Theologie , dem sich La Mennais in dieser listig berechneten Schrift hingegeben , ist der sittlich edlen und geistig reinlichen Natur eines Günther durchaus entgegengekehrt . Er , der Schöpfer des speculativen Katholizismus , will eine wissenschaftliche Bewegung , welche die Parteien des Glaubens in der Idee der Wissenschaft vermitteln und vereinbaren soll . La Mennais aber predigt einen religiösen Radikalismus , einen frommen Straßenaufruhr , so unglaublich auch immer eine solche Zusammenstellung klingen kann . Aber wer weiß , was noch alles für Wortformen , für pikante Zusammenwürfelungen von Adjectiven und Substantiven nöthig werden , um das , was die Zeit immer bunter in einander übergreifen läßt , zu bezeichnen , denn auch in die Sprache schlägt die Bewegung schneidend ein . Und La Mennais predigt zu den Ouvriers , zu den Tagelöhnern , zu den Handwerksgesellen , er führt eine demagogische Andacht in den Schenken und niedrigeren Weinhäusern ein , und bewaffnet die gefährlichste Klasse des Volkes mit giftig scharfen Sentenzen . Die Worte eines Gläubigen sind mehr aus kirchlich politischer , als aus religiöser Bedeutung anzusehen . Es ist ein politischer Feldzug auf dem Gebiet der Kirche , mit einem großen , zum Theil einzigen Talent der Form ausgeführt . In Frankreich war diese Erscheinung längst zu erwarten , und ich wundere mich , daß sie nicht schon früher sich da gezeigt hat . Der Abbé de la Mennais , nach vorhergegangener Excommunication kaum wieder zu Gnaden angenommen vom heiligen Vater , mußte es sein , der abermals durch eine mit dem größten und salbungsvollsten Ernst versponnene Intrigue gewaltiges Aergerniß erregte vor dem päbstlichen Stuhl . Aber in Frankreich war der Katholizismus lange der Bewegung verfallen , in Frankreich , das die ersten Kriegsheere gegen die Legitimität auf den Schauplatz der Geschichte gestellt hat . Sobald sich dies Volk bestimmt in dem Gedanken gefaßt hatte , daß es das Volk der Bewegung sei für die neueren Zeiten , wurde es ihm nothwendig , den Begriff der Staatsreligion aufzuheben im Lande . Der Katholizismus , die Religion der Legitimität , konnte nicht mehr Religion sein des an die Bewegung hingegebenen Staates . So wurde die Idee der Aufhebung der Staatsreligion zuerst unter den Franzosen lebendig , aus keinem andern Grunde aber , als weil diese Staatsreligion der Katholizismus war . Denn in dem auf ähnlichen politischen Institutionen beruhenden England , wo die herrschende Kirche die protestantische ist , bleibt der Begriff der Staatsreligion bis jetzt noch erhalten . Mir gefiel der kleine Herzog von Bordeaux . Er zögerte etwas , den ihm vorgehaltenen Reliquienknochen zu küssen . Und der Herzog von Bordeaux ist noch ein Kind . Gehört ein Kind auch schon der Stabilität an ? Ich dächte , das muthigste Prinzip der Bewegung schlummert im Kinde , durch die neugepflügte Seele des Kindes geht ungeduldig der Blüthendrang der Bewegung . Ein Unterpfand des Fortschrittes , ein Kind ! Das Kind will und muß wachsen und werden , mit hellen Augen sieht es Alles aus dem Gesichtspunct der Zukunft an , und die Welt ist ihm noch die ganze Zukunft . In der Gegenwart nicht festgewurzelt , von der Vergangenheit nicht zurückgehalten , gibt es sich lächelnd an die Entwickelung hin , und zerstört in aller Unschuld alte Gesetze , indem es auf den neuen wie ein junger Gott sich wiegt . Die Hoffnung weht um seinen lockigen Scheitel , die Sehnsucht dehnt Brust und Glieder aus zu schwellenden Formen , und die innere Wärme des Daseins macht eine knospende Gestalt des Frühlings aus ihm . Das Kind bricht auseinander in Blüthe , es weiß nicht wie . Der Segen der allgemeinen Entfaltung hat sich gleich befruchtendem Himmelsthau über die Empfänglichkeit seines Wesens ergossen . Darum denke ich mir gern in einem eingefleischt legitimen und absolutistischen Reiche plötzlich ein unschuldiges , unmündiges Kind auf den Thron , und es ist merkwürdig , wie mir die neueste Tagesgeschichte diese meine ächt historische Schadenfreude verwirklicht . Zwar nicht meinen kleinen Herzog von Bordeaux , dessen kluges Knabengesicht mir so wohlgefallen , hat sie auf den französischen Thron gesetzt , um ihn für die Bewegung zu erziehen , und so in ihm das Vergangenheitsrecht der Legitimität mit dem jungen Recht der Zukunft zu verschmelzen . Aber seht , in Spanien , dieser uralten dunkeln Stätte des zwischen Katholizismus und Legitimität geschlossenen Schwesterbundes , in Spanien schaukelt sich ein kleines frisches Mägdlein in der Wiege , und diese Wiege , an der im Lande früher nicht gesehene Engel sitzen , ist der castilianische Thron . Und rings umher im Reiche , welche Veränderung , ja , welches Schicksal ! Ist es Spanien , ist es wirklich das seit langen Jahren geschichtlich todte Spanien , das jetzt einzig nur in den freien und neuen Institutionen sich beglückt , gesichert und erlöst dünken kann ? Ein holdes Kind schläft in der Wiege , und das Volk gewinnt Muth , zu erwachen . Die Partei des Kindes ist die liberale , denn sie sieht das Kind an , und denkt bei ihm an die Werdefreiheit der Zukunft . Und das Kind träumt auf seinem Wiegenthron ruhig hin von fernen Morgenröthen , und wenn es einst die größer gewordenen Augen um sich her aufschlägt , wird es die Sonne der Freiheit über Spanien heraufgeführt sehen , und unter diesem Sonnenschein , von dem es geträumt , dann herrschen . Aber noch wird Isabella blutige und kriegerische Tage an ihr Ohr schlagen hören , ehe die Bewegung der Freiheit den Segen des Friedens bringt . Denn in Spanien , weil es katholisch ist , wirkt jede Spaltung auch als eine religiöse , und die Legitimität läßt sich nicht erschüttern , ohne auch dem Katholizismus ein Grab zu graben . Unabsehbar sind daher noch die Mittel der innern Beruhigung , und ich glaube , daß Spanien vorerst nichts Wirksameres zu ergreifen hat , als Frankreich in der Aufhebung der Staatsreligion zu folgen . Und nun sehet auch hin auf die altherrliche Nachbarin Spaniens , das von Camoëns gesungene