Sie in der Freundschaft schwankend , in allen andern Verhältnissen schwach und ängstlich erscheinen läßt ? Während Sie sich einbilden , die Gränzen einer Region bewacht zu haben , welche Sie meinem schwachen Vermögen anweisen , vergessen Sie , daß Ihr Eifer ziemlich ins Schrankenlose ausartet , und ich viel Muth haben muß , um einen Brief zu beantworten , der so auf Schrauben steht und nichts oder zu viel sagt . Ich wiederhole es Ihnen , ich bin unbefangen , und gebe mich so . Auf dieser Unbefangenheit beruht mein Vertrauen zu Ihnen , mein Verhältniß zu Ihrem Hause . Zeigen Sie sich ängstlich , so haben Sie mich nie gekannt . Deutlicher mag ich hier nicht reden . Genug , ich wünsche nicht , daß auch Sie dem ganz Natürlichen künstliche Farben anlegen . Die häusliche Unzufriedenheit , die Sie jetzt wohl zu Zeiten drückt , macht Sie zum Sclaven Ihrer Stimmung . Der Unwille darüber steigert die Empfindlichkeit in Ihnen bis zur Leidenschaft . Ich kann das begreifen und verzeihen . Allein so weit dürfen Sie sich nicht vergessen , daß Sie Emma ' s Weg durchkreuzen . Sind Sie unbillig genug , ihrer Freiheit zu nahe zu treten , während Sie eifersüchtig über die eigene wachen ? Lassen Sie sie gehen , wie sie kann . Ich verstehe Ihre Unruhe über einen Briefwechsel nicht , der ganz natürlich auf dem Verhältniß gegenseitiger Uebereinstimmung beruht . Wollen Sie den Austausch aller Ansichten hemmen , die nicht die Ihrigen sind , wen nennen Sie denn noch Tyrann in Ihrem Geschlechte , wenn Sie es nicht sind ? Ich habe mich geschämt in Ihre Seele , daß Sie eine Zufälligkeit blos darum so hoch anschlagen , weil sie zu ungewöhnlicher Stunde Ihre kranke Phantasie erschütterte . Wie , wenn der hausirende Walter Ihnen heute Abend meinen Brief eben so unerwartet überbrächte , wäre er auf verbotenem Wege zu Ihnen gelangt ? Emma mag glauben und denken wie sie will , sie hat einen hohen Sinn , und kleinliche Machinationen sind Niemand fremder als ihr . Fürchten Sie übrigens nichts von Tavanelli . Leute seiner Art , sind entweder bei näherer Beleuchtung anders , als wir sie uns denken , oder dieser ist zu weich und erregbar , um sich in strenger Abgeschlossenheit bewahren zu können . Er wird nie meinen Rechten auf Georg zu nahe treten , und nicht um die Welt , könnte er mich in dem Knaben verletzen . Ich denke , wir werden uns wohl verständigen . Ueber den ersten Schreck hinaus , konnte es auch nicht fehlen , daß mich ein ordentlicher Entschluß zu gewünschten Resultaten führen mußte . Taugte der Mann nur etwas , so ließ sich leicht abnehmen , daß wir auf gemeinschaftlichem Wege einander nicht fremd bleiben würden . Und nun ich Sie gescholten und beruhigt habe , mein armer Freund ! will ich Sie auch bedauern , und Ihnen die Last unvermeidlicher Widersprüche tragen helfen , die zu gewissen Zeiten , und in manchen Stimmungen geringern Widerstand als sonst in uns finden . Man kann da mit Niemanden rechten , warum er die Dinge so und nicht anders sieht ? Es giebt nur einen Gesichtspunkt für ihn . Hugo , Sie haben sich selbst bei dem Kauf um Ruhe und Frieden gebracht . Jetzt reuet Sie der Handel ; zumal , da man nicht müde werden wird , zu fordern , und Sie doch einmal » Halt ! « rufen müssen . Das kommt von dem gleichgültigen Geschehen lassen . Man wußte es hier gleich , daß der Fürst bei Ihnen war , und fabelt davon allerlei . Können Sie denn nicht einen Augenblick stehlen , um zu mir zu kommen ? Ich habe Ihnen tausenderlei zu sagen , was sich nicht schreiben läßt , was ich wenigstens nicht weitläuftig abhandeln mag . Oft sind ein Paar mündliche Worte von unermeßlichem Werthe ! Bedenken Sie dieses ! Antwort Oft sind ein Paar mündliche Worte von unermeßlichem Werthe . Ja , Elise , ja , ich habe es bedacht . Sie haben recht . Es ist allerdings nothwendig , daß wir uns sprechen . Ich komme . Aber nicht zu Ihnen , nicht nach der Stadt . Ich kann , ich darf nicht . Ich werde Ihnen das Alles erklären , wenn wir uns sehen . Wann ? wo das sein wird ? Morgen , Elise , morgen bei der Tannenhäuserin , eine Spatzierfahrt giebt Ihnen leicht den Vorwand . Ich bitte Sie , schlagen Sie Ihrem Freunde den Wunsch , an welchem seine Ruhe hängt , nicht ab . Nur ein Paar flüchtige Minuten sollen Sie mir schenken . Ich muß , hören Sie wohl ! ich muß mit Ihnen reden . Sie wissen nicht , wie es hier steht . O , wenn Sie meine Freundin sind , werden Sie anstehen , es mir zu beweisen ? Ich zähle auf Sie , und zweifle nicht , Sie bei dem milden Frühlingswetter im Walde zu treffen . Der Caplan Tavanelli an Leontin Ihr Schutz , mein lieber Herr Baron , geleitete mich in dies Haus . Ihre wohlwollende Theilnahme half meine Schüchternheit überwinden . Sie sind so gut , ich habe Sie so lieb , daß mich mein Herz treibt , Ihnen eine Schwäche , und meine Angst darüber , zu entdecken . Bester Herr Baron , was ist es doch mit dem Menschen , daß er nicht eine Stunde seiner selbst gewiß sein darf ! Es war so still in mir . Jedes schien auf seinem Platze , in einfacher , natürlicher Verbindung nach erkannten Gesetzen zu wirken . Ich fühlte mich leicht , mit meinem Gewissen in Ruhe . Alle erlittenen Drangsale , die Stürme früher Jugend , die unaussprechlichen Kämpfe des schwachen , ringenden Innern , es trat mir der ganzen Vergangenheit , wie gesunkener Nebel , zurück . Der frei gewordene Himmel , die milde Klarheit um mich her , mein besänftigtes , gestilltes Herz - ich