lustig , wie jeder mit sichtlicher Qual darnach rang , in Wort und Miene recht sonntagsmäßig vor der Fremden zu erscheinen . Aurelie nahm diese Huldigungen mit niedergeschlagenen Augen , in holder Anmut hoch errötend , auf ; aber als nun der Fürst die älteren Männer um sich sammelte und mancher bildschöne Jüngling sich schüchtern mit freundlichen Worten Aurelien nahte , wurde sie sichtlich heitrer und unbefangener . Vorzüglich gelang es einem Major von der Leibgarde , ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen , so daß sie bald in lebhaftem Gespräch begriffen schienen . Ich kannte den Major als entschiedenen Liebling der Weiber . Er wußte mit geringem Aufwande harmlos scheinender Mittel Sinn und Geist aufzuregen und zu umstricken . Mit feinem Ohr auch den leisesten Anklang erlauschend , ließ er schnell wie ein geschickter Spieler alle verwandte Akkorde nach Willkür vibrieren , so daß die Getäuschte in den fremden Tönen nur ihre eigne innere Musik zu hören glaubte . - Ich stand nicht fern von Aurelien , sie schien mich nicht zu bemerken - ich wollte hin zu ihr , aber wie mit eisernen Banden gefesselt , vermochte ich nicht , mich von der Stelle zu rühren . - Noch einmal den Major scharf anblickend , war es mir plötzlich , als stehe Viktorin bei Aurelien . Da lachte ich auf im grimmigen Hohn : » Hei ! - Hei ! Du Verruchter , hast du dich im Teufelsgrunde so weich gebettet , daß du in toller Brunst trachten magst nach der Buhlin des Mönchs ? « - Ich weiß nicht , ob ich diese Worte wirklich sprach , aber ich hörte mich selbst lachen und fuhr auf wie aus tiefem Traum , als der alte Hofmarschall , sanft meine Hand fassend , frug : » Worüber erfreuen Sie sich so , lieber Herr Leonard ? « - Eiskalt durchbebte es mich ! Waren das nicht die Worte des frommen Bruders Cyrill , der mich ebenso frug , als er bei der Einkleidung mein freveliges Lächeln bemerkte ? - Kaum vermochte ich , etwas Unzusammenhängendes herzustammeln . Ich fühlte es , daß Aurelie nicht mehr in meiner Nähe war , doch wagte ich es nicht , aufzublicken , ich rannte fort durch die erleuchteten Säle . Wohl mag mein ganzes Wesen gar unheimlich erschienen sein ; denn ich bemerkte , wie mir alles scheu auswich , als ich die breite Haupttreppe mehr herabsprang als herabstieg . Ich mied den Hof , denn Aurelien ohne Gefahr , mein tiefstes Geheimnis zu verraten , wiederzusehen , schien mir unmöglich . Einsam lief ich durch Flur und Wald , nur sie denkend , nur sie schauend . Fester und fester wurde meine Überzeugung , daß ein dunkles Verhängnis ihr Geschick in das meinige verschlungen habe und daß das , was mir manchmal als sündhafter Frevel erschienen , nur die Erfüllung eines ewigen unabänderlichen Ratschlusses sei . So mich ermutigend , lachte ich der Gefahr , die mir dann drohen könnte , wenn Aurelie in mir Hermogens Mörder erkennen sollte . Dies dünkte mir jedoch überdem höchst unwahrscheinlich . - Wie erbärmlich erschienen mir nun jene Jünglinge , die in eitlem Wahn sich um die bemühten , die so ganz und gar mein eigen worden , daß ihr leisester Lebenshauch nur durch das Sein in mir bedingt schien . - Was sind mir diese Grafen , diese Freiherren , diese Kammerherren , diese Offiziere in ihren bunten Röcken - in ihrem blinkenden Golde , ihren schimmernden Orden anders als ohnmächtige , geschmückte Insektlein , die ich , wird mir das Volk lästig , mit kräftiger Faust zermalme . - In der Kutte will ich unter sie treten , Aurelien bräutlich geschmückt in meinen Armen , und diese stolze feindliche Fürstin soll selbst das Hochzeitslager bereiten dem siegenden Mönch , den sie verachtet . - In solchen Gedanken arbeitend , rief ich oft laut Aureliens Namen und lachte und heulte wie ein Wahnsinniger . Aber bald legte sich der Sturm . Ich wurde ruhiger und fähig , darüber Entschlüsse zu fassen , wie ich nun mich Aurelien nähern wollte . - Eben schlich ich eines Tages durch den Park , nachsinnend , ob es ratsam sei , die Abendgesellschaft zu besuchen , die der Fürst ansagen lassen , als man von hinten her auf meine Schulter klopfte . Ich wandte mich um , der Leibarzt stand vor mir . » Erlauben Sie mir Ihren werten Puls ! « fing er sogleich an und griff , starr mir ins Auge blickend , nach meinem Arm . » Was bedeutet das ? « frug ich erstaunt . » Nicht viel , « fuhr er fort , » es soll hier still und heimlich einige Tollheit umherschleichen , die die Menschen recht banditenmäßig überfällt und ihnen eins versetzt , daß sie leicht aufkreischen müssen , klingt das auch zuweilen nur wie ein unsinnig Lachen . Indessen kann alles auch nur ein Phantasma oder jener tolle Teufel nur ein gelindes Fieber mit steigender Hitze sein , darum erlauben Sie Ihren werten Puls , Liebster ! « - » Ich versichre Sie , mein Herr , daß ich von dem allen kein Wort verstehe ! « So fiel ich ein , aber der Leibarzt hatte meinen Arm gefaßt und zählte den Puls mit zum Himmel gerichtetem Blick - eins - zwei , drei . - Mir war sein wunderliches Betragen rätselhaft , ich drang in ihn , mir doch nur zu sagen , was er eigentlich wolle . » Sie wissen also nicht , werter Herr Leonard , daß Sie neulich den ganzen Hof in Schrecken und Bestürzung gesetzt haben ? - Die Oberhofmeisterin leidet bis dato an Krämpfen , und der Konsistorial-Präsident versäumt die wichtigsten Sessionen , weil es Ihnen beliebt hat , über seine podagrischen Füße wegzurennen , so daß er , im Lehnstuhl sitzend , noch über mannigfache Stiche beträchtlich brüllt ! - Das geschah nämlich , als Sie , wie von einiger Tollheit heimgesucht ,