. Da sprengte der Anführer der Feinde heran , Constantins schlichte Rüstung mochte ihn getäuscht haben , er hielt mich für seinen Gegner , und in der Hoffnung , die Spoliae optimae4 zu erbeuten , zuckte er sein Schwert über mich . Ich stand abgewendet , der gewaltige Streich hatte mich tödten müssen , wenn nicht Constantin mit Schild und Arm ihn aufgefangen hätte . Im Augenblick der Rettung erst erkannte ich meine Gefahr , ich wandte mich , und mein Schwert rächte die Drohung , und Constantins Wunde . Der Perser fiel , die Seinigen zerstreuten sich , wir sprengten ungehindert über die Brücke , die sogleich hinter uns abgeworfen wurde , und erst hier , als wir von unsern Pferden sprangen , fand ich den Augenblick , meinem Retter zu danken . Auch er fühlte erst jetzt seine Wunde , und sank halb ohnmächtig in meine Arme . Wir hielten uns fest umschlungen . Du bist mein , rief er , ich habe dich mit meinem Blute erkauft . - Ich drückte ihn an mein Herz ; unsre Seelen , nicht unsere Lippen , schwuren sich ewige Treue . Ich trug ihn aus dem Gewühle , seine Leute eilten herbei , und was Liebe und Ergebenheit ersinnen konnte , wurde aufgeboten , um seinen Zustand zu erleichtern . Seine Wunde ist tief , aber nicht gefährlich . Ich lebe um ihn , ich schlafe an seiner Seite , tausend kleine Bande knüpfen uns jeden Tag fester , und mein Herz öffnet sich willig und freudig erhebenden Gefühlen , Aussichten und Planen , die Constantins Verhältnisse , seine Denkart , seine Freundschaft für mich mir in schönerer Zukunft zeigen . In weit umfassenden Entwürfen für die Menschheit verliert sich die Rücksicht auf einzelnen Schmerz , und vor dem lauten Rufe der Pflicht für ' s Ganze verstummt die Stimme bitterer Erinnerungen , wenigstens in so langen Zwischenräumen , daß der Geist Zeit und Kraft gewinnt , um den Satz deutlich zu erkennen , den man in guten Stunden so leicht ausspricht , und in trüben so schmerzlich zugibt , den Satz - daß Glückseligkeit nicht der Zweck des Einzelnen sey , und seine vielen Entsagungen und geringen Ansprüche darnach einzurichten . Fußnoten 1 Hierapolis , eine Stadt am rechten Ufer des Euphrats . Die Schlacht , welche hier beschrieben wird , findet sich beinahe mit allen Umständen der wirklich geschichtlichen Personen ( Constantin ausgenommen ) in dem 13. Kap . von Gibbons Geschichte . Daß ich sie von dem Jahre 296 auf 302 verlegt habe , wird man in einem Romane wohl verzeihen . 2 Geschichtlich . 3 Geschichtlich . 4 Spoilae optimae , wurde die Rüstung des feindlichen Heerführers genannt . 45. Constantin an Eneus Florianus . Hierapolis , im Junius 302 . Vielleicht hat das tausendzüngige Gerücht meinen geehrten Vater , und dich , meinen väterlichen Freund , mit dem Unglücke und der Niederlage unseres Heeres bekannt gemacht , ehe dieser Brief den weiten Raum zwischen den Ufern des Euphrats und der Tamasis zurücklegt . Auf jeden Fall werden die amtlichen Berichte des Diocletian und Galerius meinen Vater schon weitläufig von allen Umständen dieser unseligen Begebenheit unterrichtet haben ; ich enthalte mich also aller näheren Beschreibungen . Und die Ursache unseres Unglücks ? Die Unzufriedenheit der Offiziere und Soldaten flistert sie sich leise in ' s Ohr . Ich werde sie Niemand nennen , als meinem Vater und dir , denn nur Ihr kennt mich so , daß natürlicher Widerwille gegen einen heimlichen Feind die Stimme der Billigkeit nicht in mir übertäubt . Ich war Zeuge , Teilnehmer der Schlacht . Nur ein stürmisch heftiges Gemüth , wie Galerius , konnte durch das Andenken an alte Schmach so erhitzt werden , um mit einem ungleich schwächeren Heere und in ungünstiger Stellung anzugreifen . Jetzt bereitet der stolze Perser die schimmernden Gezelte weit diesseits der Gegend aus , wo vor einem Monate die römischen Adler standen . Wir sind am rechten Ufer des Euphrats . Diocletian , der sich zu Anfang des Feldzugs in Antiochien aufhielt , ist jetzt nach Nikomedien zurückgegangen . Er hat den Cäsar die ganze Schwere seines Zornes fühlen lassen1 . Zu Fuß - im Purpur , der in diesem Augenblick den Stachel des Schimpfes schärfte , mußte der stolze Galerius eine Stunde weit dem Wagen des Kaisers folgen . Es wäre thöricht und anmaßend von einem Jünglinge , das Verfahren verständiger Greise , deren gemeinnützige Klugheit achtzehn glückliche Jahre bewährt haben , laut tadeln zu wollen . Doch kann ich nicht bergen , daß mir diese außerordentliche Bestrafung , die mehr von einem Durst nach Rache , als einer weisen Absicht zu bessern zeigt , nicht in Diocletians gewöhnlichem Charakter zu liegen scheint . Entweder hat ihn seine Kränklichkeit reizbarer gemacht , oder es hat der List und den Ränken gelungen , die langgenährten Funken der Zwietracht endlich in eine helle Flamme ausbrechen zu machen . Galerius ist schlau und stolz genug , um seine Demüthigung mit Gelassenheit zu ertragen , und vor der Welt durch Unterwerfung unter den Willen seines Augustus sie als eine väterliche Züchtigung minder entehrend scheinend zu machen . In ihm kocht Rache und Wuth . Er haßt den Augustus , er haßt auch mich , und ich kann Diocletian eben so wenig lieben , wie er . So stehen wir einander entgegen , Jeder gerüstet , Jeder mißtrauisch , Jeder im Andern seinen Untergang befürchtend . In solchen Verhältnissen ist der Gewinn eines offenen treuen Freundes größer und bedeutender als je . Ich habe mir einen erworben . Es ist ein junger Nikomedier , den ich im Hause des Bischofs kennen lernte . Sein Aeusseres , der Geist , der sich in seinen Reden zeigte , gewann ihm meine Achtung ; jetzt hat im genauern Umgange seine Denkart meine Liebe erworben . Er ist auf dem Wege , ein Christ zu werden , in seinem Kopfe ist Raum für viel umfassende Plane , in seiner Brust Liebe und