erfreuten , auf den Baum und schüttelte und pflückte nach ihres Herzens Lust , die sich in der Arbeit mehrte . Die junge Frau sagt endlich etwas , das die Alte einem schreienden Kinde tun soll , sie erhält keine böse Antwort , verwundert sich und sieht , daß die Mutter schon aufgestanden sei ; gleich weiß sie , worauf das gehe : auch sie hatte gestern den Baum mit Sehnsucht angesehen ; sie springt heraus und findet die Alte , wie sie auf dem Birnbaume wütet . Das gab Schimpfreden , aber die Alte war so erbittert auf die Birnen , daß sie gar nicht vom Baume herunter zu bringen war , bis die Schwiegertochter sie wie eine Katze , oder wie ein Eichhorn herunterschüttelte , und sie unten am Boden wie ein näschiges Kind abstrafte . Da beide unrecht hatten , die Alte als Diebin , die Tochter wegen der zugefügten Mißhandlungen , so wurden sie nach heftigem Gestreite beide auf ein paar Stunden ins Gefängnis gebracht ; der arme Leineweber wollte aus Achtung gegen Mutter und Frau dabei verzweifeln , und ließ sich zu ihrer Unterhaltung mit einsperren . - Als der Graf seiner Frau diesen Schluß lachend meldete , fühlte sie sich doch gekränkt . » Ich finde es gar nicht zum Lachen « , sagte sie , » wenn meine Vorsprache dir so gar nichts gilt ; die Leute werden mir künftig alle Achtung versagen . « - Der Graf sah ärgerlich zum Fenster hinaus . Neunzehntes Kapitel Der Dichter Waller und seine Frau , Traugott und Alonso Er hatte kaum ein paar Minuten hinausgeblickt , als er seine Frau auf eine Gruppe aufmerksam machte , die den hohen Weg vorüber unter den palmenartigen Weiden wie ein Schattenspiel fortschritt . Ein wohlgekleideter Mann führte ein Pferd , auf welchem eine Frau in Betten eingepackt saß ; zwei Kinder ritten auf großen langgehörnten Ziegen nebenher . Unsre beiden Zuschauer eilten herunter die Leute näher zu betrachten und sie wurden von dem Manne , der in einem sehr ausgearbeiteten faltigen verbrannten haarichten Gesichte viel Geist verriet , angeredet . Er klagte , daß seine Frau , der diese Lustreise zur Gesundheit empfohlen , immer kränker würde ; zugleich bat er um ein Unterkommen . Der Graf erbot ihm alle seine Dienste , und führte selbst das Pferd nach einem Gartenhause , wo die Kranke keine Stufen zu steigen brauchte und doch aller Annehmlichkeit der Gegend genoß . Als sie sich auf dem Sopha eingerichtet , erhob sie den Schleier und zeigte ein so reizend sterbendes Gesicht , etwa in der Art , wie wir auf einigen altdeutschen Bildern von der sterbenden Maria sehen ; sie sprach wenig , aber dieses Wenige beschäftigte sich nach dem ersten Danke ganz mit Sorge für Mann und Kinder , daß sie die Zeit nicht ihretwegen versäumen möchten ; sie möchten ihre gewöhnten Arbeiten vornehmen . Nachdem dieses wenigstens von den Kindern geschehen und beide einige landschaftliche Skizzen auszuzeichnen begonnen hatten , redete sie erst die Wirte an und versicherte ihnen mit einer Art innerer Zufriedenheit , daß ihre Milde diesmal wohl angewendet sei , da ihr Haus durch die Gegenwart des großen Waller gesegnet werde , den als ihren Mann zu nennen , ihr höchster Stolz sei . Jetzt begannen allerlei Komplimente ; der Graf mochte nicht sagen , daß er seine meisten Gedichte für falsche Münze halte , welche die Eitelkeit mancherlei tönenden Worten ausgeprägt hatte ; die Gräfin mochte nicht eingestehen , wie hoch sie ihn verehre ; Waller entwickelte dabei in hoher Vollendung seine Manier , das Ernste spaßhaft , das Spaßhafte ernst zu nehmen , durch Sonderbarkeit zu verwirren , seine Vortrefflichkeiten als zu leicht auszuwerfen , und war bald so laut , als er vorher einsilbig gewesen . Seine Frau durfte ihrer Brust wegen wenig reden , sie legte zu ihrer Unterhaltung eine Rötelzeichnung von der Aussicht an , die alle umgab , bald ging ein Knabe hinaus , eine der Ziegen zu melken , und brachte ihr die Milch , die sie mit Lust austrank , dann gab sie beiden Kindern , dem Traugott und dem Alonso , die Freiheit umherzulaufen . Ohne eines Menschen zu achten , immer mit einander beschäftigt , holten die Knaben mancherlei Spielzeug aus den Taschen und begannen im Schlosse ein Durchsuchen , ein Umklettern , wie eine Diebesbande , oder wie ein paar neu angekaufte Hofhunde ; die Leute des Grafen wollten es ihnen wehren , er aber gönnte ihnen dieses Vergnügen , was ihm sehr natürlich in jedem Kinde vorkam , aber wunderbar , insofern sie sich ihm ganz unbesorgt überließen , als wäre die Welt ihre . Küche und Garten plünderten sie durch wie die Affen nur in dem Bedürfnisse des Augenblicks , ohne der Zukunft zu achten . Etwas von allen Tieren hatten sie auch wirklich in ihrer Bildung und in der Art ihrer Bewegung , vielerlei Fertigkeit , wenig Überlegung . Ihr Vater sagte mit Recht : » Es sind Menschen , wie die künftige Zeit sie brauchen kann , mit jeder Not vertraut , in Arbeit und Mühe und jeder Witterung abgehärtet . « Da Frau Waller Ruhe bedurfte , so ließ sich Waller mit seinen neuen Bekannten in ein Gespräch ein , wußte so schnell in alle Besonderheiten des Hauses einzudringen und sich darin zu fügen , daß er in einer Stunde mehr Herr darin zu sein schien , als der Graf . Für die Vertraulichkeiten , die er ihnen entlockt hatte , forderten sie gleiche Vertraulichkeit von ihm und er sprach mit einer Art Überhebung von sich ; seine Frau sei früher an einen reichen Kaufmann verheiratet gewesen , er habe sich in dem Geldmangel , worin er sich seit seiner Jugend befunden , auch an dieses Haus gewendet und sei wegen seiner Spaßhaftigkeit Tischgenosse geworden . Die Frau , die älter als er , habe sich in ihn verliebt , und um sie nicht unglücklich zu machen , ungeachtet sie ihm