, und in Pelz und Schleier gehüllt , eilte sie , an seinem Arm , der lustigen Fahrt entgegen . Zwei russische Knaben , fremd an Ansehn und Tracht , hielten zu Pferde neben dem Schlitten . Luise setzte sich hinein . Der Obrist breitete ein Tigerfell über ihre Füße , dessen Zipfel Goldfranzen einfaßten . Er selbst nahm sodann seinen Platz hinter ihr , und die Zügel leicht hebend , flogen sie pfeilschnell durch die Straßen und Thore der Stadt . Bald war diese weit hinter ihnen . Der geebnete Weg führte nach einem Walde , der sie plötzlich wie eine veränderte Welt umschloß . Ungleich thürmte sich der Schnee in großen Massen zwischen den Bäumen , die zum Theil ihre nackten Zweige starr in die eisige Luft streckten , oder die herabgezogenen Wipfel über einander neigten . Ueberall schien das Leben gewichen , hin und her sahe man auf der weißen Decke die Spur einzelnen Wildes . Freudig sprengten die Knaben mit wunderlich dumpfem Geschrei voran . Mein Rußland , rief der Obrist lebhaft ! und lenkte den Schlitten immer tiefer in den wildesten Theil des Waldes . Luise befand sich in einer Gegend , die sie früher nie betrat . Die Täuschung gewann immer mehr Gewalt über sie . Es war ihr wirklich , als ständen Vaterland und Freunde in unerreichbarer Weite , und alle losgerißne Banden schlängen sich einzig um den geliebten Mann , dem sie vertrauend unter rauhe Himmelsstriche folge . Sie zog den Schleier dicht an sich , und in einer Art behaglicher Selbstvernichtung ließ sie ihr Dasein sinnend in ein Fremdes übergehn . Vergeben Sie mir , sagte der Obrist , durch ihr Schweigen aufmerksam gemacht , vergeben Sie mir meine thörige Freude , die Sie so wenig theilen können . Ist denn der Mensch wie eine Pflanze an den heimathlichen Boden , wie an den eignen Leib gebunden ? Und ist nicht ein freies , höheres Verhältniß zum Leben , wie ein zweiter Leib zu betrachten , den er sich mit Wahl und Besonnenheit selbst schafft , durch den er zur Welt gehört und sich ihr kund giebt ? Warum streckt uns denn das Vaterland seine tausend Arme nach , und strebt uns in seine Mitte zurückzuziehen . Luise war in ihren Träumen verloren . Sie hatte einen großen Theil dieser Worte überhört , und fühlte nur des Obristen Hand , welche schmeichelnd die ihrige ergriffen hatte . Ihr Herz war voll der innigsten Liebe , und in dem Sinne sagte sie : gewiß , es ist überall schön , wo uns auch die Natur ein getrübtes Antlitz zuwendet . Es soll bald wieder heitrer werden , entgegnete der Obrist , der schon früher einen Nebenweg eingeschlagen , und nun über einzelne Hügel , welche die nahe Ebne verbarg , aus dem Walde bog . Eine breite , spiegelglatte Eisfläche lag hier vor ihnen , hinter welcher sich das fürstliche Schloß mit seinen vergoldeten Dächern und weißen Säulen feenartig erhob . Heller Lichtglanz war über die ganze Gegend ausgegossen , die in so magischer Beleuchtung das überraschte Auge blendete . Wie herrlich ! rief Luise , indem sie aufstand und mit der einen Hand den gehobnen Schleier hielt , während die andre auf des Obristen Schulter vertrauend ruhte . Der Schlitten gleitete indeß leicht über den festen Eisrücken des Stromes zu dem jenseitigen Ufer , an welches die Schloßgärten stießen . Lebhaft wurden hier Luisens Blicke durch halbgeöffnete Sonnenhäuser angezogen , die beim Vorüberfahren ihre innren Schätze ahnden ließen . Der Obrist schlug ihr vor , einige Augenblicke unter den Blumen auszuruhen , was sie dankbar annahm und in seiner Begleitung in die kunstreich geordneten Säle trat . Wie neugeboren begrüßte sie das frische Grün , das ihr aus den seltensten Gewächsen entgegen duftete . Der Gärtner trat höflich auf sie zu , sogleich bemüht , durch nähere Erklärungen die Eigenthümlichkeit der merkwürdigsten Pflanzen und Stauden anzugeben . Luise ergötzte sich an Allem . In froher Hast eilte sie den Andren voran , sah und bewunderte jedes zuerst , und trat so allein in ein kleines Cabinet , welches hohe Granaten und fruchttragende Orangen am Ende des Gebäudes bildeten . Das frischeste Moos bedeckte den Boden in einer Höhe , daß es zu den Seiten stehende Blumenbehältnisse verbarg , und so das Ansehn gewann , als lasse es den lachenden Blüthenteppich aus seinem Schoos hervorgehn . Die goldnen Früchte schienen Luisen recht eigentlich zu winken . Sie fühlte sich auf das Anmuthigste angezogen . Alte Mährchen von verzauberten Schlössern wurden wach in ihr . Dabei mußte sie an die Markise und Viola denken . Sie glaubte zu träumen . Der öde Wald , das starre Eis , und nun alle südliche Herrlichkeit ! Sie konnte sich eines lauten Freudenrufs nicht erwehren . Da war es , als bewegten sich hinter ihr die Zweige ; sie wandte sich , und bemerkte einen Mann , der schnell zu einer Seitenthür hinauseilte , ohne daß sie sein Gesicht sehen konnte . An der saubergestickten Uniform und dem dunkel gelockten Haar glaubte sie Cesario zu erkennen . Ihre Blicke waren noch auf die Thür geheftet , als ein Wagen an dem Hause vorüberfuhr , und sie unwillkührlich zum Fenster zog ; aber die verschlungnen grünen Zweige lagen wie ein Gewebe davor , und hinderten sie , etwas zu erkennen . Sie haben wohl öfter Besuch , sagte der Obrist , mit dem Gärtner hinzutretend . An solchen Tagen , erwiederte dieser , sind die Säle fast nie leer , besonders finden sich Ausländer und Fremde häufig ein , durch die Freiheit des Zutritts in allen fürstlichen Gebäuden angelockt . Der Blumenduft betäubte Luisen ; sie fühlte sich unwohl , und trieb zur Rückkehr ins Freie , wo sie alsbald den Weg nach der Stadt auf einer heitren , vielfach befahrnen Landstraße nahmen . Der Obrist sprach während des Fahrens noch viel über das Edle und Gefällige in der Bauart des Schlosses und seiner Umgebungen . Er