Handschlag dessen , den er noch vor einem Augenblick als seinen bittersten Feind angesehen hatte , empfangen sollte oder nicht ? » Wer ist es , der mir die Hand beut ? « fragte er ; » ich habe Euch meinen Namen genannt , und könnte wohl billigerweise dasselbe von Euch verlangen . « Der Unbekannte schlug den Mantel auseinander , schob das Barett zurück , und der Mond beleuchtete ein Gesicht voll Würde , und Georg begegnete einem glänzenden Auge , das den Ausdruck gebietender Hoheit trug . » Fraget nicht nach Namen « , sprach er , indem ein Zug von Wehmut um seinen Mund blitzte » ich bin ein Mann , und dies mag Euch genug sein ; wohl führte auch ich einst einen Namen in der Welt , der sich mit dem ehrenwertesten messen konnte , wohl trug auch ich die goldenen Sporen und den wallenden Helmbusch , und auf den Ruf meines Hüfthorns lauschten viele hundert Knechte , er ist verklungen . Aber eines ist mir geblieben « , setzte er mit unbeschreiblicher Hoheit hinzu , indem er die Hand des jungen Mannes fester drückte , » ich bin ein Mann und trage ein Schwert , Si fractus illabatur orbis Impavidum ferient ruinae . « Er drückte das Barett wieder in die Stirne , zog seinen Mantel hoch herauf , und ging vorüber in den Wald . Georg stand in stummem Erstaunen auf sein Schwert gestützt . Der Anblick dieses Mannes - es war ihm unbegreiflich - hatte alle Gedanken der Rache in seinem Herzen ausgelöscht . Dieser gebietende Blick , dieser gewinnende , wohlwollende Zug um den Mund , das tapfere , gewaltige Wesen dieses Mannes , erfüllten seine Seele mit Staunen , mit Achtung , mit Beschämung . Er hatte geschworen , mit Marien in keiner Berührung zu stehen , er hatte es bekräftigt mit jener tapfern Rechten , die noch eben die gewichtige Klinge leicht wie ein Spiel geführt hatte ; er hatte es bestätigt mit einem jener Blicke , deren Strahl Georg wie den der Sonne nicht zu ertragen vermochte , eine Bergeslast wälzte sich von seiner Brust , denn er glaubte , er mußte glauben . Wenn man bedenkt , wie sehr zu jener Zeit körperliche Eigenschaften gewogen und angeschlagen wurden , wie man Tapferkeit auch an dem Feinde hochschätzte und achtete , wie das Wort eines anerkannt tapferen Mannes so fest stand , wie der Schwur auf die Hostie , wenn man ferner bedenkt , wie groß die Wirkung eines anmutigen , oder aber eines imponierenden Äußern auf ein jugendliches Gemüt ist , so wird man sich über die Veränderung nicht zu sehr wundern , welche in diesen kurzen Augenblicken mit der Gesinnung des Jünglings vorging . » Wer ist dieser Mann ? « fragte Georg den Pfeifer , der noch immer neben ihm stand . » Ihr hörtet ja , daß er keinen Namen hat , und auch ich weiß ihn nicht zu nennen . « » Du wüßtest nicht , wer er sei ? « entgegnete Georg , » und doch hast du ihm beigestanden , als er mit mir focht ? gehe ! Du willst mich belügen ! « » Gewiß nicht Junker « , antwortete der Pfeifer ; » es ist , Gott weiß es , wahr , daß jener Mann derzeit keinen Namen hat , wenn Ihr übrigens durchaus erfahren wollet , was er ist , so wisset , er ist ein Geächteter , den der Bund aus seinem Schloß vertrieb ; einst aber war er ein mächtiger Ritter im Schwabenland . « » Der Arme ! darum also ging er so verhüllt ? und mich hielt er wohl für einen Meuchelmörder ! ja ich erinnere mich , daß er sagte , er wolle sein Leben teuer genug verkaufen . « » Nehmt mir nicht übel , werter Herr « , sagte der Bauer , » auch ich hielt Euch für einen , der dem Geächteten auf das Leben lauern soll , darum kam ich ihm zu Hülfe , und hätte ich nicht Eure Stimme noch gehört , wer weiß , ob Ihr noch lange geatmet hättet . Wie kommt Ihr aber auch um Mitternacht hieher , und welches Unheil führt Euch gerade dem geächteten Mann in den Wurf . Wahrlich , Ihr dürft von Glück sagen , daß er Euch nicht in zwei Stücke gehauen , es leben wenige die vor seinem Schwert standgehalten hätten . Ich vermute , die Liebe hat Euch da einen argen Streich gespielt ! « Georg erzählte seinem ehemaligen Führer , welche Nachrichten ihm im Hirsch in Pfullingen mitgeteilt worden seien . Namentlich berief er sich auf die Aussage der Amme , des Pfeifers Schwester , die ihm so höchst wahrscheinlich gelautet habe . » Dacht ich ' s doch , daß es so was sein müsse « , antwortete der Pfeifer . » Die Liebe hat manchem noch ärger mitgespielt , und ich weiß nicht was ich in jungen Jahren in ähnlichem Fall getan hätte . Daran ist aber wieder niemand schuld als meine Rosel , die alte Schwätzerin ; was hat sie nötig der Wirtin im Hirsch , die auch nichts bei sich behalten kann , zu beichten ? « » Es muß aber doch etwas Wahres an der Sache sein « , entgegnete Georg , in welchem das alte Mißtrauen hin und wieder aufblitzte . » So ganz ohne Grund konnte doch Frau Rosel nichts ersinnen ! « » Wahr ? etwas Wahres müsse daran sein ? allerdings ist alles wahr nach der Reihe ; die Knechte werden zu Bett geschickt und die alte Aufpasserin auch , um eilf Uhr kommt der Mann , vor das Schloß , die Zugbrücke fällt herab , die Tore tun sich ihm auf , das Fräulein empfängt ihn und führt ihn in die Herrenstube - « » Nun ? siehst du « , rief Georg ungeduldig , » wenn dieses alles wahr ist , wie kann dann jener Mann