diese kindliche Hingebung ganz zu , die man auch unfehlbar benutzt hat , sie , ohne gerade Lügen zu erdichten , an der Wahrheit vorüber zu führen . Möchte doch der Himmel Jedem , den er lieb hat , einen Vertheidiger zuführen , wie Dich , sagte Graf Archimbald , zärtlich seiner Mutter in die klaren Sterne ihrer sanften Augen blickend . Ich bin zu Allem erbötig , bereit , mich in Alles zu fügen , was die Damen in der Art bestimmen wollen , wie sie mich zu gebrauchen denken , und wie ich ihnen den Umständen nach etwa nützlich werden kann . Ich glaube allerdings , daß unser Schützling mehr das Opfer von Planen geworden ist , die entweder schlecht berechnet waren oder durch unvorhergesehene Fälle eine jähe Wendung nahmen . Denn , wie ich höre und zum Theil auch sah , ist sie im Besitz von Kostbarkeiten , welche auf eine reiche Ausstattung und höhern Stand ihrer bisherigen Beschützer schließen lassen , und es ist zu erwarten , daß wir bei der zärtlichen ihr erwiesenen Liebe , obgleich dieselbe nur noch in der Person des einen Oheims existirt , doch uns entgegen kommende Nachforschungen hoffen dürfen ! Nur am wenigsten möchte ich sie für eine Gräfin Melville halten . Nicht so rasch , Mylord ! rief hier die Herzogin stark und rauh , und riß sich mit Gewalt in ihrem Stuhl empor , während in ihrem bisher so todten Auge ein Strahl der verschiedensten Empfindungen sich Bahn brach . Welche Consequenz kann uns zwingen , an ihr den härtesten Raub zu begehen , ihr sogar das Vorrecht eines Namens zu nehmen ? Damit müssen wir nicht anfangen , ihrem Schicksale zu Hülfe zu kommen ; das hieße im Voraus Alles werthlos machen , was wir ihr Liebes thun möchten im Uebrigen ! Und nicht edel ist es von Euch , auf diese Weise Eure Hülfe anzubieten . - Sie versank