Hier kommen wir wieder auf das heilige Kapitel , - da hören wir auch zu , aber wir sprechen nicht mit , - aber wir hören , wie sie untereinander sprechen , und das erschüttert uns , das ergreift uns ; - ja sie sprechen untereinander , wir hören und empfinden , daß sie eins werden im Gespräch . - Drum , das wahre Sprechen ist eine Harmonie , ohne Scheidung alles in sich vereint ; - wenn ich Dir die Wahrheit sage , so muß Deine Seele in meine überfließen , - das glaub ich . Wo kommen sie her , diese Geister der Musik ? - Aus des Menschen Brust ; - er schaut sich selber an , der Meister ; - das ist die Gewalt , die den Geist zitiert . Er steigt hervor aus unendlicher Tiefe des Inneren , und sie sehen sich scharf an , der Meister und der Geist , - das ist die Begeistrung ; - so sieht der göttliche Geist die Natur an , davon sie blüht . - Da blühen Geister aus dem Geist ; sie umschlingen einander , sie strömen aus , sie trinken einander , sie gebären einander ; ihr Tanz ist Form , Gebild ; wir sehen sie nicht - wir empfinden ' s und unterwerfen uns seiner himmlischen Gewalt ; und indem wir dies tun , erleiden wir eine Einwirkung , die uns heilt . - Das ist Musik . O , glaub gewiß , daß wahre Musik übermenschlich ist . Der Meister fordert das Unmögliche von den Geistern , die ihm unterworfen sind , - und siehe , es ist möglich , sie leisten es . - An Zauberei ist nicht zu zweifeln , nur muß man glauben , daß das Übermächtige auch im Reich der Übermacht geleistet werde , und daß das Höchste von der Ahnung , von dem Streben desjenigen abhänge , dem die Geister sich neigen . Wer das Göttliche will , dem werden sie Göttliches leisten . Was ist aber das Göttliche ? - Das ewige Opfer des menschlichen Herzens an die Gottheit : - dies Opfer geht hier geistigerweise vor ; und wenn es der Meister auch leugnet , oder nicht ahnt , - es ist doch wahr . - Erfaßt er eine Melodie , so ahnet er schon ihre Vollkommenheit , und das Herz unterwirft sich einer strengen Prüfung , es läßt sich alles gefallen , um dem Göttlichen näherzukommen ; je höher es steigt , je seliger ; und das ist das Verdienst des Meisters , daß er sich gefallen lasse , daß die Geister auf ihn eindringen , ihm nehmen , sein Ganzes vernichten , daß er ihnen gehorcht , das Höhere zu suchen unter ewigen Schmerzen der Begeistrung . Wo ich das alles , und einzig , was ich gehört habe , war Musik . Wie ich aus dem Kloster kam nach Offenbach , da lag ich im Garten auf dem Rasen und hörte Salieri und Winter , Mozart und Cherubini , Haydn und Beethoven . Das alles umschwärmte mich ; ich begriff ' s weder mit den Ohren noch mit dem Verstand , aber ich fühlte es doch , während ich alles andre im Leben nicht fühlte ; das heißt , der innere , höhere Mensch fühlt es ; und schon damals fragte ich mich : » Wer ist das , der da gespeist und getränkt wird durch Musik , und was ist das , was da wächst und sich nährt , pflegt und selbsttätig wird durch sie ? « - Denn ich fühlte eine Bewegung zum Handeln ; ich wußte aber nicht , was ich ergreifen sollte . Oft dachte ich , ich müsse mit fliegender Fahne voranziehen den Völkern ; ich würde sie auf Höhen führen über den Feind , und dann müßten sie auf mein Geheiß , auf meinen Wink hinunterbrausen ins Tal und siegend sich verbreiten . Da sah ich die roten und weißen Fähnlein fliegen und den Pulverdampf in den sonneblendenden Gefilden ; da sah ich sie heransprengen im Galopp - die Siegesboten , mich umringen und mir zujauchzen ; da sah und fühlte ich , wie der Geist in der Begeistrung sich löst und zum Himmel aufschwingt ; die Helden , an den Wunden verblutend , zerschmettert , selig aufschreiend im Tod , ja und ich selbst hab es mit erlebt , - denn ich fühlte mich auch verwundet und fühlte , wie der Geist Abschied nahm , gern noch verweilt hätte unter den Palmen der Siegesgöttin und doch , da sie ihn enthob , auch gern sich mit ihr aufschwang . Ja , so hab ich ' s erlebt und anderes noch : wo ich mich einsam fühlte , in tiefe wilde Schluchten sah , nicht tief - untief ; unendliche Berge über mir , ahnend die Gegenwart der Geister . Ja , ich nahm mich zusammen und sagte : » Kommt nur , ihr Geister , kommt nur heran ; weil ihr göttlich seid und höher als ich , so will ich mich nicht wehren . « Da hörte ich aus dem unsäglichen Gebraus der Stimmen die Geister sich losreißen ; - sie wichen voneinander - ich sah sie aus der Ferne in glänzendem Fluge mir nahen ; durch die himmlische blaue Luft verdufteten sie ihre silberne Weisheit , und sie neigten sich in den Felsensaal herab und strömten Licht über die schwarzen Abgründe , daß alles sichtbar war . Da sprangen die Wellen in Blumen in die Höhe und umtanzten sie , und ihr Nahen , ihr ganzes Sprechen war ein Eindringen ihrer Schönheit auf mich , daß meine Augen sie kaum faßten mit allem Beistand des Geistes - und das war ihre ganze Wirkung auf mich . O Goethe ! Ich könnte Dir noch viele Gesichte mitteilen ; ja ich glaub ' s , daß Orpheus sich umringt sah von den wilden Tieren , die in süßer Wehmut aufstöhnten mit den Seufzern seines Gesangs ; ich