jetzt Apollonia und Berthold ein , grüßten , erzählten , wie sie im Garten des wunderbaren Zusammentreffens , der noch wunderbareren Trennung gedacht hätten , die Annen das Leben geschenkt habe . Berthold erzählte noch , es sei ihm einen Augenblick vollkommen wie damals zu Mute gewesen und sie hätten sich wie ein Paar Verliebte geküßt ; dann habe er noch eine Inschrift an die Stelle gesetzt , wo ihm so viel Glück geworden . Alle gingen hinunter , diese Inschrift an Ort und Stelle zu hören , und Berthold las sie mit inniger Rührung , es war eine Art Gebet : Gib Liebe mir und einen frohen Mund , Daß ich dich , Herr der Erde tue kund , Gesundheit gib bei sorgenfreiem Gut , Ein frommes Herz und einen festen Mut ; Gib Kinder mir , die aller Mühe wert , Verscheuch die Feinde von dem trauten Herd ; Gib Flügel dann und einen Hügel Sand , Den Hügel Sand im lieben Vaterland , Die Flügel schenk dem abschiedschweren Geist , Daß er sich leicht der schönen Welt entreißt . Anna wurde von dem Gebete sehr ergriffen , sie versprach ihm mehr , als der Himmel ihm geben könne . Es wurde von der Einrichtung des Hauses gesprochen und ehe noch Hildegard davon anfing , erklärte Apollonia , sie wolle weder auf Kosten , noch im Hause ihres lieben künftigen Schwiegersohns leben , aber die Stadt gefalle ihr wieder von neuem , sie höre , daß ihr ein mütterliches Erbe zugefallen sei , worauf die Stadt keinen Anspruch machen könne , sie wolle sich ankaufen , bis sie in den letzten Jahren zu dem Kloster zurückkehre , welchem sie damals entrissen worden . Frau Hildegard machte trotz aller Gegenrede Bertholds , der Apollonien nicht aus dem Hause lassen wollte , ihren Vorschlag wegen des Nachbarhauses , er gefiel Apollonien , doch gab Berthold nur ungern seinen Willen darein , weil beide Häuser durch ein schmales Fußgängergäßchen getrennt waren , so daß keine andre Verbindung , als durch das Zubauen der allgemeinen Straße zwischen den beiden gestiftet werden könnte . Das Nachbarhaus wurde jetzt in Augenschein genommen . Es fand sich neu und dauerhaft , denn es wurde erst vor wenig Jahren auf der wüsten Stelle gebaut , nur konnte sich Frau Apollonia nicht zufrieden geben , daß ein Brunnen fehle , der ihr als eins der liebsten und wesentlichsten Teile der Wirtschaft erscheine . Bertholds Baulust machte gleich einen kühnen Plan . Auch ihm mangelte ein tiefer Brunnen in seinem Hofe , nur trübe , moorichte Quellen sammelten sich in dem Behälter , das er damals bei der ersten Besitznahme des Gebäudes ausgegraben hatte , zum Ersatz hatte ihm immer der schöne , tiefe Marktbrunnen gedient , der doch sehr unbequem weit vom Hause ablag . Jetzt fiel ihm ein , beiden Häusern den Dienst zu erweisen durch einen gemeinschaftlichen Brunnen zwischen beiden , ihnen nicht nur ein tieferes , reines Quellwasser , sondern auch die Freude der Verbindung am Brunnen wie den Altvätern der Bibel in den Wüsten Asiens zu verschaffen . Zwar mußte dann die kleine Straße , die dem ganzen Städtlein nützlich war , um zu den Bleichplätzen auf kurzem Wege zu gelangen auf immer geschlossen werden . Er schwankte , aber Apollonia trieb ihn mit der Bewunderung seines Anschlags über sein gutes Gewissen und seine Besonnenheit als Bürgermeister hinaus . Er fühlte , daß er unrecht habe , ganz deutlich ; unrecht , weil er die ehrwürdige Scheidewand des Hohenstaufenpalasts durchbrach ; unrecht , als Verwalter des öffentlichen Vorteils , aber der Gedanke war ihm zu süß , er konnte sich nicht losreißen , er hätte gleich in Ungeduld Hand ans Werk legen mögen . Er hatte so viele Gaben himmlischer Gnade erhalten , daß ihn der Mangel dieses Brunnens so quälte , als ob alles , was er besitze , gar nichts dagegen bedeute . Schon versuchte er den Boden , ob er fest sei , da hörte er Frauen in dem Gäßchen , die rühmten dies Gäßchen , wie es so reinlich und fest sei , der Regen schade gar nicht , kein Wagen komme ihnen da entgegen , wenn sie mit dem Linnen bepackt wären , die Kinder könnten da auch so sicher spielen , ohne Gefahr übergefahren zu werden . Es rief in ihm , dies sei die Stimme eines warnenden Engels , aber der Teufel stand auch schon neben ihm , der Doktor Faust , der , wieder angekommen aus der Fremde , sich nach seinem Wohlsein erkundigte und die Unterredung behorcht hatte . Er fühlte Bertholds Puls und sagte , sein Blut verdicke sich , es fehle ihm entweder an Luftbewegung , oder an fleißigem Gebrauche des reinen Wassers . Frau Apollonia fiel ihm in die Rede , daß es an der Seite der Stadt nur einen öffentlichen Brunnen gebe , der natürlich so verunreinigt würde , sie könne nicht leben , ohne einen Brunnen in ihrem Hause zu haben . Faust gab ihr mit schrecklich wichtiger Gebärde allen Beifall , wollte aber von der Wunderkur anfangen , wie er Berthold ein frisches Lebensblut verschafft habe und daß er dies schonen müsse ; da führte ihn Berthold unter einem Vorwande bei Seite , steckte ihm eine Hand voll Geld zu , sagte ihm , er müsse diese Wunderkur verschweigen , weil er sich schäme , durch fremdes Blut genesen zu sein . Faust grinste über das seltsame Geheimnis und brummte : » Ihr meint wohl , die Frau möchte nach dem fragen , der Euch das Blut gegeben , Ihr solltet ihn einmal jetzt sehen , das ist ein rechter Heidengott , ein junger Herkules geworden , er wächst wie Holunder und ist fest wie Hagebuche . Seid ruhig , ich will schweigen , aber erfrischt Euch an gutem Wasser , ich sage Euch , ich habe es in den Füßen , wo Quellen liegen , mir wird da so wohl , als stiege ich in ein Bad